Stifter Haymo G. Rethwisch (1938-2014).
Stifter Haymo G. Rethwisch (1938-2014). Archiv
Der Wald rund um Klepelshagen ist Rotwildeinstandsgebiet. Ruhezonen ermöglichen Besuchern eine sehr gute Beobachtung des Wildes.
Der Wald rund um Klepelshagen ist Rotwildeinstandsgebiet. Ruhezonen ermöglichen Besuchern eine sehr gute Beobachtung des Wildes. ZVG
23. Mai 1997: In Klepelshagen wird die Wildtierforschungsstation eröffnet. Unter den prominenten Gästen der Familie Rethwisch befindet sich der Boxweltweister im Schwergewicht 1930/32 Max Schmeling (Mitte), der nur wenige Kilometer von Klepelshagen entfernt, in Klein Luckow, geboren wurde. Schmeling war damals 92 Jahre alt.  
23. Mai 1997: In Klepelshagen wird die Wildtierforschungsstation eröffnet. Unter den prominenten Gästen der Familie Rethwisch befindet sich der Boxweltweister im Schwergewicht 1930/32 Max Schmeling (Mitte), der nur wenige Kilometer von Klepelshagen entfernt, in Klein Luckow, geboren wurde. Schmeling war damals 92 Jahre alt.   Rainer Marten/Archiv
Das frühere Klepelshagener Verwalterhaus, erbaut um 1850, wurde nach 1995 aufwändig saniert. Dort sitzt die Deutsche Wildtierstiftung, Forschungsstätte Gut Klepelshagen.
Das frühere Klepelshagener Verwalterhaus, erbaut um 1850, wurde nach 1995 aufwändig saniert. Dort sitzt die Deutsche Wildtierstiftung, Forschungsstätte Gut Klepelshagen. R. Marten
Haymo G. Rethwisch verstorben

Ein großer Naturfreund Vorpommerns ist tot

Deutschland hat eine herausragende Stifterpersönlichkeit verloren, Vorpommern einen großen Freund der hiesigen Natur! Am 13. Februar verstarb der Gründer der Deutschen Wildtierstiftung, Haymo G. Rethwisch. Er wurde 75 Jahre alt.
Uecker-Randow

Die Mitteilung der BVVG, der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, vom 3. August 1995 ist noch immer sorgfältig archiviert: Sachlich heißt es dort, die BVVG habe die fünf Hektar große und unter Denkmalschutz stehende Ortslage Klepelshagen mit 16 Gebäuden an die Gut Klepelshagen Gemeinnützige Gesellschaft für Ortserhaltung mbH verkauft. Der Erwerber hat sich im Kaufvertrag verpflichtet, rund 1,33 Millionen Mark zu investieren. Darüber hinaus wird dort eine Forschungseinrichtung geschaffen. Bereits im Juli, so heißt es weiter, wurden rund um Klepelshagen 757 Hektar Wald und 283 Hektar Acker- und Grünland privatisiert. Der Mann, der hinter den Erwerbungen steht, wird namentlich nicht genannt. Sein Name indes ist bald in aller Munde: Haymo G. Rethwisch, ein Hamburger Unternehmer.

In einem Gespräch mit unserer Zeitung im Oktober 2013 erinnert sich der Stifter an das Jahr 1995: „Natürlich eilte uns der Ruf des bösen Kapitalisten voraus, der hier im Osten das Land aufkauft. Da prallten Welten aufeinander.“ Niemand wusste damals, dass nicht nur ein Unternehmer in die Region kommen wird, sondern ein Mann, der sich seit Jahren den Schutz von Natur und Wildtieren zur Lebensaufgabe gemacht hatte.

Rethwisch, 1938 in Hamburg geboren und während des Krieges bei Hagenow in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen, engagierte sich sehr früh auf diesem Gebiet. Mit 22 Jahren erwirbt er 1960 im niedersächsischen Fintel (Nordheide) erste Agrar- und Waldflächen und gestaltet sie konsequent in Lebensräume für Wildtiere um. 1967 erbt er von seinem Vater die boco GmbH & Co.KG, ein mittelständisches Unternehmen, spezialisiert auf Berufsbekleidung. Rethwisch führt die Firma erfolgreich fort. Die Erträge des Unternehmens und der Firmenverkauf 1998 setzen ihn finanziell in die Lage, sich voll und ganz seiner Lebensaufgabe zu widmen: Lebensräume für Wildtiere zu schaffen, eine wildtierfreundliche Land- und Forstwirtschaft zu betreiben und Menschen, vor allem Kinder, für die Natur und Tiere zu begeistern.

3,2 Millionen Mark investiert

1990 entsteht die gemeinnützige Wildtierland  mbH. Zu diesem Zeitpunkt hat Rethwisch in Fintel mehr als 130 Hektar Land für heimische Tiere verfügbar gemacht. 1992 gründet er die boco-Stiftung mit dem Ziel, heimische Wildtiere zu schützen. Die Stiftung wird mit 45 Millionen Mark ausgestattet. Stiftungssitz ist Hamburg. Nach dem Erwerb der Klepelshagener Liegenschaften 1995 beginnt die Komplettsanierung des Ortes – mit einer Ausnahme: Das Lange Haus wird zum Zankapfel zwischen ihm und der Denkmalpflege; es bleibt unsaniert. Ein Ärgernis für den Stifter.

Am 23. Mai 1997 wird die Forschungsstation auf dem Gut Klepelshagen feierlich eröffnet; Haymo G. Rethwisch beziehungsweise die von ihm ins Leben gerufenen Firmen haben zu diesem Zeitpunkt 3,2 Millionen Mark investiert. Klepelshagen, 1295 erstmals erwähnt, und zu DDR-Zeiten weitgehend dem Zerfall preisgegeben, steigt in wenigen Jahren wie Phönix aus der Asche. 1997 wird erstmals ein Forschungspreis an Nachwuchswissenschaftler vergeben, die an Fragen rund um heimische Wildtiere arbeiten. 1999 erhält die Stiftung ihren heutigen Namen – Deutsche Wildtierstiftung. In den folgenden Jahren macht die Stiftung durch unzählige Forschungsprojekte von sich reden. Verschiedene Projekte in der Region, darunter das Schullandheim Gehren, werden finanziell unterstützt. 2009 überträgt Haymo G. Rethwisch die Gebäude und den Gutsbetrieb Klepelshagen an die Deutsche Wildtier Stiftung. 2013 schließlich gründet er das Forum Bildung Natur GmbH mit dem Ziel, Kinder an die Natur heranzuführen und die Region touristisch aufzuwerten. Nicht nur dieses letzte Projekt bleibt unvollendet, denn der Stifter und Naturfreund stirbt am 13. Februar unerwartet nach kurzer Krankheit.

Das letzte große Projekt des Stifters soll indes weitergeführt werden. Alice Rethwisch, die Witwe, bat, von Blumengrüßen oder Kränzen abzusehen. Im Sinne ihres Mannes sollten gedachte Zuwendungen auf das Konto des Forum Bildung Natur gGmbH gehen. Haymo G. Rethwisch wurde am 24. Februar im engsten Kreis der Familie in Georgenthal beigesetzt.

zur Homepage