Senioren fahren meist defensiver und verursachen deshalb weniger Unfälle als jüngere Autofahrer. Aber trotzdem gibt
Senioren fahren meist defensiver und verursachen deshalb weniger Unfälle als jüngere Autofahrer. Aber trotzdem gibt es bei vielen Auto-Versicherern Tarifaufschläge für ältere Kunden – aus Risikogründen. Patrick Pleul (Symbolfoto)
Versicherungen

Alterszuschlag bei Kfz-Versicherung macht Rentner richtig sauer

Einen um das Dreifache höheren Beitrag soll ein Autofahrer zahlen, weil er deutlich älter als seine Lebensgefährtin ist. Er fühlt sich diskriminiert.
Torgelow

Dieser Werbung konnte Dieter Camplair aus Torgelow nicht widerstehen. Gleich dreimal, so berichtet er, habe die Huk-Coburg per Werbezettel im Briefkasten die Empfänger animieren wollen, die Autoversicherung zu wechseln. „Aus Tradition günstig“, „fairster Preis“, „Super-Leistung“ sind bei ihm als Werbebotschaften hängen geblieben.

„Ich fahre schon jahrelang unfallfrei”

Die Chance wollte er sich nicht entgehen lassen und holte bei dem Versicherer für ein und dasselbe Fahrzeug zwei Angebote ein. Einmal für seine 62-jährige Lebensgefährtin als Halterin, einmal für sich als bisherigen Versicherungsnehmer für das Auto. „Ich war richtig angeschlagen“, erinnert er sich an die Wirkung der Offerte. Mit dem drastischen Unterschied hat er nicht gerechnet: Für ihn als 86-Jährigen wollte die Versicherung mit 800 Euro einen dreifach höheren Betrag als für seine Lebensgefährtin kassieren.

Den Grund dafür wollte der Rentner genauer wissen und fragte bei einem Vertreter nach. „Ich sei zu alt, um in den Genuss dieser vorteilhaften Versicherung zu kommen“, erinnert er sich an die Auskunft. Dieter Camplair fühlt sich wegen seines Alters diskriminiert. „Ich fahre schon jahrelang unfallfrei“, sagt er. Es gebe genug Statistiken, wonach jeder fünfte Unfallverursacher, zwischen 18 und 24 Jahren alt sei.

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Dass dabei jemand an Diskriminierung denken könnte, kann Finanzexperte Stephan Tietz von der Verbraucherzentrale MV nachvollziehen. Die persönliche Schadensbilanz spiegele sich ja in der Schadensfreiheitsklasse wider und sei damit präziser als ein allgemeiner Altersaufschlag. Allerdings sei das bei Kfz-Versicherungen üblich, manchmal schon ab 60 Jahren. Das hänge vom jeweiligen Versicherer ab. „Insofern kann sich für Senioren ein Vergleich besonders lohnen“, rät er.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gestatte solche Unterschiede für den Fall, dass eine Ungleichbehandlung sachlich gerechtfertigt sei. Tietz verweist auf die Argumentation des Gesamtverbandes der Versicherer (GDV), wonach Jüngere und Ältere laut Daten des Statistischen Bundesamts ein erhöhtes Unfallaufkommen verursachen sollen.

Während die Huk-Coburg trotz wiederholter Nachfrage ihre Tarifgestaltung nicht erläutert, verweist die Pressestelle des GDV auf eigene ausführliche Materialien, die sich mit dem Einfluss des Alters auf die Versicherungssumme beschäftigen. Demnach würden sich ab einem Alter von 68 Jahren angesichts des durchschnittlichen Schadenbedarfs Zuschläge auf den durchschnittlichen Versicherungsbedarf ergeben. Die amtliche Unfallstatistik zeige, dass jüngere und ältere Fahrer vergleichsweise häufig Hauptverursacher von Unfällen seien.

Versicherer verweisen auf Schadensfreiheit-Rabatte

Die Versicherer setzten mit risikoabhängigen Tarifen die Bestimmungen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes regelkonform um. Das habe eine Untersuchung der Finanzaufsicht Bafin bestätigt. Der GDV verweist in diesem Zusammenhang auf den Schadenfreiheitsrabatt vieler älterer Autofahrer.

Eine hohe Zahl schadenfreier Jahre könne dafür sorgen, dass der Alterszuschlag weniger stark zu Buche schlage. Die Empfehlungen des GDV bilden eine Grundlage für die Tarifgestaltung der einzelnen Versicherer. Dazu zählen unter anderem auch die Regional- und Typklassen.

 

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Kommentare (1)

Das ganze KFZ-Versicherungssystem ist ein völliges Wirrwarr...wie so viele weitere Dinge in Deutschland...Krankenkassen...private und gesetzlich Versicherte...Beamte und Angestellte...Renten und Pensionen...
Jedes Jahr der gleiche Unsinn...aber kaum Jemand regt sich über diesen Unsinn und die Ungerechtigkeit auf! Warum eigentlich?
Und wem nützt es?
Es geht ja immer mal wieder gegen die "Alten"...immer etwas "Neues"...Ärztliche Untersuchungen...Eignungsprüfungen...usw.
Mal sehen, wann den sogenannten "Alten" Drogenmissbrauch vorgeworfen wird, die ja bald legalisiert werden...für wen eigentlich?
Und eigentlich geht es nur um Profite...haben wir doch in der Schule bei den Merkmalen des Kapitalismus gelernt!!!