KLETTER-SCHÜLERFIRMA

Das Erfolgsgeheimnis der „Hochstapler“

Wenn Schülergruppen im Ueckermünder Hochseilgarten klettern, dann brauchen sie natürlich eine Absicherung. Diese wichtige Aufgabe übernehmen hier Schüler.
Katja Richter Katja Richter
Die „Hochstapler-Schüler GmbH“ kann wirklich stolz auf sich sein.  Während die Berliner Kids ganz oben ihren Spaß haben und über sich hinauswachsen, werden sie von den Hochstaplern gesichert. Foto: Katja Richter
Die „Hochstapler-Schüler GmbH“ kann wirklich stolz auf sich sein. Während die Berliner Kids ganz oben ihren Spaß haben und über sich hinauswachsen, werden sie von den Hochstaplern gesichert. Katja Richter/Archiv
Die „Hochstapler” sind ein tolles Team. Steven Just (im Rollstuhl) sichert einen Berliner Kletterer. Foto: Katja Richter
Die „Hochstapler” sind ein tolles Team. Steven Just (im Rollstuhl) sichert einen Berliner Kletterer. Katja Richter
Vorpommern.

Es ist auf den ersten Blick ein Bild, wie es gewöhnlicher nicht sein könnte: Schüler helfen Schülern. Das jedoch nicht beim Lernen, sondern beim Sporttreiben. Genauer gesagt: beim Klettern im Hochseilgarten, das natürlich auch Gefahren mit sich bringen kann, wenn man nicht aufpasst. Die Erfahrenen leiten die Unerfahrenen an und sichern sie. Sie haben die Fäden in der Hand, und das Vertrauen der Kletterer lastet allein auf den Schultern derer, die sie sichern.

Niemand mit Angst, jeder möchte das Erlebnis wagen

Der Vormittag im Hochseilgarten ist das Highlight der Woche für die Berliner Schulklasse. Während ihrer Klassenfahrt ins Zerum (Zentrum für Erlebnispädagogik und Umweltbildung) nach Ueckermünde dürfen sie an diesem Dienstag klettern und über sich hinauswachsen. Niemand scheint Angst zu haben, und jeder möchte dieses Erlebnis wagen, setzt sein ganzes Vertrauen in die erfahrenen Jugendlichen aus Vorpommern. Die jedoch sind selbst noch Schüler – Schüler der „Kleeblattschule“ in Anklam, einer Schule mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“.

Dieses Bild an diesem vernieselten Dienstag ist ungewöhnlich, weil es in Deutschland längst noch nicht überall zu sehen ist. Es ist ein Bild, das die viel diskutierte „Inklusion“ nicht besser beschreiben könnte.

Die UN-Behindertenrechtskonvention hat 2008 „Inklusion“ als Menschenrecht für Menschen mit Behinderungen erklärt. Inklusion bedeutet, dass alle Menschen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Das heißt: Menschen mit Behinderungen müssen sich nicht mehr integrieren und an die Umwelt anpassen, sondern diese ist von vornherein so ausgestattet, dass alle Menschen gleichberechtigt leben können. Behindert oder nicht behindert, das spielt absolut keine Rolle, und man müsste diese Worte eigentlich aus dem Wortschatz streichen. So wie hier im Ueckermünder Hochseilgarten.

„Wir sind eine Schülerfirma“, berichtet Eric Jahrling. Der Schüler der Kleeblattschule ist zugleich Geschäftsführer der „Hochstapler Schüler-GmbH“ und sehr stolz auf das, was er tut.

Insgesamt acht verantwortungsbewusste und zuverlässige Schüler zwischen 14 und 18 Jahren sind extra hierfür ausgebildet und bilden sich zudem ständig weiter. Sie beherrschen ihr Handwerk und werden von ihren Lehrern und auch der Direktorin hierbei unterstützt.

Die Schüler besitzen einen mobilen Klettergarten

„Wir sind jedes Frühjahr für drei Tage im Zerum, um dort unsere Ausbildung zu absolvieren. Zuerst lernen wir alles, und danach üben wir“, berichten die Schüler.

„Wenn unsere Jugendlichen alles perfekt beherrschen, erst dann dürfen sie anleiten und sichern“, sagt Projektbegleiter und Lehrer Kai Sauerländer, der selbst leidenschaftlicher Kletterer ist und vor mehr als zwei Jahren die Idee zur Gründung der Schülerfirma hatte.

Einmal im Jahr wird eine neue Geschäftsführung gewählt, erzählt Sauerländer. Für ihre erbrachten Leistungen werden die Schüler natürlich bezahlt. Am Ende des Schuljahres stimmen alle gemeinsam ab, wofür das erwirtschaftete Geld eingesetzt wird.

Die Schüler arbeiten nicht nur im Ueckermünder Zerum, sondern kommen auf Anfrage mit einem mobilen Hochseilgarten auch zu ihren Kunden und betreuen sie fachmännisch.

Bisher haben die Hochstapler mehr als 50 Gruppen im Ueckermünder Zerum beim Klettern angeleitet und ihnen damit ein unvergessliches Abenteuer geschenkt. Dreimal bauten sie ihre mobile Kletterstation bereits für das Hoffest in Ducherow auf, und regelmäßig dürfen natürlich auch die anderen Schüler der Kleeblattschule unter ihrer Anleitung klettern.

„Ein ganz besonderes Erlebnis war für uns die Präsentation auf der Messe“, berichtet Eric Jahrling. „Wir sind im September im Rahmen des Projektes „Hoch-inklusives Hoch-Stapeln“ (gefördert von Demokratie Leben) mit dem Zug nach Bochum gefahren. Geschlafen haben wir in einer Schule und hier viel erlebt. Auf der „Rehacare“ in Düsseldorf haben wir dann selbstständig eine Station angeleitet. Das war richtig super und hat allen Spaß gemacht“, sagt der Geschäftsführer.

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