Für die Verarbeitung in der Gießerei wird Eisen auf Temperaturen weit über 1000 Grad erhitzt. Ein inzwischen e
Für die Verarbeitung in der Gießerei wird Eisen auf Temperaturen weit über 1000 Grad erhitzt. Ein inzwischen extrem teures Unterfangen, wie Torsten Tiefel, Geschäftsführer der Silbitz-Group, erläutert. Schönebeck Carsten
Energie-Preise

Bedrohliche Lage für die Gießerei in Torgelow

Die Sorgen durch enorme Energie-Kosten sind in der gerade erst geretteten Gießerei Torgelow enorm. Geschäftsführer Torsten Tiefel fordert ein schnelles Umdenken der Politik.
Torgelow

Die explosionsartig gestiegenen Energiekosten sind eine ernste Gefahr für die Wirtschaft. Für den Torgelower Gießereistandort der Silbitz-Group, der für seine Produktion enorme Mengen an Energie benötigt, trifft dies besonders stark zu, sagt Silbitz-Group-Geschäftsführer Torsten Tiefel. „Natürlich sind diese extrem hohen Energiepreise für uns bedrohlich“, sagt er. Torgelow.

Lesen Sie auch: So wehren Sie sich gegen massiv gestiegene Energiepreise

Eine Million Euro pro Monat für Energie

Im November 2021 hatte das Unternehmen den Torgelower Standort aus der Insolvenz heraus übernommen. „Es konnten also keine langfristigen Verträge mit Stromversorgern abgeschlossen werden, somit treffen uns die Erhöhungen mit voller Wucht“, sagt der Geschäftsführer. Im August beispielsweise musste die Gießerei einen gegenüber dem Vorjahr zwanzigfach höheren Energiepreis bezahlen.

„Pro Monat sind das gegenwärtig Energiekosten von etwa einer Million Euro“, so der Geschäftsführer. Und eine Änderung sei aktuell nicht in Sicht, es gibt nicht einmal ansatzweise Bundeshilfen. „Ich sehe die Bundesregierung in der Pflicht“, sagt Torsten Tiefel und meint damit konkret, dass eine Preisdeckelung für den Industriestrom hermüsse, so, wie sie beispielsweise in Spanien oder Frankreich bereits seit April praktiziert werde. Ansonsten drohe nicht nur der Torgelower Gießerei, sondern auch anderen Unternehmen der Branche womöglich das Aus. „Es betrifft wirklich alle“, sagt der Geschäftsführer.

Lesen Sie auch: Demos in MV gegen Politik der Bundesregierung

Preise für Stahl und Strom laufen davon

Die deutschen Unternehmen würden zunehmend unter Druck gesetzt durch China, Indien und die Türkei. Diese Länder umgingen die derzeitigen Sanktionen gegen russische Energie-Lieferungen und bezögen von dort weiterhin Öl und Gas, aber auch diverse Materialien zu vergleichsweise günstigen Preisen, schildert Tiefel. Das wirke sich auf die Weltmarktpreise aus. Deutsche Unternehmen könnten nicht konkurrieren und würden durch die Dumpingpreise massiv unter Druck gesetzt. Was auch an den Materialkosten liege. „Wir kaufen nicht von Russland“, so Tiefel. Beschafft werden müsse das Material woanders und damit häufig zu horrenden Preisen. Eine Tonne Roheisen koste die deutsche Stahlindustrie derzeit etwa 1200 Euro. „Andere Länder außerhalb der EU zahlen nicht einmal die Hälfte dieses Preises“, so Tiefel. Insofern liefen, nicht nur der Silbitz-Group, die Preise für Energie und Rohstoffe davon.

Lesen Sie auch: Zwei Männer bei Arbeitsunfall in der Eisengießerei Torgelow getötet

Was im Fall der Gießerei Torgelow verheerende Auswirkungen auf die politisch gewollte Energiewende habe, prophezeit der Chef der Unternehmensgruppe. Die sei mittelfristig der größte Produzent von Naben für Offshore-Windkraftanlagen. „Das heißt, ohne uns wird das Offshore-Programm für Nord- und Ostsee nicht umgesetzt werden können“, sagt Tiefel. Zwar gebe man einen Teil der höheren Kosten an die Kunden weiter.

Sorge über günstige Konkurrenz aus China

Aber wie lange das noch gelinge und den Käufern vermittelbar wäre, sei offen. Wenn es nicht gelinge, den Torgelower Standort zu erhalten, weil die Kunden anderswo kauften, würden beispielsweise chinesische Firmen das Geschäft machen, obwohl diese ihren Energiebedarf überwiegend mit klimaschädlichen Kohlekraftwerken decken. Damit würde die von der EU angestrebte Energiewende komplett ad absurdum geführt. Insofern benötige die Silbitz-Group möglichst schnell verlässliche Parameter, beispielsweise bei den Strompreisen.

„Wir wollen und brauchen die Energiewende, daran geht kein Weg vorbei“, betont der Geschäftsführer. Was passieren könne, wenn Hilfe der Politik ausbleibe, habe sich auf dem Sektor der Photovoltaik-Industrie gezeigt. Die habe einst als ein Eckpfeiler für den Ausbau regenerativer Energien in Deutschland gegolten. Aber: „Es gibt derzeit kaum noch Hersteller mehr in Deutschland“, sagt der Geschäftsführer.

Mehr lesen: Gewerkschaft behält Entwicklungen in der Eisengießerei Torgelow im Auge

Trotz der schwierigen Lage stehe die Geschäftsführung der Silbitz-Group zum Standort Torgelow. „Wir produzieren, und wir wollen dort auch weiter produzieren“, sagt Tiefel. Nach dem schrecklichen Unfall im Juli, bei dem zwei Männer getötet und einer schwer verletzt wurde, habe man „Maßnahmen eingeleitet, damit sich so etwas nicht wiederholen kann“, sagt der Geschäftsführer. „Wir kommen langsam zurück zur Normalität und haben nach der Sommerpause wieder mit der Produktion begonnen“, erläutert er. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt. Was auch im Interesse der Mitarbeiter sei. „Für unsere Belegschaft haben wir eine Verantwortung. Wenn wir sagen würden, wir produzieren nicht, weil es zu teuer ist, würde dies unter anderem zu Kurzarbeit führen“, macht der Geschäftsführer deutlich. Damit dies nicht passiere, hoffe er auf schnell wirkende, spürbare Entlastungsmaßnahmen seitens der Bundesregierung.

zur Homepage