TRAURIGES FEST

Vier Enkel vermissen Oma und Opa aus Blankenburg

Nur wenigen Familien ist 2020 ein gemeinsames Ostern vergönnt. Auch bei den Brückners aus der Uckermark fällt die Tradition wegen Corona ins Wasser.
Paul (10), Theo (sieben Monate), Paula (12) und Carla (8) grüßen aus der Ferne ihre Großeltern, Ilona und Vol
Paul (10), Theo (sieben Monate), Paula (12) und Carla (8) grüßen aus der Ferne ihre Großeltern, Ilona und Volker Brückner. privat
Blankenburg.

Ohne Coronakrise wären Ilona (59) und Volker Brückner (63) wohl spätestens am Gründonnerstag zum Großeinkauf losgefahren. Sie hätten Berge von Wurst, Brot, Obst und Gemüse nach Hause transportiert, weil es bei ihnen traditionell zu Ostern viele Mäuler zu stopfen gilt. 2020 ist allerdings alles anders. Das Ehepaar aus Blankenburg wird wie viele andere Uckermärker Eltern auch ohne Besuch zu Hause sitzen, weil sich seine drei Töchter mit ihren Familien nicht auf den Weg in die alte Heimat machen können.

Obwohl es für die Uckermark strenggenommen kein Einreiseverbot gibt, nehmen die erwachsenen Kinder die Kontaktsperre ernst. „Wir haben uns entschieden, nicht nach Hause zu fahren”, ließ die jüngste der drei, Laura Brückner, wissen. Die 29-Jährige lebt seit knapp drei Jahren mit ihren beiden Kindern im Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen. Ganz dicht bei ihrer Schwester Monique (35), die ebenfalls zwei Sprösslinge hat.

Aus der Ferne

Zum Trio gehört außerdem noch das älteste Brückner-Kind (38). „Anika wohnt in Frankfurt am Main und wird ebenfalls nicht anreisen”, berichtet die zahnmedizinische Angestellte im Telefonat mit dem Uckermark Kurier. Weil die junge Frau weiß, dass ihre Eltern nicht nur ihre eigenen Mädels, sondern vor allem die Enkelkinder vermissen, kam sie auf die Idee, an die Heimatzeitung zu schreiben. Das Lokalblatt liegt morgens nämlich als Erstes auf dem Frühstückstisch.

„Mit einem Foto von den Enkeln wollen wir die Großeltern etwas trösten.” Laura Brückner ist sicher, dass diese Überraschung gelingen wird, schließlich ist die Sehnsucht aufgrund der großen Entfernung auf beiden Seiten stets riesig. Die vier Knirpse möchten zurzeit auch nichts lieber, als bei Oma und Opa sein.

Angst vor Strafe

„Aber wir haben ihnen erklärt, dass das dieses Mal zu Ostern leider nicht klappt.” Von der Fahrt Abstand genommen haben die erwachsenen Töchter zum einen wegen der drastischen Strafen, die von der Regierung bei Zuwiderhandlungen angekündigt worden sind. Es sei aber, so die zweifache Mutter, auch die Einsicht, dass man den Virus lieber nicht quer durch Deutschland tragen sollte. „Wir sind zwar gesund, jedenfalls fühlen wir uns so. Aber wissen wir genau, ob das so ist? Nein. Deshalb bleiben wir sicherheitshalber zu Hause. Nicht auszudenken, dass sich unsere Eltern von uns anstecken könnten, nur weil wir es ein Osterfest mal nicht ohne einander ausgehalten haben. Dieses Risiko ist uns allen dreien viel zu groß.”

Dafür haben die Töchter ihre Eltern in Blankenburg viel zu gern. Und wenn jetzt am Frühstückstisch bei den Brückners vielleicht vor lauter Rührung die Tränen fließen, können sie ja zum Smartphone greifen und mittels Videoanruf ganz schnell ganz nah bei ihren Lieben in der Ferne sein. Die Brückner-Mädchen glauben daran, dass die Coronakrise irgendwann zu Ende ist und sie Ostern in der Uckermark nachholen werden, egal wie warm oder kalt es dann schon ist.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Blankenburg

Kommende Events in Blankenburg

zur Homepage