Existenznot

Zirkuskinder mussten betteln gehen

In der Coronakrise war Familie Lauenburger auf Spenden angewiesen, um sich und die Tiere satt zu kriegen. Nun hofft sie auf viele Zuschauer in Prenzlau.
Francesco ist das dritte von fünf Kindern der in Woltersdorf bei Angermünde beheimateten Zirkusfamilie. Der 24-J&aum
Francesco ist das dritte von fünf Kindern der in Woltersdorf bei Angermünde beheimateten Zirkusfamilie. Der 24-Jährige führt in der Manege unter anderem die Kamele vor und jongliert. Auch seine Geschwister Romina (15), Antonio (22), Rodrigo (28) und Guilia (30) sind Teil des Programms. Claudia Marsal
Chefin Diana Lauenburger (50), mit Enkelin Angeli (1) und Tochter Romina (15), bringt Haushalt und Business unter einen Hut. B
Chefin Diana Lauenburger (50), mit Enkelin Angeli (1) und Tochter Romina (15), bringt Haushalt und Business unter einen Hut. Bei ihr ist auch die Tickethotline: 0152 04124753. Claudia Marsal
Ohne Trecker geht es nicht. Das Zirkusleben ist hart.
Ohne Trecker geht es nicht. Das Zirkusleben ist hart. Claudia Marsal
Die Ziegen können im Streichelzoo bestaunt werden.
Die Ziegen können im Streichelzoo bestaunt werden. Claudia Marsal
Von 4. bis 14. November gastiert der Zirkus in Prenzlau auf dem Platz der ehemaligen Margarinefabrik. Die Vorstelllungen begin
Von 4. bis 14. November gastiert der Zirkus in Prenzlau auf dem Platz der ehemaligen Margarinefabrik. Die Vorstelllungen beginnen von Donnerstag bis Samstag um 16 Uhr, sonntags schon um 14 Uhr. Claudia Marsal
Prenzlau

Hinter Großfamilie Lauenburger liegen ein paar verdammt schwere Monate. Die Coronakrise hat die 14 Frauen, Männer und Kinder in akute Existenznot gebracht. Die Betreiber vom „Ostfriesland Circus“ gastierten 2020 gerade in der Uckermark, als für ihre Branche ein Auftritts- und Reiseverbot verhängt wurde. „Über Nacht steckten wir fest“, erinnert sich Diana Lauenburger zurück. Die 50-Jährige führt das Unternehmen in siebenter Generation: „Aber so harte Zeiten hatte die Familie noch nie.“ Zum Glück habe ihnen die Gemeinde Woltersdorf bei Angermünde in dieser ausweglosen Situation ein Stück Land zugewiesen, auf dem sie überwintern konnten. „Da haben wir uns jetzt auch fest angemeldet“, erklärt die fünffache Mutter und zeigt stolz auf die „UM“-Kennzeichen.

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„In der Krise durften wir erfahren, was Nächstenliebe ist“, betont die Zirkusdirektorin. Wildfremde Menschen hätten Futter für die Tiere und Lebensmittel vorbeigebracht, führt sie als Beispiel an. „Auch Geldspenden trafen ein“, setzt die Unternehmerin dankbar hinzu: „Das war auch bitter nötig, denn viele Kosten liefen ja automatisch weiter. Hilfen vom Staat standen uns nicht zu, nur ein bisschen Hartz IV vom Jobcenter gab es.“

Ausgaben laufen weiter

An manchen Tagen seien sie so verzweifelt gewesen, dass die Kinder mit dem Klingelbeutel betteln gingen, räumt die Zirkusfrau widerstrebend ein. „Sie haben vorm Odercenter und an großen Plätzen gestanden und gebettelt“, berichtet Diana Lauenburger sichtlich berührt: „Sie glauben gar nicht, wie sehr wir uns in diesem Moment geschämt haben. Aber wir sahen keinen anderen Weg. Die 40 Tiere hatten Hunger, wir ebenfalls. Und Rücklagen zu bilden, war uns in den Vorjahren nicht möglich gewesen.“

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Die Ausgaben schwebten wie ein Damoklesschwert über dem Team und bescherten vor allem ihr manch durchweinte Nacht. „Als wir im Sommer 2021 endlich auf Tournee gehen durften, war die Freude groß. Endlich hatten wir wieder die Möglichkeit, für unser Auskommen selbst zu sorgen“, setzt die dreifache Oma nachdenklich hinzu: „Natürlich beschert das Reisen jetzt zusätzliche Ausgaben. Es drücken die Raten für die Auto- und Trailer-Kredite, die Ausgaben für TÜV, Sprit, Platzmiete, Werbung, Krankenkasse und vieles mehr. Deshalb sind wir dringend darauf angewiesen, dass die Ränge voll werden“, erklärt Diana Lauenburger, warum ihre Mannschaft so große Hoffnungen in den 14-tägigen Aufenthalt in der Kreisstadt setzt. „Wir sind der Zirkus aus der Uckermark, der weiter auf die Hilfe seiner Mitmenschen angewiesen ist, sonst stirbt unsere Branche.“ Sie wollten keine Almosen, stellt die Chefin klar: „Als Gegenleistung liefern wir fast zwei Stunden Schwerstarbeit ab. Und der Tag ist ja nicht zu Ende, wenn die letzte Vorstellung beendet wird. Dann heißt es wieder, Tiere versorgen, Fahrzeuge warten, Programme trainieren, Zelt auf- und abbauen... Wenn wir nach Stunden bezahlt würden, wären wir alle steinreich. Aber das sind wir nicht. Das Ganze funktioniert nur, weil wir als Familie zusammenhalten. Da hat jeder Verständnis.“

Donnerstags und samstags beginnen die Vorführungen um 16 Uhr, sonntags um 14 Uhr.

Tickets: 0152 04124753

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