Schul-Trinkexperiment
Politiker: Niemand wird zum Alkoholtest gezwungen!

Staatssekretär Andreas Büttner verteidigt das Trinkexperiment für Jugendliche, schlägt aber vor, das Projekt nicht mehr in der Schule durchzuführen.
Staatssekretär Andreas Büttner verteidigt das Trinkexperiment für Jugendliche, schlägt aber vor, das Projekt nicht mehr in der Schule durchzuführen.
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Staatssekretär Andreas Büttner verteidigt das Trinkexperiment. Der Politiker aus Templin schlägt aber einen anderen Ort für das Projekt vor.

Andreas Büttner, Staatssekretär im Gesundheitsministerium und Templiner Stadtverordneter, will zu dem zuletzt viel diskutierten Präventionsprojekt nicht schweigen. Er sieht „Lieber schlau statt blau”, bei dem Jugendliche in der Schule Alkohol trinken dürfen und in Begleitung die Wirkung von Bier, Wein und Sekt, erfahren sollen, als Erfolg an.

„Das Projekt gibt es so schon seit 2009”, verteidigte Büttner das Trinkexperiment, „und wird indirekt auch weiterhin vom Ministerium gefördert.” Über die Jahre sei das Projekt, neben anderen Maßnahmen, durchaus als Erfolg zu werten: „Die Zahlen beim Komasaufen gehen deutlich nach unten”, so Büttner, es gebe sogar wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass Teilnehmer des Trinkexperiments im Nachgang seltener zur Flasche greifen würden als Jugendliche, die nicht teilgenommen hatten.

Jugendvilla statt Schule

An einer Stelle lenkt Büttner allerdings ein: „Vielleicht sollte man das Projekt aus dem schulischen Kontext herauslösen.” Eine Elternkonferenz, das Umfeld in der Klasse und im Jahrgang sei womöglich der falsche Ort dafür. „Ich sehe das Problem durchaus”, zeigte Büttner Verständnis für die Kritik einiger Eltern. Es sei natürlich denkbar, dass Schüler unter Druck gesetzt würden, wenn Eltern ihnen verbieten, an dem Trinkexperiment teilzunehmen.

Statt das komplette Projekt in Frage zu stellen, so Büttner, sollte das Angebot stattdessen eher über andere Einrichtungen fortgeführt werden – der Familienvater schlägt dafür beispielsweise die Jugendvilla in Templin vor. „Das würde den Druck von den Schulen nehmen”, so Büttner. Das würde sicherlich dafür sorgen, dass damit weniger Jugendliche erreicht werden, aber das sei immer noch besser als das Projekt durch die jetzige Debatte zu zerstören.

„Eine Elternkonferenz ist dafür vielleicht der falsche Ort.” Gegenwärtig läuft das Projekt an der Oberschule in Templin, Eltern müssen per Einverständniserklärung einwilligen, dass ihr Kind bis zu vier kleine Flaschen Bier trinken darf – das Projekt richtet sich an Neuntklässer, die in der Regel 14 oder 15 Jahre alt sind. Die Teilnahme ist freiwillig. Als Familienvater hätte Büttner dem Projekt allerdings auch nicht zugestimmt, erklärte er weiter. Dafür gäbe es aber andere, persönliche Gründe, die nichts mit dem Projekt an sich zu tun hätten.

Das Gesundheitsministerium unterstützt die Suchtberatungsstellen mit 45.000 Euro jährlich, damit wird auch „Lieber schlau statt blau” gefördert. „Das passiert alles unter wissenschaftlicher Begleitung”, bekräftigte Büttner, „außerdem läuft das Projekt seit zehn Jahren geräuschlos.” Entsprechend verwundert zeigte sich der Staatssekretär über die jüngste Diskussion, schränkte aber ein: „Diese Diskussionen gab es auch beim Start 2009 und vor fünf Jahren auch.”

Jüngst war die Krankenkasse DAK auf Distanz zu dem Präventionsprojekt gegangen. Ein Sprecher hatte kritisiert, dass Kinder als Versuchskaninchen missbraucht würden. Dem widerspricht Büttner: „Das sind auf keinen Fall Versuchskaninchen.” Es werde niemand gezwungen, Alkohol zu trinken und der Konsum würde wissenschaftlich begleitet.

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