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Überraschungsgast im SPD-Kompetenzteam

Die Bremer Professorin Yasemin Karakasoglu (Mitte), der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (rechts) und Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) sind neue Mitglieder des SPD-Kompetenzteams für die Bundestagswahl.  FOTO: Kay Nietfeld

VonChristoph SlangenZwei alte SPD-Bekannte und eine parteilose Newcomerin mit Konfliktpotenzial – mit drei frisch Nominierten ist Peer Steinbrücks ...

VonChristoph Slangen

Zwei alte SPD-Bekannte und eine parteilose Newcomerin mit Konfliktpotenzial – mit drei frisch Nominierten ist Peer Steinbrücks Wahlkampf-Team jetzt
fast komplett.

Berlin.Die dritte Vorstellungsrunde im Willy-Brandt-Haus trägt am Mittwoch teils kabarettistischeZüge: „Natürlich schön für mich, hier im Team von Peer zu sein, den ich selbst für kompetent halte“, beginnt Karl Lauterbach, Steinbrücks Schattenminister für Gesundheit, die Vorstellungsrunde.
Eine echte Überraschung ist Lauterbachs Nominierung nicht, auch die des SPD-Strategen und Wirtschaftsministers von Thüringen Matthias Machnig für Energie- und Umweltpolitik stand lange fest. Doch mit Yasemin Karakasoglu, der dritten auf der Bühne, ist Steinbrück eine Überraschung gelungen. Die türkischstämmige parteilose Professorin soll den Bereich Wissenschaft und Bildung repräsentieren. Unumstritten ist sie nicht, was dem Kanzlerkandidat bewusst ist. Er bezeichnet sie als „Befürworterin von Klartext“, die manchmal missverstanden worden sei. „Das halten wir beide spielend aus“, sagt er. Mit Karakasoglu, 48 Jahre alt und Professorin für Erziehungswissenschaft in Bremen, hofft der Kanzlerkandidat, in die wichtige Gruppe der Millionen türkischstämmigen Wähler zu wirken. Die Nominierung ist zugleich ein Eingeständnis: SPD-Vize Aydan Özoguz, die erst im Dezember 2011 als Signal an die Migranten in die Parteispitze gewählt wurde, blieb in dieser Funktion farblos und unterhalb der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle. Karakasoglu hingegen ist bekannt, auch streitbar. Chef-Feministin Alice Schwarzer behauptete einmal, sie sei „sehr, sehr eng mit der islamistischen Szene in Deutschland verbandelt“. Auch mit Stellungnahmen zu Zwangsheiraten hatte Karakasoglu Widerspruch hervorgerufen.
Machnig, der zu den Organisatoren des Wahlsiegs von Gerhard Schröder 1998 gehört hatte und mit Parteichef Sigmar Gabriel eng verbunden ist, fühlt sich als Wirtschaftsminister in der großen Koalition in Thüringen unterfordert.Er ist in die Wahlkampfleitung Steinbrücks längst einbezogen, nun soll er für die nötige Offensive im Bereich Energie- und Umweltpolitik sorgen.
Lauterbach, der Professor mit der markanten Fliege, trägt gestern auch noch Turnschuhe, was die Fotografen magisch anzieht. Die andere Seite des manchmal schrägen Harvard-Absolventen: Er ist ein exzellenter Kenner des Gesundheitssystems, das er in einem Mini-Vortrag seziert und seine Schwächen bloßlegt. „Im Häuserwahlkampf lässt sich das Thema nicht vermeiden“, ist er von der hohen Relevanz der Gesundheitsthemen überzeugt.