Vorsichtig bringt Thomas Wegener den kleinen „Pechvogel“ vom Horst in einen Pappkarton. Darin kann das Tier im Aut
Vorsichtig bringt Thomas Wegener den kleinen „Pechvogel“ vom Horst in einen Pappkarton. Darin kann das Tier im Auto transportiert werden, ohne noch mehr Aufregung ausgesetzt zu sein. Monika Strehlow
Mit einem Kescher gelingt es Frank Gamrath das Jungtier in der Höhe einzufangen, bevor es vor Schreck aus dem Nest fl&uum
Mit einem Kescher gelingt es Frank Gamrath das Jungtier in der Höhe einzufangen, bevor es vor Schreck aus dem Nest flüchtet. Monika Strehlow
Gebannt schauen Norbert Bukowsky und Angela Dobberstein mit Gustav (von rechts) der Rettungsaktion zu.
Gebannt schauen Norbert Bukowsky und Angela Dobberstein mit Gustav (von rechts) der Rettungsaktion zu. Monika Strehlow
Störche in Klosterwalde

Verwaisten „Pechvogel“ gerettet

Ein Jungstorch wurde von seinen Eltern einfach im Horst in Klosterwalde zurückgelassen. Eine aufwendige Rettungsaktion begann am Freitagmorgen.
Templin

Der Start ins Leben ist für den 2022 einzigen Jungstorch im Templiner Ortsteil Klosterwalde mit Hindernissen gespickt. Nicht nur, dass es den beiden Alttieren bei der extremen Trockenheit in diesem Jahr schwergefallen sein muss, ihr Küken überhaupt groß zu ziehen. Jetzt wurde es von seinen Eltern auch noch alleingelassen. Seit Dienstag habe sie die Alten nicht mehr gesehen, sagt Margit Schindler. „Als der Jungstorch im Horst allein blieb, rief ich bei Tierarzt Börner an, der sofort Hilfe organisierte“, erzählt sie sichtlich aufgeregt.

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Immerhin gehörten die Störche schon zum Dorf, als sie und ihr Mann sich vor 25 Jahren hier niederließen. Damals brüteten sie auf der Scheune; erst auf einer Seite des Dachfirstes, dann auf der anderen. Als der Horst wegen Übergewichts abzustürzen drohte, wurde im Vorjahr in direkter Nachbarschaft ein Mast mit Nisthilfe montiert. Doch im ersten Jahr blieb das Angebot unbewohnt. Umso größer war die Freude, als sich Ende April wieder ein Storchenpaar auf dem Grundstück niederließ, der Uckermark Kurier berichtete. Verständlich ist der Schreck bei den Beteiligten über die neue, so noch nicht erlebte Situation. Die Eltern flogen ab, ohne den Nachwuchs. An der Rettungsaktion des Jungtieres beteiligt war auch Angela Dobberstein, Geschäftsführerin der Elektrofirma Rainer Thomas GmbH aus Groß Dölln.

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„Wir sind seit Jahren Partner der e.dis bei der Errichtung von Nisthilfen und haben auch diesen Mast hier aufgestellt“, klärt sie auf. Eine Premiere allerdings war die Rettungsaktion für ihre Mitarbeiter Frank Gamrath und Thomas Wegener. Mit einem Kescher fingen sie vom Hubsteiger aus das aufgeregt flatternde Tier ein und legten es in einen Pappkarton.

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Norbert Bukowsky, Weißstorchbeauftragte des NABU-Regionalverbandes, fuhr ihn zu Tierarzt Ingo Börner, der schon vielen Wildvögeln helfen konnte. „Bis Montag wäre das Tier vermutlich verendet“, lobt Bukowsky die schnelle Reaktion der Klosterwalderin. Denn die Brutbilanz bei den Weißstörchen sieht auch in diesem Jahr traurig aus. 2018 wurden im Altkreis Templin 94 junge Störche aufgezogen, 2019 waren es nur noch 56. In diesem Jahr wurde nur rund die Hälfte der Horste bezogen. 2021 flogen 60 Jungstörche aus, in diesem Jahr waren es laut NABU-Statistik wieder nur 56. Das Sorgenkind aus Klosterwalde hat gute Chancen zu überleben. Der Vogel sei nicht abgemagert, brauche aber noch mehr Kräfte für den weiten Flug in den Süden, sagt Ingo Börner und erklärt: „Es ist ganz normal, wenn die Elterntiere allein zu einem bestimmten Zeitpunkt losfliegen.“ Im Normalfall sammeln sich die Jungtiere dann auf den Wiesen in Gruppen und starten gemeinsam in den Süden. Doch dafür ist der Klosterwalder wohl zu spät geboren. Gestern noch nahm ihn die Storchenstation Papendorf bei Pasewalk auf, wo er in Gesellschaft anderer Schicksalsgenossen aufgepäppelt wird. Sollte er für den Abflug noch immer zu schwach sein, kann er dort auch überwintern.

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