STAMMZELLENSPENDE

Zeitsoldat will seinen „Zwilling“ retten

Für seinen krebskranken Opa kam jede Hilfe zu spät. Umso mehr hofft Marvin Vandré nun, dass er einen Niederländer vor dem Tod bewahren kann.
Marvin Vandré hofft, dass seine Stammzellen einen 72-Jährigen vor dem Tod bewahren.
Marvin Vandré hofft, dass seine Stammzellen einen 72-Jährigen vor dem Tod bewahren. Claudia Marsal
Prenzlau.

Als seine Kompanie vor drei Jahren dazu aufrief, sich für die Stefan Morsch-Stiftung typisieren zu lassen, sagte Marvin Vandré kurzentschlossen Ja. „Ich bin ein hilfsbereiter Mensch, der immer möchte, dass es anderen gut geht”, reflektiert der junge Zeitsoldat. Warum also nicht auch Krebskranken helfen! Der 22-Jährige gab 2017 wie viele seiner Kameraden eine Speichelprobe ab. Das war's. Nach der Aktion hörte der junge Mann nichts mehr von der DNA-Datenbank. Als Anfang des Jahres ständig sein Handy mit unbekannter Nummer klingelte, stellte der Bundeswehrangehörige keinen Zusammenhang her. Er ging nicht ran.

„Doch irgendwann kam mir diese Hartnäckigkeit des Anrufers komisch vor”, blickt der Damerower zurück. Nach dem Telefonat wusste er dann, warum. Plötzlich hieß es nämlich, dass er zum Lebensretter werden könnte.

An Leukämie erkrankt

„Die Verantwortlichen sagten mir, dass ich einen genetischen Zwilling habe, der an Leukämie erkrankt ist”, erinnert sich der Uckermärker an besagtes Gespräch zurück: „Und dass eine Transplantation die letzte Chance des Patienten sei und ob ich noch bereit wäre, Stammzellen zu spenden.” Der Bundeswehrangehörige sagte zum zweiten Mal Ja. Danach ging alles schnell. Sein Hausarzt entnahm Blut. Dann ging das Material zur Untersuchung ins Labor. Wenig später erfuhr Marvin Vandré, dass es genügend Übereinstimmungsmerkmale gibt. An diesem Punkt wurde die Angelegenheit ernst. Ende März fuhr er mit seiner Freundin Sophie-Isabel nach Berlin zu den Voruntersuchungen an der Charité. Dieser Termin fand schon unter dem Eindruck der Coronakrise statt, wie sich Marvin Vandré erinnert.

Leere Stationen

„Ich weiß noch, wie leer es dort überall war und dass Hygienemaßnahmen an erster Stelle standen.” In dieser Situation beschäftigte sich der junge Spender richtig mit dem großen Schritt. „Ich bekam ja mit, dass einige abgesprungen waren – aus Angst vor dem Virus. Aber ich sagte mir, was kann denn der Kranke dafür, dass alle wegen Corona in Aufregung sind.” Er selbst rückte nicht von seinem Entschluss ab zu helfen. Auch nicht, als ihm die Ärzte nach dem Check eine Ladung Spritzen in die Hand drückten, die er sich vor dem Eingriff selbst verabreichen musste, um die Stammzellenproduktion in seinem Körper anzuregen. Morgens eine, abends zwei – und das fünf Tage lang. Bereits am dritten Tag stellten sich Nebenwirkungen ein. „Ich bekam heftige Kopf- und Gliederschmerzen, nach der letzten Spritze wurde es richtig krass.”

Große Schmerzen

Doch der gelernte Mechatroniker haderte weiter nicht. „Wieder sagte ich mir, dass das nichts im Vergleich zu den Schmerzen ist, die der Krebskranke gerade hat. Ich hielt das aus. Mir zur Seite standen ja meine Freundin, die Krankenschwester ist, und meine Mama.” Mutter Anke Vandré begleitete ihren Jungen dann auch zur Stammzellenentnahme. „Ich selbst hielt mir vor Augen, dass der andere Mensch vermutlich sterben würde, wenn ich jetzt einen Rückzieher mache. Das gab mir Kraft. Ich hätte kein Leben auf dem Gewissen haben wollen, sondern lieber die Chance nutzen, eins zu retten. Die Prozedur an sich tat dann gar nicht mehr weh.”

Kampf gegen Krebs

Erst danach erfuhr er, für wen er alles auf sich genommen hatte: einen 70-Jährigen aus den Niederlanden. In einem halben Jahr wird der passierte Hobbyfußballer erfahren, ob die Transplantation erfolgreich war. Bis dahin heißt es, Daumen drücken. Marvin Vandré weiß schließlich, wie viel Leid der Tod mit sich bringt. Sein erst 72-jähriger Opa hat den Kampf gegen den Krebs in diesem Jahr verloren. „Ihm konnte niemand mehr helfen.”

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