ENTLASSUNGEN ANGEKÜNDIGT

200 Mitarbeiter der Ueckermünder Gießerei bald ohne Job

Bei einem Bürgerforum kam zur Sprache, dass mehr als ein Drittel der Beschäftigten ihre Arbeit verlieren. Die Produktion des Werks soll zurückgefahren werden.
Simone Weirauch Simone Weirauch
Die Ueckermünder Gießerei in der Rochower Straße aus steht unter Duck: Anwohner sind genervt von Staub. Gesta
Die Ueckermünder Gießerei in der Rochower Straße aus steht unter Duck: Anwohner sind genervt von Staub. Gestank und Lärm. Fotos: S. Weirauch Simone Weirauch
Stadtvertreter Jan Maczewski (Freie Wähler Ueckermünde) und MAT-Umweltbeauftragter Axel Schrötter beim Bür
Stadtvertreter Jan Maczewski (Freie Wähler Ueckermünde) und MAT-Umweltbeauftragter Axel Schrötter beim Bürgerforum. Simone Weirauch
Ueckermünde.

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Aktualisierung Nr.1:  Gießerei Ueckermünde beschäftigt Zeitarbeiter nicht weiter.
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Aktualisierung Nr.2: Die neue Geschäftsführung in der Ueckermünder Gießerei hat den Tarifvertrag für die MAT-Mitarbeiter zum Jahresende gekündigt. Der Betriebsrat gibt sich aber kämpferisch.
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Bis Mitte 2020 werde die gesamte Produktion der Eisengießerei Ueckermünde, die 2015 noch erweitert worden war, wieder zurückgefahren. Die Belegschaft sei aus diesem Grund darüber informiert worden, dass von zurzeit 550 Beschäftigten 200 entlassen werden.

Das sagte der Umweltbeauftragte des MAT-Werks, Axel Schrötter, der als einziges Mitglied der Werksleitung bei einem Bürgerforum auftrat. Bei dem Forum ging es eigentlich um Staub, Lärm und Geruchsbelästigung des Werks. Seit dem ersten Bürgerforum zur Umweltbelastung durch die Gießerei in Ueckermünde im Mai 2019 hat sich die Situation für die Anwohner nicht verbessert.

„Wir sind nun mal kein Blumenladen, unsere Arbeit macht Dreck”

Dieses Mal hatten die Anwohner auch Unterstützung von der Stadt Ueckermünde. Der stellvertretende Bürgermeister Joachim Trikojat sprach von einem Spannungsfeld: Die Stadt stehe zum traditionsreichen Gießereistandort Ueckermünde. Aber eine solche Umweltbelastung werde nicht mehr hingenommen. Auch der Tourismus im Seebad sei betroffen. „Wir fordern messbare Ergebnisse und eine echte Entlastung“, sagte Joachim Trikojat. Am Freitag wird Bürgermeister Jürgen Kliewe die Geschäftsführer des Unternehmens treffen und dieses Spannungsverhältnis kritisch ansprechen. Joachim Trikojat wurde unterstützt von Stadtpräsident Robert Kriewitz und weiteren Stadtvertretern.

MAT-Umweltbeauftragter Axel Schrötter zählte auf, was die Gießerei unternehmen will, um die Belastung für die Anwohner zu verringern. Ein Parkplatz mit 50 Stellplätzen, der auf dem Betriebsgelände gebaut wird, soll das wilde Parken von Gießereibeschäftigten beenden. Die kritisierte Staubbelastung entstehe durch das Be- und Entladen von Altsand. Die Sanddeponie soll darum in ein geschlossenes Gebäude verlegt werden. Durch die Installation von Förderbändern soll zudem ein Drittel weniger Altsand anfallen. Außerdem seien die Mitarbeiter angewiesen, die Werks-Tore nachts geschlossen zu halten. Die Geruchsbelastung soll durch technologische Veränderungen beim Schmelzen verringert werden. Schrötter räumte aber auch ein, dass in der Schleiferei in der Endfertigungshalle seit acht Monaten keine Absauganlage angeschlossen sei. Er ließ offen, ob die Absauganlage demnächst in Betrieb geht.

Anfang Dezember soll es ein drittes Bürgerforum geben. Bis dahin will sich eine Abordnung von Anwohnern die Gießerei von innen ansehen. Dazu hatte Betriebsrat Jürgen Bolduan eingeladen. „Wir sind nun mal kein Blumenladen, unsere Arbeit macht Dreck“, sagte er. Aber er und seine Kollegen kämpfen für den Erhalt des Unternehmens in Ueckermünde.

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