UMGANG MIT KRISE

Zwischen Ängsten und Corona-Partys

Wie kann man die Gefahren des Coronavirus an Kinder und Jugendliche vermitteln, ohne Panik auszulösen? Ein Experte erklärt, worauf es ankommt.
Von Corona-Ängsten sind alle betroffen. Kleinkinder spüren die Verunsicherung der Eltern. Jugendlichen flüchten
Von Corona-Ängsten sind alle betroffen. Kleinkinder spüren die Verunsicherung der Eltern. Jugendlichen flüchten in Partys, um Sorgen zu überspielen. Oliver Dietze
Uckermark.

Kindern und Jugendlichen wird gemeinhin nachgesagt, sie würden die Gefahren des neuartigen Coronavirus nicht ganz so ernst nehmen. Was dabei gerne in Vergessenheit gerät, auch junge Menschen haben Ängste, die sie auf die ein oder andere Weise zum Ausdruck bringen. Sie sorgen sich um ihre Eltern und Großeltern. Haben Angst, dass sich ihr geliebtes Haustier infiziert. „Corona-Partys“, wie sie noch vor wenigen Tagen und Wochen auch in der Uckermark zu beobachten waren, können bei Jugendlichen mitunter als „Vermeidungsstrategien“ betrachtet werden.

Richtige Ansprache finden

Darauf weist Prof. Dr. Hubertus Adam im Gespräch mit dem Uckermark Kurier hin. Er ist Chefarzt an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters am Martin Gropius Krankenhaus der GLG in Eberswalde. Zugleich zeigt er auf, wie in Corona-Zeiten mit Kindern und Jugendlichen gesprochen und umgegangen werden sollte.

Auch Säuglinge spüren Ängste

„Von Corona-Ängsten sind alle betroffen, auch Säuglinge“, betont der Chefarzt. „Sie spüren die Ängste der Eltern.“ Die Kleinstkinder bemerken, dass ihre Mütter beim Stillen gestresst sind, aber auch, dass sie weniger an die frische Luft kommen. Die möglichen Symptome seien Schlafstörungen, Schreikrämpfe und eine Verweigerung der Nahrungsaufnahme. Dies wiederum beunruhigt die Eltern, die ohnehin in einer Dauerbelastung sind. „Ein Teufelskreislauf.“

Nachrichten gemeinsam einordnen

Ängste in Corona-Zeiten haben auch Vorschul- und Grundschulkinder. „Sie kriegen ganz viel mit und können vieles davon noch nicht einordnen“, sagte Prof. Dr. Adam. Da sind zum einen ganz reale Ängste, die Eltern oder Großeltern an die Viruskrankheit zu verlieren und alleine zurückzubleiben. Aber auch Ängste, die auf den ersten Blick nichtig erscheinen mögen, aber im Weltbild des Kindes eine große Rolle spielen. Etwa, ob sich auch das eigene Haustier mit dem Coronavirus infizieren könnte. Entscheidend sei, dass die Kinder mit der täglichen Nachrichtenflut nicht alleine gelassen werden.

Aufklärung in kindgerechter Sprache

„Eltern sollten bewusst mit ihren Kindern Medien konsumieren.“ So könnte am Abend eine halbe Stunde gemeinsam Nachrichten geschaut und anschließend mit den Kindern darüber gesprochen werden. In jedem Fall sei es wichtig, „Nachrichten zu filtern, hinsichtlich der Menge und des Inhalts“, sagt der Kinderpsychiater. Die Kinder müssen aufgeklärt werden, in kindgerechter Sprache. Darüber hinaus gelte es den Kindern zu erklären, wie wichtig gerade jetzt Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und Desinfektion sind.

Ängste mit Feiern umspielen

Für Jugendliche in der Pubertät wird es schwieriger. Auch hier gibt es viele, die ihre Ängste formulieren und sich an Ausgangsbeschränkungen halten. Es gibt aber auch jene Jugendliche, die weiter in Gruppen durch die Orte ziehen, sich auf Skaterbahnen treffen und am Abend „Corona-Partys“ feiern. Für dieses Verhalten lassen sich mehrere Gründe aufführen, meint Prof. Dr. Adam. Zum Teil versuchen die Jugendlichen die eigenen Ängste zu überspielen. Es sind „Vermeidungsstrategien“.

Das Gefühl, unsterblich zu sein

Aber: „Man rebelliert als Jugendlicher auch gerne“, macht der Chefarzt deutlich. Gegen die eigene Familie und alle anderen Autoritäten. Die leeren Städte zu erkunden im Wissen, damit etwas Verbotenes zu tun, sei für sie spannend. Die Jugendliche verdrängen die Gefahr in einem „Gefühl, unsterblich zu sein“. Der Kinderpsychiater spricht von „Katastrophentourismus“. Appelle aus Politik und der eigenen Familie kommen bei diesen Jugendlichen kaum an.

Auf die Stärken hinweisen

„Der erste Schritt muss es sein zu versuchen, mit den Jugendlichen eine Beziehung aufzubauen“, sagte Prof. Dr. Adam. Es könne nicht richtig sein, die Jugendlichen nur zu verurteilen und zu sanktionieren. Zielführender sei es, auf die individuellen Stärken der Jugendlichen hinzuweisen. Die richtige Ansprache: „Was kannst du tun, dass es anderen gut geht und es draußen besser wird.“

 

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