INDUSTRIE

Eisengießerei Torgelow leitet vorläufiges Insolvenzverfahren ein

Eines der wichtigsten Industrieunternehmen in Vorpommern ist in Zahlungsschwierigkeiten: Die Eisengießerei Torgelow hat am Montag ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet.
Die Eisengießerei Torgelow ist eines der wichtigsten Industrieunternehmen im südlichen Vorpommern.
Die Eisengießerei Torgelow ist eines der wichtigsten Industrieunternehmen im südlichen Vorpommern. Jens Büttner (Archiv)
Torgelow.

Die Eisengießerei Torgelow hat am Montag ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beim zuständigen Amtsgericht bentragt. Das erfuhr der Nordkurier am Montagabend aus Firmenkreisen. Die Firma stellte noch für den Abend eine Mitteilung mit näheren Einzelheiten in Aussicht. Das gewählte Verfahren verheißt, dass die Firmenleitung vorhat, das Unternehmen aus eigener Kraft zu sanieren.

Mehr lesen: Eisengießerei Torgelow leidet unter der Corona-Krise

Das Unternehmen mit rund 300 Beschäftigten gehört zu den größten Industriebetrieben in Vorpommerns und ist insbesondere in der Uecker-Randow-Region ein großer Arbeitgeber.

Die wirtschaftliche Geschichte der Firma glich in den vergangenen Jahren einer Berg- und Talfahrt. Noch vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen signalisiert, dass es wirtschaftlich sehr unter den Folgen der Corona-Krise zu leiden habe. Damals sagte Geschäftsführer Peter krumhoff: „Wir haben Maßnahmen in der Schublade, die wir ziehen, wenn die Situation dafür eintreten sollte und da ist letztendlich auch ein Personalabbau nicht ausgeschlossen.“ Ob es im Zuge des vorläufigen Insolvenzverfahrens jetzt tatsächlich dazu kommt, blieb am Abend zunächst ungewiss. So oder so: Für die Mitarbeiter dürfte jetzt eine Phase des Hoffens und Bangens anbrechen.

Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD), der selbst aus Torgelow stammt, reagierte schockiert auf die Nachricht: „Dass die Eisengießerei corona-bedingt in schweres Fahrwasser gerät, hat mich getroffen“, sagte er dem Nordkurier: „Natürlich haben wir die Zukunft der Mitarbeiter und ihrer Familien im Blick. Deshalb habe ich Geschäftsführer Peter Krumhoff meine Unterstützung signalisiert.“ Die Eisengießerei leiste „Qualitätsarbeit im Bereich des Großguss und gehört zu unserer Region.“ Sie sei „identitätsstiftend“ und ein Jobmotor. Dies müsse sie auch in Zukunft bleiben, so Dahlemann.

Eisenguss hat in der Region eine mehr als 250-jährige Tradition. Der Betrieb in Torgelow war nach der Wende allerdings in Schwierigkeiten geraten und 2003 mit Windkraftteilen neu gestartet. Zeitweise stieg der Jahresumsatz auf 100 Millionen Euro. Die Produktion war durch den Rückgang beim Windkraftanlagenbau aber in den vergangenen Jahren gesunken. 2018 hatte das Unternehmen einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro erwirtschaftet.

Dieser Artikel wurde im Verlauf des Montagabend mehrfach aktualisiert.

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Kommentare (4)

Hatten die nicht auf Schiffspropeller gesetzt? Nun ja, Schiffsschrauben werden zur Zeit etwas weniger benötigt.Will ja keiner mehr mit den Kreuzfahrtschiffen fahren, wg. Corona und weil die so dreckig sind und nicht gut für das Klima sind, wie uns Experten beibringen wollen.

Schiffspropeller kommen aus Waren an der Müritz.

Ups, danke. Da hatte ich etwas durcheinander gebracht. Die Torgelower stellen für die Windkraftbranche Rotornaben usw. her. Die Absätze der Branche sind ebenso rückläufig. Bleibt die Misere, daß man auf ein einziges Pferd gesetzt hat.

beginnen im Herbst 2020 flächendeckend. Hier und da erwischt es schon mal ein Unternehmen im Sommer 2020. Das bisherige, öffentlichkeitswirksame HomeOffice-Gejubel wird dann auch Geschichte sein.