Rettungswache angegriffen

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Kettensägen-Mann erklärt Streit mit DRK

Blumentöpfe und Autowaschen hatten einen Mann aus Hintersee auf die Palme gebracht.
Blumentöpfe und Autowaschen hatten einen Mann aus Hintersee auf die Palme gebracht.
ZVG/DRK

Der Mann, der in Hintersee für Aufsehen gesorgt hat, will niemanden mit der Kettensäge bedroht haben. Der Landkreis sieht das anders, will Anzeige erstatten und die Rettungswache verlegen.

Der Mann, der mit einer angeblichen Kettensägen-Attacke in Hintersee vor zwei Wochen in die Schlagzeilen geraten war, hat jetzt dem Nordkurier seine Sicht der Vorfälle geschildert. Hans Müller (Name von der Redaktion geändert) war laut Aussagen von Betroffenen am 21. Oktober in die Hinterseer Rettungswache eingedrungen und hatte Mitarbeiter des DRK mit laufender Kettensäge bedroht. Mit der Folge, dass das DRK aus der Rettungswache ausziehen will und deswegen ein neues Quartier sucht.

Ganz so, wie die Rettungswachen-Crew geschildert hat, sei die Sache nicht abgelaufen, sagt Müller. Das würde er beeiden. „Es tut mir leid, nach fast sieben Jahren guter Erfahrungen mit dem DRK-Personal, dass jetzt ein einziger Ausraster zu einer Welle geführt hat, die keinem hilft. Fakt ist, dass ich an diesem Morgen unter Alkohol- und Koffeineinfluss stand und einfach nur aufräumen wollte“, so Müller in einer schriftlichen Erklärung.

Der Anlass für den Streit: „Die Blumentöpfe des DRK-Personals dicht an der Fassade, die dadurch immer verschmutzt wurde, der Dreck auf unserem Pflaster und der Bio-Abfall in der Restmülltonne. Ich habe geklingelt, die Türe wurde geöffnet, und ich habe dann lauthals meine Meinung gerufen“, so Müller, dessen Ehefrau Vermieterin des Rettungswachen-Gebäudes ist. Er habe keinen der DRK-Mitarbeiter angefasst – lediglich einen am Bart gekrault. Warum, das wisse er auch nicht, beteuert der Mann.

Kettensäge nur getestet?

Anschließend habe er die Blumenerde auf den Kompost und die leeren Töpfe zurück auf einen Haufen gesammelt. „Dann fiel mir die umgefallene Birke ein, die ich am Samstag schon zersägen wollte. Ich bin dann zur Werkstatt, habe die Kettensäge angeschmissen, um zu testen, ob sie funktioniert, bin mit laufender Säge quer über den Hof gelaufen und habe gerufen: ‚Räumt euren Müll weg!‘ Mir war in diesem Moment nicht bewusst, dass beide im Gebäude hinter den Fenstern zugeschaut haben.“

Er habe mit der freien Hand in Richtung der Fenster gezeigt und anschließend auf den Müllhaufen, um damit auszudrücken, dass „sie ihren Müll aufräumen sollen“, schreibt Müller. Dann habe er, gemeinsam mit seinem Sohn, den Baum zu Brennholz zersägt. „Auf dem Rückweg zu einer anderen Stelle mit einer weiteren umgefallenen Birke bin ich schon von zwei Bundespolizisten empfangen worden.“

Das nachfolgende Prozedere, längere Befragungen, die Einlieferung in die Ameos-Klinik und die zwei Nächte in der Klinik, seien Erfahrungen gewesen, die er kein weiteres Mal erleben möchte. Nüchtern und mit etwas Abstand betrachtet, habe er zwangsläufig eine Lehre daraus gezogen.

Gespräche über ein neues Mietverhältnis

Am Mittwoch nach jenem 21. Oktober habe er mit seiner Ehefrau und DRK-Verantwortlichen über ein neues Mietverhältnis gesprochen. Das DRK sei auf die Familie deswegen zugegangen. Eine Aussage des DRK sei gewesen, dass die Kollegen geteilter Meinung sind, was den weiteren Verbleib in der Rettungswache angeht. Im Gespräch sei eine Weiterführung unter „geregelten Bedingungen“ vorgeschlagen worden. Alle Anwesenden hätten dies befürwortet. „Wir wollen hier an dem bisherigen Standort festhalten“, so hätte die Aussage der Verantwortlichen gelautet.

„Geregelte Bedingungen sind notwendig“, stimmt Müller zu. Wegen der Blumentöpfe und damit einhergehender Verunreinigung des Pflasters „mussten wir sogar schon eine Fläche komplett reinigen und neu verfugen“. Bei dem Gespräch sei auch das vom Vermieter mehrfach untersagte und abgemahnte Autowaschen der Privatfahrzeuge der DRK-Mitarbeiter zur Sprache gekommen. „Wobei wir uns alle einig waren, dass sie dies zu Hause bei sich selbst nicht so machen würden“, schreibt Müller.

Landkreis bleibt bei Umzug der Rettungswache

Die Entscheidung, am bisherigen Standort zu bleiben oder einen neuen zu finden, treffe natürlich der Landkreis. Aber da werde das Ganze grotesk. „Zuerst der Zeitungsbericht, dann die Schlagzeile als Dauermeldung im Radio, obwohl die Beteiligten zu den Details nicht befragt wurden“, so Müller. „Wenn einzelne Verantwortliche vom Landkreis sich jetzt hinstellen und ein Exempel statuieren wollen, was eigentlich das Fehlverhalten der eigenen Mitarbeiter betrifft, so wäre es angebrachter, zuerst vor der eigenen Haustür zu kehren“, betont Müller.

Einer angekündigten Strafanzeige sieht er derweil gelassen entgegen. Er würde es begrüßen, wenn die betroffenen DRK-Leute ihre Aussagen zum wahren Geschehen machen würden – nämlich, dass er sie weder mit der Kettensäge bedroht noch mit der Kettensäge das Gebäude betreten habe. „...und dass es ihre Wahrnehmung war, dass ich sie mit der Kettensäge bedroht hätte. Ich würde es begrüßen, wenn sich alle Gemüter wieder beruhigen würden“, so Müller.

Der Landkreis bleibt unterdessen dabei: Die Rettungswache bleibt in Hintersee, wird aber in einem anderen Gebäude untergebracht. Daran ändere auch die Stellungnahme von Hans Müller nichts. Was dessen Schilderungen zu dem Vorfall angeht, so schenke man eher den Aussagen der DRK-Mitarbeiter Glauben. Es gebe keinen Grund, daran zu zweifeln, hieß es aus der Kreisverwaltung. Und es werde Anzeige erstattet.

 

Kommentare (1)

Jeder verteidigt stur seine Auffassung. Man sollte aufeinander zugehen. Die Vermieter hat doch den ersten Schritt getan. Aber hier will der Kreis wieder seine Staatsmacht beweisen