BAHN-ÄRGER

Die teure Usedom-Odyssee eines Rollstuhlfahrers

Rollstuhlfahrer Manfred Papke aus Torgelow wurde von der Bahn in Jatznick einfach stehen gelassen. Deshalb entstanden ihm hohe Kosten für ein Taxi. Jetzt hat sich eine Konzernsprecherin dem Torgelower ein Versprechen gegeben, das ihn versöhnlich stimmt.
Holger Schacht Holger Schacht
Manfred Papke liest die Antwort der Bahn an den Nordkurier. Das Thema will er auch mit seinem Enkel besprechen. Mit dem kommun
Manfred Papke liest die Antwort der Bahn an den Nordkurier. Das Thema will er auch mit seinem Enkel besprechen. Mit dem kommuniziert er via Skype. Ansonsten widmet Manfred Papke seinem Hobby viel Zeit. Mit der rechten Hand baut er Modelle. Foto: Holger Schacht Holger Schacht
Torgelow.

Das Schicksal hat es nicht gut gemeint mit Manfred Papke. Vor neun Jahren erlitt der Rentner aus Torgelow einen Schlaganfall, ist seitdem linksseitig gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Heringsdorf ist seine alte Heimat. Deshalb sind Tagesausflüge zusammen mit Ehefrau Sigrid (64) auf die Insel Usedom eine willkommene Abwechslung: „Wir fahren jedes Jahr vier- bis fünfmal mit der Bahn hin. Diesmal wollten wir nach Swinemünde.“

Per Taxi düste das Ehepaar nach Jatznick. Dort sollte es um 8.26 Uhr mit der Regio-Linie 3 weiter Richtung Züssow gehen, wo wenige Minuten später der Anschlusszug nach Usedom abfährt. Drei Tage vor dem Ausflug hatte Papke die Fahrt beim Mobilitätsservice der Bahn angemeldet: „Wir standen pünktlich wie vereinbart vorn beim Lokführer am Bahnsteig. Die Zugbegleiterin stand jedoch hinten.“ Normalerweise können Rollstuhlfahrer über eine rausgefahrene Brücke oder ein Brett in den Zug rollen. Diesmal nicht. „Als ich mich immer lauter auf dem Bahnsteig beschwerte, kam die Zugbegleiterin zu uns und sagte, sie könne mich nicht mitnehmen, weil ich nicht angemeldet sei. Im Übrigen sei das nicht ihr Problem“, erzählt Papke. Dann rauschte der Regio ohne die Papkes ab, obwohl andere Fahrgäste ihre Hilfe anboten.

Es lag an einer Störung

Um den Tag zu retten, musste der Rentner tief in die Tasche greifen: „Wir fuhren mit dem Taxi nach Karlsburg und nahmen von dort den nächsten Zug. Die Fahrt kostete 104,30 Euro.“ Geld, das der gelernte Schlosser natürlich von der Bahn zurück haben wollte: „Ich rief bei deren Hotline an, bekam allerdings keine befriedigende Antwort. Insgesamt war das eine ganz schwache Leistung der Bahn.“

Deshalb schalteten die Papkes den Nordkurier ein, der bei der Bahn mit Erfolg nachhakte. Eine Bahnsprecherin erklärt: „Die Unterstützungsleistung von Herrn Papke war den Kollegen von DB Regio bekannt und wurde durch die Disponentin auch bearbeitet. Aufgrund einer Störung war die Mitnahme von Rollstuhlfahrern mit RE 3304 am 24.08.19 jedoch kurzfristig nicht möglich.“ Deshalb sei, so die Bahnsprecherin, auch der Auftrag an die Zugbegleiterin nicht erfolgt. „Wegen der Störung wurde kurzfristig eine Rückmeldung an den Mobilitätsservice gegeben, die den Reisenden leider vor Fahrtantritt nicht mehr erreicht hat. Hierfür können wir uns nur entschuldigen. Wir übernehmen die Taxikosten“, sagt die Sprecherin.

Jetzt atmen die Papkes erst mal durch: „Wir werden weiter die Bahn nutzen. Sie war in der Vergangenheit stets zuverlässig. Auch die Rückfahrt aus Swinemünde klappte einwandfrei.“

 

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