REKORDVERDÄCHTIGER FUND

Das Riesengeweih hat bei Vermessung Konkurrenz

Die Frage, ob das kürzlich während einer Drückjagd gefundene Riesengeweih wirklich dem stärksten Hirsch im Revier gehörte, sollte nun bei einer offiziellen Bewertung beantwortet werden. Und es wurde richtig spannend!
Der Finder Hans-Joachim Jahnke (in der Mitte am Geweih) durfte beim Auspunkten dabei sein.
Der Finder Hans-Joachim Jahnke (in der Mitte am Geweih) durfte beim Auspunkten dabei sein. Katja Richter
Hans-Christian Clodius (links) und Thomas König beim Vermessen des Geweihs.
Hans-Christian Clodius (links) und Thomas König beim Vermessen des Geweihs. Katja Richter
Zwischen diesen Funden liegen 22 Jahre. Beide Hirsche (links Fund 1998 und rechts Fund 2020) waren ungefähr gleich stark.
Zwischen diesen Funden liegen 22 Jahre. Beide Hirsche (links Fund 1998 und rechts Fund 2020) waren ungefähr gleich stark. Katja Richter
Beide Bewertungsprotokolle nach CIC im Vergleich.
Beide Bewertungsprotokolle nach CIC im Vergleich. Katja Richter
An der Mönkebuder Waldhütte wurde der Hirsch ausgepunktet.
An der Mönkebuder Waldhütte wurde der Hirsch ausgepunktet. Katja Richter
Hans-Joachim Jahnke aus Jatznick (hier während der Drückjagd) freut sich über seinen Wahnsinnsfund. Diesen hat
Hans-Joachim Jahnke aus Jatznick (hier während der Drückjagd) freut sich über seinen Wahnsinnsfund. Diesen hat er dem Forstamt Torgelow übergeben. Katja Richter
Uecker-Randow.

Dass sein Mega-Fund etwas ganz Besonderes ist, das hat Hans-Joachim Jahnke schon geahnt, als er das Geweih Anfang Dezember während einer Drückjagd vom Waldboden aufhob. Denn das Riesen-Exemplar war wirklich eines Königs der Wälder würdig. Dass die „Krone“ dieses Ausnahmehirsches jedoch für so viel Interesse und Aufsehen sorgen würde, davon hätte er allerdings nicht zu träumen gewagt. Noch am Tage der Drückjagd der Reviere Torgelow, Meiersberg und Jädkemühl, an der der stolze Finder als Treiber teilnahm, verbreitete sich das Foto des Megafundes wie ein Lauffeuer in der Jagdszene.

Spaß am Suchen und Finden

„Ich habe sofort erkannt, was da am Boden liegt“, erzählte Hans-Joachim Jahnke dem Nordkurier noch während der Jagd. Kein Wunder, denn bereits seit seiner Kindheit ist der Jatznicker quasi auf Schatzsuche. Seine Schätze: Abwurfstangen und Geweihe, die dann allerdings nicht ihm, sondern demjenigen gehören, der für den entsprechenden Waldbereich der Jagdausübungsberechtigte ist. Das unerlaubte Mitnehmen solcher Fundstücke stellt sogar eine Straftat dar. Das weiß Jahnke und darum geht es ihm auch gar nicht. Er hat einfach Freude am Suchen und Finden.

„So einen starken Hirsch haben wir hier im Revier noch nicht gesehen“, bestätigten die anwesenden Forstamtsmitarbeiter und Jäger während der Drückjagd und waren sich ohne Messen und Wiegen einig, dass das riesige Geweih bei einer Trophäenschau garantiert eine Goldmedaille holen würde (der Nordkurier berichtete).

Die Bewertung ist eine Wissenschaft für sich

Wie viele Punkte bei einer offiziellen Trophäenbewertung jedoch genau zusammenkommen würden, und ob der Fundhirsch wirklich der bisher stärkste im Revier ist, das wollten wir zusammen mit den Forstamtsmitarbeitern möglichst schnell, also noch in diesem Jahr wissen. Deshalb wurde mit dem Vermessen und Auspunkten auch nicht bis zur nächsten regulären Trophäenschau im Frühjahr gewartet, sondern kurzerhand die Mönkebuder Waldhütte für diesen offiziellen Bewertungsakt auserkoren, der unter Berücksichtigung der Berechnungsformeln des Internationalen Jagdrates CIC erfolgt.

Die Vermessungskommission, bestehend Thomas König, Hans-Christian Clodius und Wilhelm Schröter vom Forstamt war ebenfalls gespannt auf das Ergebnis und hat – um es noch ein bisschen spannender zu machen – noch ein weiteres Riesengeweih mitgebracht.

Gesamtpunktzahl entscheidet über Medaillen

„Ich glaube nicht, dass der aktuelle Fundhirsch wirklich der stärkste ist“, sagte Hans-Christian Clodius und schaute auf das andere Exemplar. Bereits im Jahre 1998 wurde im Jagdgebiet „Forst Torgelow“ nämlich solch ein Riesengeweih gefunden. Nebeneinander betrachtet, scheinen beide Trophäen tatsächlich ähnlich stark. Doch erst Waage, Maßband, Dokumentation und die Berechnungsformeln können Gewissheit bringen.

Und dann ging es auch schon los. Neben den Längen der Hauptstangen (Mittelwert: 103,20 cm), Länge der Augsprossen (Mittel: 30,45) und der Mittelsprossen (Mittel: 40,60) wird natürlich auch der Umfang der Rosen (Mittel: 32,05) gemessen. Dann folgen der untere und der obere Umfang der Stangen, das Gewicht (10,38 Kilogramm) und die Zahl der Enden (20). Diese Ergebnisse werden mit festgesetzten Faktoren multipliziert, und am Ende kommt so eine Gesamtpunktzahl zustande, die für die jeweiligen Medaillen entscheidend ist.

Ein Ergebnis – stimmt das in 20 Jahren auch noch?

Nach mehr als einer Stunde genauem Messen, Bewerten und Dokumentieren ist es amtlich. Das am 5. Dezember gefundene Geweih des mindestens zwölf Jahre alten Hirsches, der vermutlich nach einem Rivalenkampf zur Brunftzeit verendet ist, erreicht eine Gesamtpunktzahl von 226,87 Punkten und ist damit natürlich Gold wert.

Aber auch der Fundhirsch aus dem Jahr 1998, der erneut zum Vergleich ausgepunktet wurde, kann mehr als 226 Punkte vorweisen. Er kommt auf exakt 226,26 Punkte.

„Wir einigen uns darauf, dass beide Hirsche gleich stark waren“, so die Bewertungskommission, die natürlich weiß, dass das aktuelle Fundgeweih geringfügig trockener und damit leichter wäre, wenn in 20 Jahren noch einmal bewertet werden würde. Deshalb würde der Fund von 2020 wahrscheinlich am Ende doch auf weniger Punkte kommen als der Fundhirsch aus dem Jahre 1998.

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