CORONAPROTEST

Von der Angst, öffentlich die Meinung zu sagen

Mit ihrer Sicht auf die Coronakrise macht sich Katrin P. wenig Freunde. Aber das ist der Uckermärkerin egal. Sie will nicht schweigen. Eigentlich...
Gesicht zeigen beim Protest – davor scheuen immer mehr Menschen zurück.
Gesicht zeigen beim Protest – davor scheuen immer mehr Menschen zurück. Markus Scholz
Prenzlau.

Corona ist ein ganz heißes Eisen. Das wird bei den Recherchen des Uckermark Kurier zunehmend deutlich. Immer mehr Leute scheuen sich, ihre Meinung öffentlich zu sagen. Nicht einschüchtern lassen wollte sich eine Leserin aus einem kleinen Dorf bei Prenzlau, die uns am Dienstag ein Interview gab. Nach der Autorisierung des Textes kam dann allerdings die Mail, in der sie mitteilte, dass sie doch nicht die Kraft habe, mit Namen und Adresse aufzutreten. Deshalb erscheint der Text anonymisiert und ohne ihr Bild.

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Katrin P. (Name geändert) ist eine kluge, belesene Frau. Seit jeher gibt sich die 43-Jährige nicht mit vorgefertigten Meinungen zufrieden, sondern hinterfragt Sachverhalte genau. Wenn sie ein Thema interessiere, dann schlage sie sich dafür gern die Nächte um die Ohren, setzt die Mutter eines 13-jährigen Sohnes und einer siebenjährigen Tochter nachdenklich hinzu.

Panik ausgebrochen

Mit Corona habe dieses Forschen und Zweifeln allerdings eine neue Qualität erreicht, gesteht sie offen ein. Hier habe sie irgendwann selbst die Reißleine ziehen müssen, um sich nicht total aufzureiben, sagt Katrin P. leise: „Corona, Corona, Corona – es gab ja gar kein anderes Thema mehr. Kein Wunder, dass die Leute in Panik ausgebrochen sind.“

Die Leserin des Uckermark Kurier erzählt, dass sie seit Monaten mit den Virus-Schlagzeilen hadere, und dass sie diese Unzufriedenheit vor zwei Wochen sogar zur ersten Corona-Demo nach Prenzlau getrieben habe.

„Ich will endlich Antworten, die mich überzeugen. Ich möchte verstehen, warum man unser Land so dermaßen an die Wand gefahren hat, und ob es das wert war“, betont die große, schlanke Frau: „Alles, was bisher auf den offiziellen Kanälen zu hören war, hat nur noch mehr Fragen aufgeworfen.“

Mündiger Bürger

Um ihr Problem zu verdeutlichen, geht die leitende Angestellte an den Anfang der Coronakrise zurück. Sie fragt sich: „Was hat Frau Merkel getan, als es im Februar die ersten Hinweise darauf gab, dass eine Pandemie im Anmarsch ist und Deutschland über 1,5 Millionen Infektionen drohen? Hat sie da nur auf den Herrn Drosten gehört, oder in Verantwortung für ihr Volk auch zweite und dritte Meinungen eingeholt? Ich weiß es nicht. Aber rückblickend sieht es für mich nicht so aus, als ob man an Pluralität interessiert gewesen wäre.“ Katrin P. ist natürlich klar, dass sie sich nicht mit der Bundeskanzlerin vergleichen kann.

„Das maße ich mir auch gar nicht an. Aber als mündiger, von den späteren Einschränkungen akut betroffener Bürger habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, wie ich in so einer Situation reagiert hätte. Das muss erlaubt sein“, resümiert die gebürtige Hessin: „Ich hätte sofort einen Krisenstab einberufen und Fachleute aus den verschiedensten Bereichen um mich geschart. Ist das erfolgt? Keine Ahnung.“ Für sie sei jedenfalls danach keine klare Handlungsstrategie erkennbar gewesen. „Und das macht es mir bis heute so schwer, das Agieren der Regierung zu verstehen.“

Hätte man ihr plausibel erklären können, worauf die brisanten Daten basierten und warum gewisse Maßnahmen in aller Schärfe notwendig seien, „wäre ich bereit gewesen, das zu befolgen“, versichert Katrin P. So aber sei sie wie viele andere Menschen auch nur von Anbeginn verunsichert und in Angst versetzt worden. „Es war doch ein ständiges Hin und Her“, erläutert sie am Beispiel der Maskenpflicht. „Vom 25. März bis 25. April waren fast alle noch ohne Mund-Nasen-Schutz unterwegs. Da hieß es sogar von Herrn Drosten, dass dieser nicht dienlich sei. Aber dann wendete sich das Blatt jäh. Über Nacht wurden restriktive Auflagen verhängt. Plötzlich hat der Staat alle Register gezogen, Dinge durchgesetzt, die vorher in einer Demokratie undenkbar gewesen wären. Warum?“

Zu Gefahrgut degradiert

Katrin P. weiß es bis heute nicht. Man sei vom mündigen Bürger über Nacht zum Gefahrgut degradiert worden. „Diese Panikmache hat bei vielen funktioniert, wie man später sah. Aber bei mir erwachte der Widerspruchsgeist.“ Die Uckermärkerin möchte sich nicht missverstanden wissen. Sie respektiere den Staat und schätze die Vorzüge einer Demokratie.

Kolleteralschäden befürchtet

„Ich begehre nur deshalb auf, weil ich mir Sorgen über die Kollateralschäden mache.“ Sie möchte sich gar nicht ausmalen, wie viel Leid die Maßnahmen für Millionen Menschen gebracht haben. Sie denkt dabei an jene, die ihre Jobs und Existenzen verloren haben oder das in Folge der nicht abwendbaren Rezession noch werden.

„In erster Linie fühle ich aber mit denen, denen das fast komplette Herunterfahren des Gesundheitssystems geschadet hat“, sagt Katrin P.. Sie hat entsetzt die Ausführungen von Onkologen und Kardiologen verfolgt, die schlimme Folgen prophezeien, weil Krankheiten zu spät erkannt beziehungsweise behandelt wurden. „Werden nicht unter Umständen mehr Menschen an den Folgen sterben als die Pandemie Opfer gefordert hätte?“ Der zweifachen Mutter ist bewusst, dass solche Aussagen in der Öffentlichkeit schlimme Konsequenzen haben können. Sie verweist auf den Fall eines geschassten Oberregierungsrates, der Anfang Mai Schlagzeilen machte.

Demokratie muss Kritik aushalten

Besagter Mitarbeiter des Innenministeriums war mit einem Dienstverbot belegt worden, nachdem er in seiner dienstlichen Funktion die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung massiv kritisiert hatte. In einer E-Mail von ihm hieß es, dass eine Analyse seines Referats „gravierende Fehlleistungen des Krisenmanagements“ ergeben habe. Katrin P. ist bis heute schockiert, welchen Ausgang das nahm. „Eine Demokratie muss Kritik aushalten. Ich sage immer, ich bin nicht der Feind, ich habe nur eine andere Meinung. Lasst uns darüber reden.“ Genau das wünscht sie sich für die Zukunft. Selbst wenn heraus komme, dass gewisse Maßnahmen nicht gerechtfertigt gewesen seien.

„Es unterstellt der Regierung ja keiner, dass das in böser Absicht geschah. Vielleicht war man überfordert, vielleicht hat man nicht genug abgewogen. Das alles wäre doch verständlich und menschlich. Aber dann wäre es erst recht an der Zeit, die Reißleine zu ziehen.“

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Kommentare (14)

Recht hat die gute Frau , aus einem kleinen Dorf bei Prenzlau!

Darüber schreibt eine Person, die aufgrund ihres "Berufes" selbst in der Öffentlichkeit steht, aber keine öffentlichen Meinungen über ihre eigene "Arbeit" zulässt und stattdessen ohne Sinn und Verstand irgendeiner angeblichen abstrusen "Verleumdungskampagne" hinterherhechelt. Das gipfelt dann bei dieser Person in lächerlichen und kindischen Verzweiflungstaten, die viel über den Charakter dieser Person aussagen.

Ich sehe es ganz genau so. Warum werden so viele Professoren, Ärzte und andere Fachleute, die eine andere Meinung als die Regierungsmeinung haben, als Verschwörungstheoretiker hingestellt? Warum hört man nur diesen schwammigen Drosten, der schon bei der Schweinegrippe so eklatant danebenlag? Für mich hat dieses ganze System nicht mehr so viel mit einer Demokratie zu tun. Demokratie ist nicht nur ein Wort! Erinnern Sie sich an die DDR? Deutsche DEMOKRATISCHE Republik.
Wer solch schwerwiegende Entscheidungen für ein Land trifft, der muss äußerst triftige Gründe dafür haben! Und darf nicht so ein Rumgeeier an den Tag legen.

den 151 toten Ärzten und den 178 in Großbritannien, die an dieser "harmlosen" Erkrankung gestorben sind!

Das Ist eine besonders "harmlose" Todesfolge.

... besonders "harmlose" Todesursache.

... labern laut Unsinn und haben Angst ihre Meinung zu sagen?

Das Sagen die doch in jede Kamera auf jeder Demo. Doch leider habe ich noch nie was gehört das sie für das gesagte Bestraft wurden. Also muss es ja doch eine Meinungsfreiheit geben. Das witzigste daran. Sie machen es dann sogar noch anonym.

... bei den Aluhüten, Rechts - und Linksradikalen, Verschwörungstheoretikern und sonstigen Spinnern, statt den Fachleuten zu trauen. Nicht schlecht.

Ach ja. Wie man so etwas liebt. Menschen die da stehen und sich in ihren Grundrechten beschnitten sieht. Spricht man sie darauf an wissen sie noch nicht einmal was im Grundgesetz steht.

Zum einen befinden wir uns in einer WELT WEITEN PANDEMIE.
Nicht ein oder zwei Staaten sind betroffen.
Nein da sind Weltweit Staaten betroffen.

Warum stehen wir immer noch besser da als Schweden, Italien, Brasilien oder die USA?
Ganz einfach erklärt.
Weil unsere Regierung umsichtig gehandelt hat.
Weil sie, zwar etwas zu spät, reagiert hat.
Nicht wie in England, USA oder Brasilien. Wo es lange Zeit verleugnet wurde.

Lustig ist ja auch immer diese Aussage "Ich kenne aber keinen der das hatte". Warum kennt man den keinen? Weil es in großen ausmaß verhindert wurde. Weil wir "nur" etwas über 8000 Tote haben.

Und das aller beste. Wenn die Leute anfangen und sagt "Schaut mal Videos auf You Tube. Die haben dort Recht".

Ich sage. "Hört mal auf diesen Mist zu glauben".
Keiner. Wirklich keiner von uns ist Experte oder kennt sich mit Pandemien aus. Sollten doch welche dabei sein. Helft doch bitte den am schlimmsten betroffenen Staaten.

Und noch etwas.
Die letzten Lockerungen kommen ab 6 Juni 2020.
Sprich das einzige was bleibt sind die Hygiene Maßnahmen. Mundschutz im ÖVPN und in Läden. Und die Abstandsregeln.

Denkt doch bitte auch daran. Es gibt weder einen Impfstoff noch ein Medikament.

Geht lieber dafür auf die Straße das die Systemrelevanten mehr Geld bekommen. Das es ein Bedingungsloses Grundeinkommen gibt. Das der Hartz 4 Satz angehoben wird. Dafür kann man auf die Straße gehen.

wofür man nicht auf die Straße gehen braucht sind Sachen wie:
Es gibt keine freie Meinungsäußerung. (Weil sonst könntet ihr nicht euren Müll verbreiten)
Irgendwelche Verschwörungen wie Zwangsimpfung (es gibt nicht mal einen Impfstoff), NWO (sollte eigentlich am 15.5.2020 kommen. Wo ist sie?), Bill Gates (Was ist dagegen einzuwenden wenn jemand sein Geld ausgibt um für Gesundheit in armen Ländern zu sorgen?).
Man muss auch nicht solchen Volldeppen wie Attila Hildmann oder Xavier Naidoo folgen. Die haben sich lange genug zum Deppen gemacht.

Wenn man nichts zu befürchten hat kann man auch seinen Namen im Netz angeben.

Sie sprechen viele Fragen an, die denkende Bürger heute bewegen.

Offensichtlich werden in diesem Bericht jede Menge Behauptungen aufgestellt, welche leider nicht belegt werden, aber dennoch unbedingt adressiert werden müssen.

„Ich hätte sofort einen Krisenstab einberufen und Fachleute aus den verschiedensten Bereichen um mich geschart. Ist das erfolgt? Keine Ahnung."

Ja das ist erfolgt. Und zwar am 27.02.

Daran beteiligt sind "neben BMI und BMG, etwa auch Vertreter des Bundeskanzleramtes, des AA, des BMVg, des BMWi und des BMAS". Die Risikobewertung erfolgt durch das RKI.

Wenn man Behauptungen aufstellt, sollte man sich wenigstens 5 min. vorher informieren. Das kann man von einer so einer belesenen Frau wohl erwarten.

Ich hoffe, dass jemand Lust hat die restlichen Thesen zu wiederlegen.

Ansonsten würde ich vorschlagen, dass man den Bericht einfach in das Italienische oder Spanische übersetzt und dort auch auch veröffentlicht.

Schauen Sie auf ARD.de, NDR.de, Focus.de oder Nordkurier.de nach. Dauert länger als 5 Minuten. Die Zeit sollte man sich zur Meinungsbildung nehmen. Ich hätte mir vom Nordkurier hierzu auch einige Anmerkungen erwartet.

Ich hätte mir vom Nordkurier gewünscht, dass die Fakten korrekt dargestellt werden. Selbstverständlich werden Expertenteams einberufen und jedes Fachwissen, weltweit, berücksichtigt. Die Leute äußeren ihre noch so verrücke Meinung, etwa dass Frau Dr. Merkel ein Reptiloid sei, direkt vor dem Bundestag. Was die scheinbar nur auf Facebook und YouTube "gelesene" Dame von sich gibt, ist also Blödsinn. Durch die fehlende Klarstellung oder wenigstens Konfrontation der Frau mit Fakten, klingt es für manchen "Dörfler" vermutlich, als hätte sie Recht. Von einer seriösen Zeitung erwarte ich mehr.