Todesfall Leonie
Eigener Bruder distanziert sich von David H.

Aline und Jan H. sehen sich einer Hexenjagd in sozialen Medien ausgesetzt. Jan distanziert sich offen von seinem Bruder, der als mutmaßlicher Mörder gesucht wird.
Aline und Jan H. sehen sich einer Hexenjagd in sozialen Medien ausgesetzt. Jan distanziert sich offen von seinem Bruder, der als mutmaßlicher Mörder gesucht wird.
Karsten Riemer

David H. soll seine Stieftochter Leonie in Torgelow getötet haben. Sein Bruder und dessen Familie erleben seither eine Hexenjagd und haben Angst um ihre eigenen Kinder.

Wie sprechen über einen solchen Menschen? Der dein Bruder ist und ein Mörder sein soll. Das Leben von Jan H. ist aus den Fugen geraten. Sein jüngerer Bruder war sieben Tage auf der Flucht, wurde am Montag jedoch von der Polizei gefasst. Er soll die kleine Leonie totgeschlagen haben. Jan H. und seine Familie sehen sich seither einer Hexenjagd ausgesetzt.

Ihm ist die Aufregung anzumerken, als er darüber spricht, wie furchtbar diese Tat ist, wie unvorstellbar grausam, und wie sie das Leben seiner Familie schlagartig verändert hat. „Wir haben Angst vor Übergriffen“, sagt Jan H. In den sozialen Netzwerken wird seine Familie bedroht. Unbekannte haben ihre Anschrift ins Internet gestellt. Es gibt Aufrufe, dass bei ihm nach dem Flüchtigen gesucht werden soll. Nachts parken Autos in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses, Fahrzeuge, die dort nicht hingehören.

Hier gibt es eine Übersicht mit allen bisher veröffentlichten Artikel zum Todesfall Leonie.

Verwandte müssen für Familie einkaufen

Die Familie fühlt sich beobachtet. Selbst seine Kinder bringt der 29-jährige Familienvater nicht mehr in den Kindergarten — aus Sorge, ihnen könne etwas passieren. Jan H. sucht einen Ausweg und wagt den Schritt an die Öffentlichkeit. „Was können wir für die Tat meines Bruders?“, sagt er und richtet diese Frage auch an die Menschen, die ihn anfeinden.

Die letzten Tage haben Spuren hinterlassen. Tränen laufen dem Mann über das Gesicht. „Nachts bin ich wach, um aufzupassen, dass hier niemand reinkommt“, schildert er. Es habe Aufrufe zum Einbruch gegeben. Selbst zu Verwechslungen sei es gekommen. Das hat auch Ehefrau Aline getroffen: „Ich habe Angst, auf die Straße zu gehen“, sagt sie. Ein normales Leben ist derzeit unmöglich. Einkäufe erledigen Verwandte.

Jan H.: „Dieser Mensch ist nicht mehr mein Bruder”

Die Möglichkeiten, sich von seinem Bruder zu distanzieren, hat die Familie beinahe ausgeschöpft. Bilder in den sozialen Netzwerken wurden gelöscht, Freundschaften beendet. Mit der Polizei arbeitet die Familie zusammen. „Ich habe die Beamten immer reingelassen“, sagt Jan H. und stellt klar: „So jemanden decke ich nicht!“

Im Gespräch mit der Zeitung sieht er eine Chance, die empörte Öffentlichkeit zur Vernunft zu bringen. Die Familie hofft inständig, dass sich der Bruder stellt oder schnell gefasst wird, damit er eine gerechte Strafe bekommt. „Dann können wir wieder ohne Angst auf die Straße gehen“, sagt Jan H. Den Satz „Dieser Mensch ist nicht mehr mein Bruder“, sagt er mehrfach.

Aktualisierung, 21. Januar: Die Polizei hat den gesuchten 27-Jährigen gefunden. Die Fahndung ist damit beendet, Fotos und Beschreibungen wurden daher aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen entfernt.

Kommentare (4)

Mal abgesehen davon, dass es wieder mal zeigt, wie psychisch gestört diejenigen sind, die unbeteiligte Familienangehörige bedrohen etc., ist es doch sehr grenzwertig, dass der Herr "Provinzjournalist" Riemer auch noch ein Foto dieser beiden hier veröffentlicht. Die beiden scheinen in dieser Situation nicht zu wissen, was sie tun. Man kann ja einem Journalisten darüber berichten (Auch wenn die Frage erlaubt sein muss, wen das auf dieser Welt so wirklich interessiert!?), aber sich auf der einen Seite über eine "Hexenjagd" (Geht es auch eine Nummer kleiner?) zu beklagen, aber auf der anderen Seite bereitwillig ein Foto von sich machen und veröffentlichen lässt (Herr Riemer, finden Sie den Widerspruch!), macht deutlich, dass die beiden gegenwärtig nicht Herr ihrer Sinne oder generell nicht die hellsten Kerzen auf der Torte sind. Vielleicht trifft auch beides zu. Jetzt "kennen" sehr wahrscheinlich wesentlich mehr Menschen diese beiden, als nur Menschen in diesem kleinen Städtchen. Und genau hier muss ein guter und verantwortungsvoller Journalist eingreifen und die beiden (vor sich selbst) schützen! Das das der Herr Riemer nicht tut, zeigt mir, dass er rücksichtslos auf Kosten anderer "seine" (billige) Story haben will. Das ist unterstes BILD-Niveau, Herr Riemer! Zumal Sie selbst nicht den Popo in der Hose haben und ein Foto von sich hier einstellen. Angst vor der Courage!? Das ist erbärmlich und feige! Und wieder einmal beweist der Nordkurier, dass er Auffangbecken für unfähige und völlig überforderte Journalisten ist, die diese Berufsbezeichnung nicht verdienen und die leider nur Schülerzeitungsniveau haben. Es muss auch die Frage erlaubt sein, ob es innerhalb des Nordkuriers auch so etwas wie eine "Qualitätskontrolle" gibt. Aber vermutlich sind die Verantwortlichen in der Chefredaktion genauso unfähig und überfordert... [Anm.d.Red./ Jürgen Mladek: Ihre Bedenken ehren Sie, Ihre persönlichen Angriffe und pauschale Verurteilung lassen uns allerdings daran zweifeln, dass es wirklich nur die ehrliche Sorge um die Familie des Bruders von David H. ist, die Sie hier antreibt. Die direkt Betroffenen empfinden unsere Veröffentlichung nach wie vor als richtig und angemessen, diese Menschen aus der Anonymität heraus so zu verunglimpfen, wie Sie das tun, ist bei Unkenntnis der Situation der Beteiligten anmaßend und ehrverletzend. Lassen Sie sich eines gesagt sein: Diese Menschen zeigen in schwerer Zeit Gesicht und stehen mit Ihrem Namen zu dem, was sie sagen, wie auch unsere Reporter zu dem, was Sie schreiben. Und Sie? Kommen Sie uns doch mal besuchen, dann können wir uns ins Gesicht schauen und die Dinge wie zivilisierte Menschen besprechen.]

...die diese Angehörigen zu treffen hatten. Der unkontrollierten Hetzjagd in den sozialen Medien etwas offizielles über die Lokalzeitung entgegenzustellen zeigt, wie verzweifelt diese Leute sein müssen. Deutschland liebt eben seine Lynchmobs.

Nur Komisch das der Werte Herr Jan Hedtke seinen Bruder vor knapp 3 Tagen noch in den Facebook Kommentaren in Schutz genommen hat. Wahrscheinlich will der Herr sich nur wichtig machen.

In schlechterem Deutsch als Menschen die 1 Jahr in Deutschland leben sollte angemerkt sein. also der hellste ist er sowieso nicht