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Farben kommen direkt aus der Natur

Zwei Seminarteilnehmerinnen sind beeindruckt von der Farbpalette, die sich aus nur drei verschiedenen Pflanzen kreieren lässt.

VonAndrea SchneiderOb Tinte, Bootslack, Puder oder ein neuer Hausanstrich – Farbpigmente lassensich aus dem eigenen Färbergarten gewinnen und das einfach, ...

VonAndrea Schneider

Ob Tinte, Bootslack, Puder oder ein neuer Hausanstrich – Farbpigmente lassen
sich aus dem eigenen Färbergarten gewinnen und das einfach, rasch, umweltbewusst und nachhaltig. In der Jugendherberge in Bellin schnupperten Seminarteilnehmer in die Welt der Biofarben und deren Herstellung.

Ueckermünde/Bellin.In der Jugendherberge Ueckermünde-Bellin fand ein Symposium zum Thema „Nachhaltige Bildung durch Färbergärten“ statt. Angemeldet haben sich 25 Teilnehmer, die vornehmlich in der näheren Umgebung zu Hause sind. Ein bunt gemischter Kreis aus Studenten, Naturliebhabern, Pflanzenfreunden, aber auch Entscheidungsträger, wie
Ueckermündes Bürgermeister Gerd Walther, hatten sich diesen Tag reserviert, um mehr über das Thema zu erfahren. Die Idee, selbst Biofarbstoffe herzustellen ist ja nicht neu. Im Gegenteil, die Inder beispielsweise nutzen Pflanzenpigmente bereits seit mehr als 4000 Jahren. Im Zeitalter der Industrialisierung sind sie aber in unserer globalisierten Welt aus der Mode gekommen. Farben kauft man im Baumarkt, Fachgeschäft oder Künstlerbedarf. Außer dem Fakt, dass sie teuer sind, ist der Umgang mit ihnen oft nicht unbedenklich.
Peter Reichenbach, der Dozent der Veranstaltung, selbst Künstler, hat es sozusagen am eigenen Leib verspürt. 1996 ging er zum Arzt und dieser attestierte ihm Probleme mit der Leber. Peter Reichenbach trinkt aber keinen Alkohol und lebt auch sonst sehr gesundheitsbewusst. Es musste also an den Acrylfarben liegen.
Als er sich die Inhaltsstoffe ansah, wunderte ihn nichts mehr, „in der Klärschlammverordnung sind genau diese Reagenzien enthalten. Und dem nicht genug – wer weiß schon, was Nanopartikel langfristig im Körper anstellen“. So stand sein Entschluss fest, „nicht nur im Kühlschrank stehen jetzt Bioprodukte, sondern auch Farben sollten nun auch ausschließlich aus der Natur kommen“. Er befasst sich seither intensiv mit diesem Thema, gibt Workshops, hält Seminare und ist begeistert von der Resonanz.
Die Teilnehmer in Bellin lernten beispielsweise, wie man aus Färberdistel, Stockrose oder Kornblume Wasserfarben herstellt. Die Blüten oder Blätter einfach in einer Reibschale mörsern, ein wenig Wasser zugeben, durch ein Tuch filtern und fertig ist der Aquarellkasten aus der Natur. Durch Zusätze wie Natron, Holzasche oder Zitrone lässt sich das Farbspektrum noch erweitern. Andere Pflanzenteile wiederum sind lipophil, also fettlöslich. Je nach Art der Anwendung eignet sich Leinöl hervorragend als Grundlage für Ölfarben, bei kosmetischen Anwendungen greift man eher zu pflegenden Ölen, wie beispielsweise das der Avocado.
Am Nachmittag widmete man sich dem Thema Konservierungsmethoden und Anwendungen von Farben in den verschiedensten Bereichen. Hier zeigte sich, dass nahezu alle Seminarteilnehmer schon Ideen hatten, wie sie den Färbergarten in ihr Leben integrieren wollten.
Allen voran Jugendherbergsleiter Detlef Rabethge, der definitiv im Juni beginnen wird, einen Färbergarten, konzipiert von Peter Reichenbach, vor Ort anzulegen. Von dieser Idee, diesem „ Virus“, wie der es nennt, wurde er bereits vor zwei Jahren angesteckt, als er den Dozenten auf einem Treffen der Umwelt-Jugendherbergen erlebte. Außer dem Effekt, dass es Spaß macht zu experimentieren und Dinge mit den eigenen Händen herstellen, besitzt der Färbergarten auch pädagogischen Nutzen, denn die Kinder erleben Natur mit anderen Augen. Außerdem passt dieser neue Baustein sehr gut in das Profil seiner Herberge, die in Kooperation mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) seit 2004 bundesweit sogenannte Graslöwen-Klassenfahrten anbietet.
Dieser besondere Klassenausflug bietet Kindern erlebnisorientierte und hochwertige Programme rund um das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit.
Auch Bürgermeister Gerd Walther ist begeistert dieser Idee. In der kommenden Woche hat er bereits Termine bei beiden Ueckermünder Schulen und möchte die Thematik dort vorstellen.
Ebenso nehmen die anderen Workshopteilnehmer ihr Wissen mit, erzählen es weiter, nutzen bestehende Netzwerke und bauen neue auf – vielleicht ist dies sogar eine Chance, um sich entweder selbstständig zu machen oder die Region touristisch, ökologisch oder ökonomisch um einen Baustein attraktiver zu machen.

Interessierte Leser erhalten weitere Information zu diesem Thema auf der Homepage: www.sevengardens.eu