Für Industriekletterer Daniel Zeh und dessen Kollegen halten unter anderem die Aufgaben auf Ölplattformen jede Menge Herausforderungen bereit. Nicht nur wegen der Höhe, sondern oftmals auch wegen der klimatischen Bedingungen, die auf dem Meer herrschen.
Für Industriekletterer Daniel Zeh und dessen Kollegen halten unter anderem die Aufgaben auf Ölplattformen jede Menge Herausforderungen bereit. Nicht nur wegen der Höhe, sondern oftmals auch wegen der klimatischen Bedingungen, die auf dem Meer herrschen. ZVG/IMS
Die luftige Höhe, wie hier auf einer Ölplattform, ist der Arbeitsplatz von Industriekletterer Daniel Zeh.
Die luftige Höhe, wie hier auf einer Ölplattform, ist der Arbeitsplatz von Industriekletterer Daniel Zeh. ZVG/IMS
Ungewöhnlicher Job

Die Firma in Ueckermünde, die Arbeit in Hunderten Meter Höhe

Arbeiten in 350 Metern Höhe – für Daniel Zeh ist das Routine. Er ist Industriekletterer. Für seine Heimatstadt Ueckermünde hat er sich jetzt etwas Besonderes überlegt.
Ueckermünde

Etwa 160 Meter über der Erde, auf einer Windkraftanlage, in luftiger Höhe? Für manchen eine absolute Horrorvorstellung. Für Daniel Zeh hingegen normaler Arbeitsalltag. Der 44-Jährige verdient seine Brötchen als Industriekletterer. Seit fast zehn Jahren ist er dabei. Eigentlich ist Daniel Zeh gelernter Fahrzeuglackierer. Bis ihm der Zufall in die Hände gespielt und er seinen ersten Job als Industriekletterer angenommen hat.

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Beim ersten Mal noch Zweifel am neuen Job

Keine Höhenangst? „Ab 50 Meter Höhe ist das dann egal“, sagt er. Sein erster Auftrag im neuen Job führte ihn nach Wilhelmshaven. „Da ging es um einen Auftrag in einem Kraftwerk. Beim ersten Mal habe ich gedacht: Was machst du hier?“, erzählt der 44-Jährige.

Mittlerweile, also seit zehn Jahren, hat er sich aber an das Arbeiten in luftiger Höhe gewöhnt. Und er weiß mittlerweile genau, was da oben zu tun ist. In welcher Höhe ist er unterwegs? „Unterschiedlich. Das kann bei einer Windkraftanlage 160 Meter sein – das ist die Nabenhöhe. Oder auch mal 350 Meter, wenn es an einem Funkmast etwas zu tun gibt“, sagt Daniel Zeh.

Zu tun gibt es viel. Seine Ueckermünder Firma IMS hat Aufträge von unterschiedlichen Unternehmen übernommen – in Deutschland, Dänemark, Polen, auch auf einer Ölplattform im norwegischen Sektor. Die Aufgaben sind ganz unterschiedlich: Kabel sind zu verlegen, mal ist Korrosionsschutz dran, dann wieder geht es um die Verlegung von Feuerlöschleitungen oder um Fotodokumentationen.

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Fast einen Monat am Stück auf Ölplattform

Eine festgelegte Saison gibt es für Industriekletterer nicht. Aber von Mai bis September etwa ist wegen der klimatischen Bedingungen am meisten machbar. „Das hängt unter anderem davon ab, ob es stabiles Wetter gibt“, erklärt Daniel Zeh. Auch im Winter müssen er und seine Kollegen mitunter hoch hinaus. „Korrosionsschutz etwa ist dann eher nicht möglich, aber Fotodokumentationen beispielsweise gehen.“

Regelmäßig zum Gesundheits-Check

Für seinen Job muss er fit sein. Körperlich und geistig – das wird auch ständig überprüft. Einmal im Jahr steht eine Wiederholungsprüfung an, bei der Daniel Zeh zeigen muss, dass er weiter in seinem Beruf arbeiten kann. Wichtig, denn manche Aufträge nehmen ihn auch schon mal längere Zeit in Anspruch. „Das längste waren mal 27 Tage am Stück auf einer Ölplattform“, erzählt der 44-Jährige. Etwa 200 Tage, manchmal auch mehr, hat die Firma IMS im Jahr an Häusern und anderen Bauwerken zu tun. Manchmal direkt vor Ort, aber derzeit stehen mehr Bürojobs in seinem Kalender. Und wenn es dann doch mal wieder ein Auftrag ganz oben ist, dann „muss ich mich erst einmal wieder an die Höhe gewöhnen“, sagt Daniel Zeh.

Hat er die Entscheidung, den Beruf zu wechseln, schon einmal bereut? „Aus der Sicht von heute würde ich das noch mal machen“, sagt Daniel Zeh. Und wie lange? Zehn Jahre könnte er sich das noch vorstellen. Dass seine Firma IMS, deren Büro sich in Ueckermünde befindet, erfolgreich agiert hat, freut Daniel Zeh. Das zehnjährige Bestehen der Firma nimmt er zum Anlass, um auch andere an dieser Freude teilhaben zu lassen.

Er will jeweils 250 Euro an zehn Vereine spenden

„Ich habe mir überlegt, zum Zehnjährigen jeweils 250 Euro an zehn Vereine hier aus der Region zu spenden“, sagt er. Und dafür hat er eine gute Begründung: Seine Branche sei von der Pandemie kaum betroffen gewesen. Die kleinen Vereine hingegen schon. „Die hatten mehr zu knabbern, und da will ich helfen.“ Dazu kommt: Von dem Geld, das er anderswo verdient hat, möchte er gern einen Teil hier in der Region lassen.

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