NACH JAGD-SKANDAL

Strafanzeige gegen "Wildschleifer"

Der Fall des Jägers, der ein totes Reh am Auto über die Straße schleifte, hat die Gemüter erhitzt. Nun traf der Landkreis in dem Fall erste Entscheidungen.
Eine Aktion, die für mächtig Wirbel gesorgt hat: Ein Ueckermünder Jäger befestigte ein tödlich verunglücktes Reh einfach an seiner Hängerkupplung und zog es hinter sich her.
Eine Aktion, die für mächtig Wirbel gesorgt hat: Ein Ueckermünder Jäger befestigte ein tödlich verunglücktes Reh einfach an seiner Hängerkupplung und zog es hinter sich her. Privat
Ueckermünde ·

Dem Ueckermünder "Wildschleifer" droht jetzt ernsthaft Ungemach: Die Untere Jagdbehörde des Landeskreises hat gegen den Mann, der ein totes Reh an der Anhängerkupplung seines Autos über die Bundesstraße schleifte, ein so genanntes Verwaltungsverfahren eröffnet und darüber hinaus Strafanzeige gestellt. Das teilte Behördensprecher Achim Froitzheim auf Anfrage des Nordkurier mit. „Die Strafanzeige erfolgte wegen Gefährdung des Straßenverkehrs. Das Verwaltungsverfahren wegen des Verstoßes gegen die Grundsätze der Waidgerechtigkeit“, erklärte Froitzheim. Wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden, konnte der Sprecher noch nicht sagen. Dem Jäger droht aber der zeitweilige Entzug des Jagdscheines.

Bei der Bemessung der Strafe für den "Wildschleifer" geht es laut Froitzheim, selbst passionierter Jäger, auch darum, ein Zeichen in der Öffentlichkeit zu setzen: „Denn so geht es einfach nicht.“

"Ein Strick ist keine Lösung"

Die Darstellung des Jagdpächters, er habe es nur gut gemeint, indem er das Reh schnell von der B 109 und somit aus dem Gefahrenbereich bringen wollte, bezeichnete der Pressesprecher als „an den Haaren herbeigezogen“. „Wenn er von der Einsatzstelle einen Anruf wegen eines toten Rehs auf der Straße bekommt, hat der Jäger alle Möglichkeiten, das Tier sachgemäß zu bergen“, sagte er. Jeder Jäger habe in seinem Auto eine Wildwanne oder zumindest eine alte Plane. Entsprechendes Material könne man sich zur Not schnell leihen. „Ein Strick ist aber definitiv keine Lösung“, sagte Achim Froitzheim. Es gebe eben auch unangenehme Dinge, die mit der Jagd verbunden seien. „Jäger sind jedoch keine Schädlingsbekämpfer oder Müllmänner. Wir verbinden mit der Jagd moralische Wertvorstellungen, dürfen keinesfalls verrohen.“

Der Ueckermünder Jäger hatte Anfang Juni ein totes Reh an ein Seil gebunden und es an der Anhängerkupplung seines Autos auf der Bundesstraße transportiert. Die Aktion sorgte für großes Aufsehen und heftige Proteste – nicht nur in der Jägerschaft.

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Kommentare (1)

Jetzt auf einmal fällt der unteren Jagdbehörde auf das hier eine Straftat vorliegen könnte, nachdem bereits eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen den Jäger vorliegt? Hätte es diese nicht zusammen mit dem Presserummel gegeben hätte die Untere Jagdbehörde kaum einen Finger gerührt. Und wenn er verurteilt wird ist der Jagdschein normalerweise nicht nur eine Zeitlang weg.
Liegt ein solcher Tatbestand vor, handelt es sich nicht mehr, wie sonst bei Verkehrsverstößen, um eine Ordnungswidrigkeit, sondern um eine Straftat, die bei vorsätzlichem Handeln mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe, bei nur fahrlässigem Handeln mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft wird (§§315-315d StGB). Außerdem kann die Fahrerlaubnis entzogen werden.