CORONAKRISE

Wurst-Absatz nicht eingebrochen, aber...

Fleischermeister Norbert Thiel ist froh, dass seine Branche weiter arbeiten darf. Doch die Entwicklung an der Imbisstheke macht dem Prenzlauer Sorgen.
In der Räucherkammer hat Norbert Thiel weiter gut zu tun.
In der Räucherkammer hat Norbert Thiel weiter gut zu tun. Claudia Marsal
Mit Spezialitäten nach alten DDR-Rezepten können die Prenzlauer punkten.
Mit Spezialitäten nach alten DDR-Rezepten können die Prenzlauer punkten. Claudia Marsal
Sohn Michael (rechts), hier mit seinen Eltern Doris und Norbert Thiel, ist als Junior schon mit im Betrieb.
Sohn Michael (rechts), hier mit seinen Eltern Doris und Norbert Thiel, ist als Junior schon mit im Betrieb. Claudia Marsal
Fleisch und Wurst gehen gut.
Fleisch und Wurst gehen gut. Claudia Marsal
Vor Corona steuerten viel mehr Menschen den Imbiss am Fleischerladen an.
Vor Corona steuerten viel mehr Menschen den Imbiss am Fleischerladen an. Claudia Marsal
Prenzlau ·

In „normalen” Zeiten beköstigt das Team der Fleischerei Thiel rund 400 Leute pro Tag an der Imbisstheke in der Prenzlauer Kietzstraße. Der Andrang geht schon beim Frühstücksgeschäft los und findet seinen Höhepunkt meist um die Mittagszeit gegen 12 Uhr. Doch die Coronakrise hat diese Zahlen gravierend einbrechen lassen. „Jetzt sind wir schon froh, wenn wir auf 150 Esser täglich kommen”, bilanziert Norbert Thiel nachdenklich. Der Fleischermeister führt das vor allem darauf zurück, dass der Verzehr im Laden und im Außenbereich aktuell nicht gestattet ist. Früher kamen viele Arbeiter schnell in der Pause vorbei, setzten sich drinnen und draußen an die Tische oder standen am Stehtresen. „Jetzt wissen sie nicht, wo sie ihre Mahlzeiten einnehmen sollen”, resümiert der 68-Jährige.

Er könne niemandem verdenken, dass er keine Lust habe, direkt aus der Verpackung zu löffeln. Auf den Baustellen sei es kalt, nur selten gebe es die Möglichkeit, Essen warm zu machen, weiß der Prenzlauer aus Gesprächen mit den Kunden.

Landtouren laufen besser

Und Kassler, Gulasch, Eisbein & Co. im Auto herunterzuschlingen, sei auch nicht jedermanns Sache, ist dem Unternehmer bewusst. Deshalb hat sich bislang auch noch nicht die Hoffnung erfüllt, dass der neugebaute Aldi in der Nachbarschaft für weitere Belebung an der heißen Theke sorgt. „Wir sind davon ausgegangen, dass viele Kunden nach dem Einkauf im Discounter noch schnell etwas bei uns essen. Aber aufs Mitnehmen in der Assiette haben die wenigsten Lust”, hat Norbert Thiel die Erfahrung gemacht. Ihn tröstet ein wenig der Umsatzgewinn bei den Landtouren.

Im 76. Jahr

Das große Verkaufsmobil sei im Lockdown gefragter geworden, weil viele Leute zu Hause sind, berichtet der Fleischermeister. Es werde wieder mehr selbst gekocht, das schlage sich beim Absatz von Frischfleisch nieder, setzt er dankbar hinzu. Auch beim Wurstverkauf muss die Firma glücklicherweise keinen Rückgang verzeichnen. Dafür ist Norbert Thiel dankbar, ebenso wie er natürlich wertschätzt, dass Fleischer anders als andere Unternehmer weiter ihre Waren anbieten dürfen. Der Kreisstädter hofft, dass sich die Zeiten wieder normalisieren und das 76. Jahr des Familienbetriebes nicht als ein schlechtes in die Annalen eingeht. Schließlich soll irgendwann mal der Junior die Metzgerei übernehmen und durch viele weitere Jahrzehnte führen.

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Kommentare (1)

Sicherlich spielt Corona auch eine große Rolle beim Absatz aber als Geschäftsführer sollte man auch mal hinhören was die Kunden sagenden auf Kritik wird erst gar nicht reagiert obwohl sie mit Sicherheit gehört wird.
Was mich persönlich als jahrelangen Kunden (andere Kunden auch) stört ist das die Qualität des Essens sehr nachgelassen hat, die Preise sind gestiegen aber die Portionen sind immer kleiner geworden.