SOZIALE NETZWERKE

Vorwürfe im Internet treffen Uckermärker Retter hart

Bei großen Einsätzen müssen sich Feuerwehrleute in sozialen Netzwerken manchmal Vorwürfe gefallen lassen. Die lassen sie nicht kalt.
Bei dem Brand in der DRK-Einrichtung für betreutes Wohnen am 11. Juli gingen Feuerwehrleute und Helfer teilweise bis an i
Bei dem Brand in der DRK-Einrichtung für betreutes Wohnen am 11. Juli gingen Feuerwehrleute und Helfer teilweise bis an ihre Grenzen. Dass sich die Kameraden ungerechtfertigten Vorwürfen in sozialen Netzwerken ausgesetzt sahen, können sie nicht verstehen. Archiv Nk
Templin.

Feuerwehrleute sind in der Regel hart im Nehmen. Bei ihren Einsätzen werden sie nicht selten mit menschlichen Schicksalsschlägen konfrontiert. Da sind Unfälle mit Verletzten oder gar Todesopfern, Wohnungsbrände, bei denen ganze Familien ihr Hab und Gut verlieren, oder die Suche nach Vermissten zu Wasser und zu Lande mit nicht selten tragischem Ausgang. Die Bilder im Kopf, die Feuerwehrleute von solchen Einsätzen mitnehmen, müssen sie für sich selbst oder in der Gemeinschaft erst mal verarbeiten. Wenn sie dann noch in sozialen Netzwerken mit zum Teil unqualifizierten Kommentaren angegriffen werden, lässt das selbst gestandene Helfer nicht kalt.

Bis an die Grenzen

„Ich bin traurig, wenn ich so etwas lese“, gestand Stefan Hennig. Wer den Templiner Feuerwehrmann kennt, der weiß, dass er selten so offen seine Emotionen zum Ausdruck bringt. Doch sie sind nachvollziehbar. „Man darf immer eines nicht vergessen: Feuerwehr ist nicht unser Beruf. Wir machen das alles ehrenamtlich. Und jeder von uns geht im Einsatz bis an seine Grenzen und manchmal sogar noch darüber hinaus“, erklärte er.

Falsche Behauptung

Der Großbrand auf dem Schrottplatz von Paul Benzin am 2. Juli 2018 oder zuletzt die Brandkatastrophe in der Einrichtung für betreutes Wohnen des DRK in Templin am 11. Juli waren solche Einsätze. Für Vorwürfe in sozialen Netzwerken, wie im jüngsten Fall, hat Hennig wenig Verständnis. „Da hieß es zum Beispiel, die Feuerwehr sei zunächst in die falsche Richtung gefahren.“ Ein Vorwurf, der schlicht und ergreifend nicht der Wahrheit entsprach. „Wir hatten vor dem Großbrand einen Einsatz in der Südstadt“, so der stellvertretende Wehrführer. In gewisser Weise sei das sogar ein glücklicher Umstand gewesen, denn dadurch seien die Feuerwehrleute schon an beziehungsweise in den Fahrzeugen gewesen und die Ausrückzeit habe sich extrem verkürzt. Schon nach vier Minuten sei das erste Fahrzeug am Einsatzort in der Nordstadt gewesen.

Harter Vorwurf

Echt getroffen hatte die Feuerwehrleute allerdings der Vorwurf, dass sie schuld am Tod des 79-jährigen Bewohners im DRK-Domizil gewesen seien. „Meine Familie musste durch den bösen Fehler von der Feuerwehr zusehen, wie ein alter armer Mann verbrannt ist, der um Hilfe gerufen hat“, hatte ein Templiner auf Facebook gepostet. Hennig selbst gehörte zu den Helfern, die versucht hatten, mit einem sogenannten Innenangriff den Mann aus der im Vollbrand stehenden Wohnung zu retten. Auch von außen hatten Kameraden versucht, über eine Steckleiter zu dem Brandopfer zu gelangen. Bei dem Versuch hatte sich einer von ihnen durch die Hitze der Flammen eine Verbrühungsverletzung durch die Schutzkleidung hindurch an der Schulter zugezogen. Das zeige, dass die Rettung von Personen grundsätzlich immer an erster Stelle stehe. In einer Audionachricht hat sich der Templiner inzwischen bei den Feuerwehrleuten entschuldigt.

Verständnis geäußert

Christian Straßburg von der Prenzlauer Feuerwehr kann die Enttäuschung seiner Kameraden in Templin verstehen. Er war selbst bei dem Einsatz mit dabei. Auch in Prenzlau kennen die Feuerwehrleute Kommentare in sozialen Netzwerken zu Einsätzen der Helfer. Solche harten Vorwürfe, wie sie gegenüber den Templinern geäußert wurden, seien allerdings bislang noch nicht dabei gewesen, sagte der stellvertretende Wehrführer, der auch die Facebook-Seite der Prenzlauer Feuerwehr betreut. „Ab und zu kommen mal Fragen, warum so viele Fahrzeuge zu den Einsätzen fahren, wieso Feuerwehrleute Tragehilfe leisten müssen, wenn der Rettungsdienst Patienten aus ihren Wohnungen holen muss, um sie ins Krankenhaus zu bringen, oder wer die Einsätze überhaupt bezahlt?“, nannte er Beispiele. Eskaliert sei die Situation bei Facebook & Co allerdings noch nie.

Feuerwehr informationsbereit

„Wir versuchen dann immer, solche Fragen fachlich zu erklären. In der Regel ist danach auch Ruhe“, so Christian Straßburg. Von seinen Kameraden habe sich deshalb auch noch nie jemand persönlich angegriffen gefühlt. „In der Regel resultieren die Kommentare aus Unkenntnis der Einsatzabläufe bei uns. Deshalb bieten wir den Facebook-Nutzern auch immer an, gern bei uns vorbeizukommen, um ihnen ihre Fragen zu den Einsätzen zu beantworten.“ Dieses Vorgehen habe sich bewährt.

Es gilt übrigens auch für die Templiner Feuerwehr, so Stefan Hennig. „Auch uns kann man jederzeit ansprechen, wenn jemand Fragen zu Einsätzen hat“, stellte er klar.

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