SCHLAGANFALL-PATIENTIN

Die psychische Bedrohung der Corona-Maßnahmen

Erhöhen die aktuellen Corona-Maßnahmen das Leid schwerkranker Menschen? Das Ehepaar Simone und Harald Viestenz sagt ja! Reporter Lutz Storbeck erklären sie, warum bei einigen die Psyche auch nach Ende des Lockdowns geschädigt bleiben wird.
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Simone und Harald Viestenz auf einem Foto aus besseren Tagen. Derzeit haben die Belliner Eheleute kaum Kontakt zu anderen – nicht gut für beide. ZVG
Ueckermünde ·

Für das Ehepaar Simone und Harald Viestenz ist die Pandemie besonders schlimm. Die Bellinerin, die im Januar 2012 einen Schlaganfall erlitten hat und seitdem ständige Betreuung braucht, ist davon in hohem Maße betroffen. War schon vor Covid 19 die Zahl der Kontakte nicht groß, so ist nun fast keiner mehr möglich. Ehemann Harald, der sich seit Jahren aufopferungsvoll um seine Frau kümmert, berichtet unserem Reporter Lutz Storbeck über Probleme und Sorgen, die beide unter Corona-Bedingungen meistern müssen.

 

Wie sehen Sie die gegenwärtige Situation, was bewegt Sie?

Die Inzidenzzahlen werden wie Unwetterwarnungen proklamiert, und mit der Zahl der Intensivbettenbelegung wird gebetsartig darauf hingewiesen, wie notwendig doch die Maßnahmen sind. Es steht ja außer Frage, dass eine Coronavirus-Infektion einen schweren Krankheitsverlauf nach sich ziehen kann. Aber muss sich alles und müssen sich alle dem bedingungslosen Erhalt unserer physischen Gesundheit unterordnen? Die Regierung fleht uns im Auftrag von Virologen und Epidemiologen mit Engelszungen an: Reduzieren Sie Ihre Kontakte, bleiben Sie zu Hause, treffen Sie möglichst niemanden!

Es klingt so, als ob Sie da nicht ganz mitgehen können...

Das stimmt. Ist es denn gerechtfertigt, dem Erhalt unserer physischen Gesundheit unsere psychische Gesundheit zu „opfern“? Viele Menschen sagen: Da müssen wir jetzt durch, es kommen auch wieder bessere Zeiten. Das stimmt wohl für den, der da stark und selbstbewusst durchs Leben geht. Was ist aber mit den Menschen, die durch diverse Vorerkrankungen mit der Situation nicht so gut zurechtkommen? In den Gesetzen und Verordnungen zur Pandemiebekämpfung kommen sie nicht vor.

Inwieweit betrifft Sie das?

Persönlich spreche ich hier von Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen, MEH, die durch einen Schlaganfall entstanden sind. Und ich weiß genau, wovon ich spreche. Da ich wegen der Erkrankung meiner Ehefrau selbst betroffen bin und ich auch durch die langjährige ehrenamtliche Tätigkeit in einer Selbsthilfegruppe viel Erfahrung habe, kann ich das einschätzen. Selbstredend liegt natürlich auch mir der Erhalt unserer Gesundheit sehr am Herzen. Doch fehlt mir, bei allem Respekt den Entscheidungsträgern gegenüber, eine Strategie, wie wir mit der Krankheit Covid 19 in Zukunft umgehen werden.

Welche Vorschläge haben Sie?

Menschliche Nähe und soziale Kontakte sind für uns als Betroffene, dazu gehören auch die Angehörigen, extrem wichtig. Für viele war es eine große Herausforderung, infolge ihrer Erkrankung überhaupt wieder ins Leben zurück zu finden. Das alles steht jetzt für den einen oder anderen auf der Kippe. Menschen mit MEH lernen nur durch das regelmäßige Wiederholen von Tätigkeiten, ihre Alltagskompetenz wiederzuerlangen, zumindest teilweise, und diese Kompetenz dann auch zu behalten. Hier zu unterbrechen, das kann den kompletten Verlust von Wiedererlerntem bedeuten. Neben den ärztlich verordneten Therapien sind also Kontakte und ein funktionierendes soziales Umfeld für Betroffene von sehr großer Bedeutung. Der Schaden, der dort entstehen kann, ist immens, aber für Menschen außerhalb dieser Community nicht wirklich erkennbar.

Dennoch gelten strenge Regeln für Kontakte, sind Vorschriften einzuhalten, wie sehen Sie das?

Ich möchte sagen, dass die Kontaktbeschränkungen bestimmt Sinn machen und Vorschriften auch grundsätzlich eingehalten werden sollten. Aber ich glaube nicht, dass auch jeder Kontakt eine weitere Verbreitung des Coronavirus bedeuten muss. Eine Abwägung und Differenzierung, gerade in Hinsicht auf funktionierende Hygienekonzepte, sehe ich schon für nötig an. Die Regierenden haben durch Gesetze und Verordnungen das Recht zwar auf ihrer Seite. Das bedeutet aber nicht, dass es immer gerecht ist! Ich denke, wenn wir jetzt alles unserer physischen Gesundheit unterordnen, werden wir in Zukunft mit vielen, nicht beherrschbaren, psychischen Problemen zu kämpfen haben. Das kann keiner wollen!

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Kommentare (2)

aber,

1. wer sind die? Background?

2. nicht jeder weiß, was MEH ist!

1.Es sind Mitbürger, sie hatte einen Schlaganfall, er pflegt sie

2."Persönlich spreche ich hier von Menschen mit Erworbenen Hirnschädigungen, MEH,..."

Steht beides im Artikel.
Achja, Sie sind ja nur der (dumme) Kommentarleser!