Das Lied der Deutschen wurde erstmals 1922 Nationalhymne und dann wieder ab 1952 in der Bundesrepublik.
Das Lied der Deutschen wurde erstmals 1922 Nationalhymne und dann wieder ab 1952 in der Bundesrepublik. Sina Schuldt
Gastkommentar Dr.Krause

Wer kann Nationalhymne textsicher mitsingen?

Gastkommentator Dr. Helaman Krause, früherer Kommunalpolitiker, geht der Frage nach, wem die Hymne des Landes eine Herzensangelegenheit ist.
Prenzlau

Nun sollen sie also überprüft werden, die deutschen Beamten; auf ihre Verfassungstreue. Und wie will man die prüfen? Vielleicht mit einem Katalog von Fragen: Haben Sie vor, eine terroristische Vereinigung zu unterstützen, Ja oder Nein? Wer Ja ankreuzt, hat seine Karriere beendet, bevor sie begonnen hat. Wie stark ist Ihre Liebe zum Vaterland auf einer Skala von eins bis zehn?... Ich will da niemandem was vorschreiben, halte aber das Ankreuzen der Zehn für optimal. Ich empfehle einen anderen Test. Die Nationalhymne singen, laut, textsicher mit erhobenem Haupt, denn beim Singen ist auch das Herz dabei.

Deshalb finde ich die Siegerehrung bei Sportereignissen am interessantesten, wenn die Fahne des Landes gehisst und die Nationalhymne gespielt wird. Wenn Sportler aus verschiedenen Ländern gewinnen, dann lernt man ihre Nationalhymnen kennen. Manche Sportler sind richtig ergriffen, haben auch mal Tränen in den Augen – und viele singen mit, wenn die Hymne einen Text hat. Ich habe da so einige Favoriten unter den Nationalhymnen. Besonders gefällt mir die Hymne Italiens. Die ist flott und schmissig im Viervierteltakt. Man muss mal erlebt haben, wie tausende Italiener nach einem Sieg von Ferrari in der Formel 1 lautstark und begeistert das Lied der Italiener schmettern „Fratelli Italia“, Brüder Italiens. Das ist Leidenschaft und Liebe zum Vaterland. Da wird Scipio besungen, der Feldherr, der vor 2200 Jahren Hannibal besiegt hat, sie wissen schon, den mit den Elefanten. Und weiter „lasst uns die Reihen schließen, wir sind bereit zum Tod“, „geeint durch Gott, wer kann uns besiegen?“. Dieses Lied der Italiener war nicht immer offizielle, aber immer heimliche Nationalhymne und wurde 2012 Staatssymbol Italiens und Unterrichtsgegenstand.

Österreichische Bundeshymne von 1947

Die Österreichische Bundeshymne, 1947, kommt eher gemächlich im Dreivierteltakt daher. Die Melodie soll Mozart komponiert haben. Der Text „Land der Berge, Land am Strome“ von Paula Preradovic geht weiter „Heimat bist Du großer Söhne“. Sie ahnen sicher, was Politiker mit dieser Textpassage angestellt haben.

Frankreichs Hymne, die Marseillaise, stammt aus der Französischen Revolution. Wenn sie vieltausendstimmig gesungen wird, dann tobt ein Orkan. Der Text ist martialisch. „Auf Kinder des Vaterlandes, der Tag des Ruhmes ist gekommen … Zu den Waffen Brüder, formiert eure Bataillone … Zittert … ihr Niederträchtigen, Schande aller Parteien, zittert!“. Mit den Franzosen ist nicht zu spaßen, die haben auch schnell mal die gelben Westen an, wenn das Benzin zu teuer ist oder der Staat ihnen zu sehr in die Quere kommt.

„God save our gracious King“

Die Engländer singen, dass Gott ihre Königin oder jetzt den König beschützt, „God save our gracious King“. So eine Monarchie hat durchaus Vorteile. Wenn es im Land mal schief läuft oder die Regierung kurzfristig ausgewechselt werden muss, weil der Boris zu viel Party gemacht hat, bleibt der König doch immer oberste Instanz und damit Orientierung für das Volk. Wie Tradition ein Volk eint, wurde der ganzen Welt anlässlich der Trauerfeiern für Queen Elizabeth II. sehr eindrucksvoll gezeigt. Übrigens hält auch die Hälfte der Deutschen die Monarchie für eine bewährte Tradition.

In Deutschland vermisse ich das begeisterte Singen der Nationalhymne ein wenig. Lernen die Kinder sie noch textsicher singen? Viele Fußballmillionäre schauen lieber stumm in den Himmel oder auf die geputzten Schuhe. Vorbildwirkung, Vaterlandsliebe? Ich habe die Nationalhymne als Schulkind gelernt, also die der DDR, mit dem schönen Text von Johannes R. Becher und der eingängigen Melodie von Hanns Eisler „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt, lass uns dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland“. Das einige Deutschland habe ich mir immer gewünscht, denn die Trennung von lieben Verwandten im Westen empfand ich als widersinnig.

Die Idee vom einigen Vaterland war der damaligen Staatsführung irgendwann nicht mehr geheuer, sodass ab 1970 nur noch die Melodie gespielt wurde. Da war ich Student, nicht immer studierend, also nicht Studierender, das ist ein Unterschied. Dem Sprache zerstörenden Genderirrsinn fällt das allerdings nicht auf. Wir haben das einige Vaterland aber heimlich weiter besungen und schließlich haben wir Ossis die Einheit ja auch erreicht und eine neue Hymne übernommen. Die war eigentlich die alte, das Lied der Deutschen, geschrieben 1841 von Hoffmann von Fallersleben für die Melodie der Kaiserhymne von Joseph Haydn 1797. Das Lied hat eine lange Tradition, aber noch nicht als Nationalhymne.

Lied der Deutschen 1922 erstmals Nationalhymne

Als man 1813 Napoleon verjagen wollte, hielt das Lied von Ernst Moritz Arndt „Was ist des Deutschen Vaterland“ die Reihen zusammen. Später huldigte man dem Kaiser „Heil Dir im Siegerkranz“. Nach dem Ersten Weltkrieg war es damit vorbei. In der Weimarer Republik erklärte am 10. September 1922 Reichspräsident Friedrich Ebert, ein Sozialdemokrat, das Lied der Deutschen mit allen drei Strophen zur Nationalhymne des Deutschen Reiches. Der Text, völlig unkriegerisch, preist Deutschlands Größe in Einigkeit und Recht und Freiheit und die zweite Strophe „Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang sollen in der Welt behalten ihren alten, schönen Klang“, dürfte auch den Feministen gefallen. Leider hat die Hymne gelitten nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie öffentlich zu singen. war in der amerikanischen Zone verboten. Deutschland hatte für viele Jahre keine offizielle Nationalhymne mehr. Bei Staatsempfängen brauchte man aber eine Hymne für das Protokoll, und so spielte 1953 in Chicago beim ersten Staatsbesuch von Bundeskanzler Adenauer in Amerika die Kapelle ungeniert ‚Heidewitzka Herr Kapitän!‘. Bundespräsident Heuss verfügte am 6. Mai 1952, dass die dritte Strophe des Deutschlandliedes als Nationalhymne gelten sollte. Eine mutige Entscheidung für deutsche Tradition und Kultur!

Und so können wir singen von Einigkeit und Recht und Freiheit für das Deutsche Vaterland, und dass es blühen soll im Glanze diese Glückes. Blühen soll es, nicht frieren, nicht hungern und sich nicht ängstigen. Ich wünschte mir, dass Millionen am Nationalfeiertag dieses Lied verfassungstreu und begeistert singen. Ich werde zweimal singen, am 3. und am 7. Oktober, damit Einigkeit und Recht und Freiheit dir zum Guten diene, Deutschland, einig Vaterland!

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