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Als die Jugendherberge Bellin noch ein DDR-Betriebsferienlager war

Der Verkauf der Belliner Jugendherberge an eine Privatperson hat auch einen Ferdinandshofer aufhorchen lassen. Und das hat seine Gründe.
Einstiges Betriebsferienheim „Boddenblick“ auf dem Darß. Für 432 Mark konnte eine Familie mit zwei Kind
Einstiges Betriebsferienheim „Boddenblick“ auf dem Darß. Für 432 Mark konnte eine Familie mit zwei Kindern dort zwei Wochen Ostseeurlaub mit Vollverpflegung verbringen. privat
Auch die Gaststätte „Wiesenperle“ in Ferdinandshof gehörte zu den Kultur- und Sozialeinrichtungen, die d
Auch die Gaststätte „Wiesenperle“ in Ferdinandshof gehörte zu den Kultur- und Sozialeinrichtungen, die der Rindermastbetrieb zu DDR-Zeiten errichtete. Die Gaststätte war an den Konsum vermietet. Dahinter befanden sich eine Kegelbahn und eine Sauna. privat
Die Jugendherberge in Bellin wurde kürzlic verkauft und hat nun einen privaten Eigentümer.
Die Jugendherberge in Bellin wurde kürzlic verkauft und hat nun einen privaten Eigentümer. NK-Archiv
Ferdinandshof.

Alle Berichte um den Verkauf der Jugendherberge Bellin hat auch ein Ferdinandshofer aufmerksam verfolgt – nicht nur, weil er ein kritischer Zeitungsleser ist. Das Interesse von Hans Gotthardt am Schicksal der Belliner Jugendherberge rührt daher, dass sich auf dem Gelände der Jugendherberge einst zu DDR-Zeiten ein Betriebsferienlager befand.

„Daran wird sich wohl kaum noch jemand erinnern, aber abgesehen von dem großen Herbergsgebäude, das erst später gebaut wurde, war die Jugendherberge zuvor unser Betriebsferienlager“, erzählt Gotthardt. Der Ferdinandshofer leitete seit 1974 den volkseigenen Rindermastbetrieb in Ferdinandshof. Der wirtschaftlich starke Betrieb baute für seine Beschäftigten mehrere Ferieneinrichtungen.

Zwei Wochen Ostsee für 312 Mark

Neben dem Kinderferienlager in Bellin waren das auch zwei Ferienbungalows in Mönkebude und das Betriebsferienheim „Boddenblick“ in Ahrenshoop. „Dort konnten Betriebsangehörige ihren Urlaub verbringen, ein Ehepaar zahlte für zwei Wochen Ostsee mit Vollverpflegung 312 Mark, 120 Mark kostete der Urlaub für zwei Kinder“, erinnert sich Gotthardt.

Noch immer klingt da Stolz mit auf das, was der Betrieb für seine Mitarbeiter und für die Gemeinde Ferdinandshof schaffen konnte. Gotthardt nennt die Gaststätte Wiesenperle, Kegelbahn und Sauna, Ledigenwohnheime im Dorf, Feierhalle, Arztpraxis, Wohnungen, aber auch die finanzielle Unterstützung für den Faschingsklub, das Kinderballett, die Schalmeienkapelle, den Jugendklub und die Seniorenarbeit.

Erster Verkauf im Zug der Wende

Nach der Wende wurde der Rindermastbetrieb verkauft. „Das für die Produktion nicht notwendige Vermögen des Betriebes spielte beim Verkauf keine Rolle, es ist gar nicht erst aufgelistet worden“, sagt Gotthardt. Er wisse nicht, wie die Ferienobjekte des Betriebes neue Besitzer gefunden haben und wer wie viel bezahlt hat. Das Ferienheim am Bodden soll kurzzeitig ein Hotel gewesen sein. Der neue Besitzer, angeblich ein Berliner Banker, hat das gerade mal 15 Jahre alte Gebäude dann abgerissen und das Grundstück neu bebaut.

Das Belliner Betriebsferienlager kam – wie auch immer – in den Besitz des gemeinnützigen Jugendherbergsverbandes. „Das begrüßte ich sehr, so konnten Kinder und Jugendliche dort weiter preiswert Ferien machen“, sagt Gotthardt. Nun ist auch dieses Objekt in privater Hand, und der Ferdinandshofer schaut mit Interesse darauf, wie es dort weitergeht.

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