STILLER PROTEST

▶ Wirte schleppen leere Stühle in die Prenzlauer Innenstadt (mit Video)

In der Gastronomie wehen die Fahnen auf Halbmast. Wegen der Coronakrise fürchten viele Firma das Aus. Ihre Forderungen machten sie am 1. Mai auf.
Kai Frodl, Chef des „Hotel Uckermark” hat klare Forderungen an die Politik.
Kai Frodl, Chef des „Hotel Uckermark” hat klare Forderungen an die Politik. Claudia Marsal
Die Prenzlauer Wirte hatten ihre leeren Stühle demonstrativ vorm Rathaus abgestellt.
Die Prenzlauer Wirte hatten ihre leeren Stühle demonstrativ vorm Rathaus abgestellt. Claudia Marsal
Die Gastronomen Mandy Teschke und Dirk Naujokat machen gute Miene zum bösen Spiel.
Die Gastronomen Mandy Teschke und Dirk Naujokat machen gute Miene zum bösen Spiel. Claudia Marsal
Prenzlau.

In der Uckermark hat seit Beginn der Coronakrise fast ein Drittel aller Unternehmen Kurzarbeit angemeldet. Das teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. 979 der insgesamt 3207 Betriebe im Landkreis setzten auf Gelder der Arbeitsagentur. Besonders betroffen ist das Gastgewerbe. „Die Branche liegt seit Wochen weitgehend brach. Gerade kleinere Hotels und Gaststätten kämpfen ums Überleben”, hieß es von der NGG. Mit der Aktion „Leere Stühle” wollen die Betroffenen auf das drohende Aus aufmerksam machen. Nach Protesten in mehreren anderen Städten war am Freitag nun Prenzlau an der Reihe.

[Video]

Große Sorgen

Punkt 8 Uhr schleppten Gastronomen und Hoteliers ihr Mobiliar auf den Rathausvorplatz, um ihre Sorgen publik zu machen. Zu den Forderungen gehören unter anderem die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes, die dauerhafte Einführung der geringeren Mehrwertsteuer, die Erweiterung des Bundeszuschusses „Soforthilfe“ für Unternehmen auch mit mehr als zehn Mitarbeitern, Klarstellungen zum Zuschuss sowie eine klare Exit-Strategie. Hotelchef Kai Frodl gehörte zu denen, die ihrem Ärger Luft machten.

Nicht entlassen

Er findet schlimm, dass in der Politik schon in Erwägung gezogen werde, die Saison 2020 ganz ausfallen zu lassen. „Seit gestern haben wir gar keinen Gast mehr im Haus”, schimpfte der Kreisstädter. Noch hat er niemanden entlassen, sondern setzt auf das Instrument Kurzarbeit. „Aber wir brauchen endlich verlässliche Informationen, ob und wann es weitergeht.” Ähnlich argumentiert Wirtin Anke Menge-Weiher. Auch sie hat alle neun Angestellten vorübergehend auf Null gesetzt. Für die paar Außer-Haus-Essen rechne sich kein Mitarbeiter, stellt sie fest. Aber das tue ihr in der Seele weh.

Soforthilfe verbraucht

Und die Soforthilfe – in ihrem Fall 15 000 Euro – sei schnell aufgebraucht gewesen, setzt die Prenzlauerin hinzu. Eine ähnliche Rechnung macht Dirk Naujokat von der Firma LD Event auf. Sein 60 Mitarbeiter starkes Unternehmen betreibt unter anderem zwei Hotels, Großkantinen und hat zwei Gartenschauen vorbereitet. Allein für dieses Projekt sei man mit einer Dreiviertelmillion Euro in Vorleistung gegangen. „Man kann sich also vorstellen, wo wir aktuell stehen”, bilanziert er nüchtern. In seiner Funktion als Regionalpräsident der Unternehmervereinigung versucht er trotzdem, Mut zu machen: „Es muss ja irgendwie weitergehen. Wir geben die Hoffnung nicht auf.” In Templin wird erst nächste Woche entschieden, ob sich auch Gastronomen der Kurstadt beteiligen.

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