ABFAHRT IN UECKERMÜNDE

Ein „Geisterbus“ fährt nach Stettin

Pünktlich um 9 Uhr startet werktags in Ueckermündes Altstadt ein Bus nach Stettin. Dabei hatte die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald (VVG) die Verbindung im Juli eingestellt. Dennoch fahren die „Geisterbusse“ los – und erreichen auch fast ihr Fahrziel.
Holger Schacht Holger Schacht
Als Linie 707 fährt der Bus von Ueckermünde an den Stadtrand von Stettin. In aller Regel startet er ohne Passagiere. Die VVG arbeitet weiter daran, dass die Konzession für die Fahrt ins Zentrum Stettins von den polnischen Behörden verlängert wird.
Als Linie 707 fährt der Bus von Ueckermünde an den Stadtrand von Stettin. In aller Regel startet er ohne Passagiere. Die VVG arbeitet weiter daran, dass die Konzession für die Fahrt ins Zentrum Stettins von den polnischen Behörden verlängert wird. Holger Schacht
Ueckermünde.

Einheimische und Touristen, die morgens in der Ueckermünder Altstadt unterwegs sind, reiben sich verwundert die Augen. Jeden Werktag startet an der Haltestelle „Ehm-Welk-Schule“ um 9 Uhr ein Linienbus mit dem Fahrziel Stettin. Jene Strecke also, die von der VVG am 9. Juli eingestellt worden war.

Auf den ersten Blick scheint es, dass die VVG den Betrieb der Linie 706 wieder aufgenommen hat. Doch das ist ein Irrtum. Wer aktuell im Internet nach der Linie 706 sucht, findet den Eintrag: „Es sind keine Fahrten vorhanden.“ Deshalb glauben viele Ueckermünder, es fahre ein „Geisterbus“ durch die Stadt.

Bus fährt nur inoffiziell bis nach Stettin

Tatsächlich steht auf diesem Bus die Nummer 707. Sie ist jetzt ab Ueckermünde mit Ziel Stettin unterwegs, die laut Internet über Eggesin, Hintersee und Löcknitz an der Grenze zu Polen in Linken endet. Was dort nicht steht: Eigentlich fährt der Bus aber weiter und steuert den Real-Markt an der Stadtgrenze von Stettin an. Schon 20 Minuten später geht’s wieder zurück nach Vorpommern. Bisher endete die Linie 707 bereits in Hintersee.

Über die Linien-Veränderung sind die Fahrgäste von der VVG bisher nicht informiert worden. Kein Wunder also, dass die Busse in aller Regel ohne Passagiere in Ueckermünde losfahren. Ein Busfahrer zum Nordkurier: „Ab und zu steigt in Ahlbeck jemand ein. Zwischen Löcknitz und Stettin ist dann aber mehr Betrieb.“ In Löcknitz wohnen viele Polen.

Begründet hatte VVG-Geschäftsführer Dirk Zabel die vorübergehende Einstellung der Linie 706 mit der ausgelaufenen Genehmigung für Fahrten durch Polen: „Die VVG bemüht sich gegenwärtig bei den zuständigen polnischen Behörden um eine Verlängerung der Konzession. Das Beantragungsverfahren zieht sich jedoch noch in die Länge.“ Birgit Klemer, bei der VVG zuständig für Fahrplan und Tarife: „In der Angelegenheit gibt es bisher keinen neuen Sachstand.“ Der Busfahrer: „Nach Polen darf ich noch rein. Nicht aber nach Stettin.“

Kein Pomerania-Ticket für die Linie 707

Uta Sommer, Chefin des Ueckermünder Tourismusvereins, hatte auf die Linien-Einstellung entsetzt reagiert: „Die Verbindung bis ins Zentrum Stettins wurde nach unserer Ansicht sehr gut angenommen.“ 14 Euro kostet das Pomerania-Ticket, das für den Bus gültig war, hin und zurück für einen Erwachsenen. Kein schlechter Preis für Leute, die einen Stadtbummel machen, oder sich in den großen Einkaufszentren Stettins mit Dingen eindecken wollen, die in Ueckermünde in dieser Auswahl nicht zu finden sind. Für die Linie 707 gilt dieses Ticket übrigens nicht.

Dirk Zabel brachte im Juli eine Alternative ins Spiel: „Es gibt eine weitere deutsch-polnische VVG-Buslinie, die Linie 705 von Pasewalk über Löcknitz ins Zentrum Stettins. Das Pomerania-Ticket gilt auch für die Bahn von Ueckermünde bis Pasewalk.“ Allerdings verlängert sich die Fahrtzeit von 90 Minuten mit dem Bus auf etwa zwei Stunden, weil die Regiolinie zwischen Pasewalk und Stettin bis Ende September wegen Brückenarbeiten gesperrt ist.

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