Patricia Acree mit ihrer jüngsten Tochter Anna-Lena-Cristin.
Patricia Acree mit ihrer jüngsten Tochter Anna-Lena-Cristin. Katja Richter
Unverschuldet in Not

Eggesiner Familie braucht dringend Hilfe

Als Patricia Acree aus Kalifornien der Liebe wegen nach Eggesin kam, war die Welt noch in Ordnung. Doch dann begann das Elend.
Eggesin

Patricia Acree hat starke Schmerzen. Seit mehr als zwei Jahren quält sich die 44-jährige Mutter mit höllischen Zahnschmerzen, die immer unerträglicher werden. Die verzweifelte Frau hält sich die Hand vor den Mund – aus Scham, man könnte ihre kaputten Zähne sehen und auch riechen.

Patricia Acree verschmäht den Zahnarztbesuch jedoch nicht aus Angst vor der Behandlung, sondern aus Angst vor den Kosten, die die Familie nicht mehr aufbringen kann. Wir fragen uns, wie so etwas in unserem Sozialstaat möglich ist, und müssen von noch ganz anderen Problemen erfahren, die die Familie seit zehn Jahren belasten und nicht nur an ihre gesundheitlichen Grenzen bringen.

Der amerikanische Ehemann spielte nicht mit

Als die Amerikanerin 2009 der Liebe wegen ihre Heimat Kalifornien verließ und nach Vorpommern kam, schien das Glück perfekt. Sie wollte mit ihren Lebensgefährten Friedhelm, den sie über das Internet kennenlernte, ein neues Leben beginnen. Ihre Scheidungspapiere hatte sie bereits unterschrieben. Doch ihr amerikanischer Ehemann machte ihr einen Strich durch die Rechnung und stimmte der Scheidung nicht zu. Ein jahrelanger deutsch-amerikanischer Schriftverkehr ließ die Familie immer wieder hoffen, brachte jedoch keine Einigung. Noch immer ist Patricia Acree nicht geschieden und kann somit auch nicht ihren Friedhelm in Deutschland heiraten.

Die Mutter und ihre Kinder sind nicht versichert

Mittlerweile hat das in Eggesin lebende Paar drei gemeinsame Kinder, aber auch jede Menge Sorgen, die ihre Existenz, das Familienleben und vor allem die Gesundheit bedrohen. Da die 44-Jährige immer noch mit ihrem amerikanischen Ehemann verheiratet ist, gilt dieser auf dem Papier auch als Vater ihrer Kinder. Weder Patricia noch ihre kleinen Kinder Benn, Lilli Anja und Anna-Lena-Cristin können sich deshalb über den Eggesiner Partner krankenversichern. Sie leben tatsächlich ohne Krankenversicherung.

Kosten für bisherige Arztbesuche und auch die drei Geburten stotterte die Familie bisher in Raten von der Pension des Lebensgefährten ab. „Es reicht hinten und vorne nicht“, so die Familie, die ständig mit Arzt- und Krankenhausrechnungen zu kämpfen hat, aber auch jede Menge Unterstützung und Zuspruch von allen Seiten bekommt. „Alle, sowohl das Jugendamt, die Ausländerbehörde, das Sozialamt als auch das Gericht, sind sehr bemüht“, erzählt das Paar. „Aber es stehen immer wieder die Gesetze im Weg.“

Arbeiten darf sie auch nicht

Patricia Acree würde gern arbeiten gehen, darf jedoch nicht. In Deutschland geduldet wird sie lediglich zur Beaufsichtigung und Erziehung ihrer hier geborenen Kinder, wie sie uns erzählt.

Mittlerweile läuft in Deutschland ein Ehescheidungsverfahren, und auch eine Klage auf Vaterschaftsfeststellung ist eingereicht. „Es ist nun endlich Licht am Ende des Tunnels zu sehen, aber es wird trotzdem noch eine ganze Weile dauern“, erzählt der Lebensgefährte, ein pensionierter Berufssoldat, der am Ende seiner Kräfte ist.

Als Patricia Acree Ende an einer Lungenentzündung litt, konnte sie sich nicht behandeln lassen und hoffte stattdessen auf Besserung. Diese Hoffnung hätte sie beinahe mit ihrem Leben bezahlen müssen.

Nach dem Notruf musste sie im Krankenhaus bleiben

„Während sie unser Familienzentrum besuchte, bekam Patricia plötzlich keine Luft mehr und drohte zu ersticken. Ich musste den Notarzt rufen“, erinnert sich Elisa Müller, die Leiterin des Familienzentrums in Drögeheide. In dem Wissen, dass die Kosten einer Notversorgung auch für Nichtversicherte übernommen werden, wurde die schwerkranke Frau im Pasewalker Klinikum versorgt. „Der Arzt sagte mir jedoch, dass er mich nicht nach Hause lassen könne, da ich sonst sterben könnte“, erzählt Patricia Acree. Sie blieb auf Rat der Ärzte fünf Tage im Krankenhaus, was jedoch nicht mehr als Notversorgung zu zählen schien.

Das Krankenhaus rechnete mit fast 1700 Euro ab. Ein Schock für die Familie, der es zurzeit nicht möglich ist, die Rechnung zu begleichen. Eine Ratenzahlungsvereinbarung verschafft vorläufig ein bisschen Luft.

Wer möchte der Familie helfen?

„Vom Familienzentrum Torgelow wurde nun eine Spendenaktion für die Familie zur Bezahlung der Krankenhausrechnung ins Leben gerufen“, berichtet Elisa Müller. „Der Verein ‚Hilfe zur Erziehung‘ stellt das Konto zur Verfügung, das bis zum 31. Mai geöffnet ist.Ein Betrag von 250 Euro ist bereits vom Verein Tacheles Uecker-Randow, der in der Flüchtlingsarbeit tätig ist, eingegangen. „Wir wollen versuchen, die Familie auch weiterhin zu unterstützen“, kündigt Geschäftsführerin Karina Wodke an.

Spendenkonto: Empfänger: Verein Hilfe zur Erziehung, IBAN: DE30 1506 1638 0205 4254 17

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