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Frustrierter Azubi macht Gießerei Feuer

Wie steht es wirklich um das Klima in der Eisengießerei? Das wird heiß diskutiert.
Wie steht es wirklich um das Klima in der Eisengießerei? Das wird heiß diskutiert.
NK-Montage: D. Focke/Fotos: Udo Zander

Was ist bloß mit der Jugend los, schimpfte Torgelows Gießerei-Chef Peter Krumhoff im September: Nicht einen einzigen Lehrling hatte er für seinen Betrieb gefunden. Jetzt bekommt er selbst Feuer: Von einem Azubi, der über die Verhältnisse in dem Betrieb klagt.

Nicht ein neuer Lehrling in der Eisengießerei in Torgelow. Das hat Diskussionen ausgelöst. „Die Schulabgänger, die was in der Rübe haben, lassen sich bestimmt nicht für’n Appel und’n Ei in der EGT (Eisengießerei Torgelow) verheizen“, schrieb uns Steven. Ein anderer User berichtet darüber, dass „selbst ehemalige Azubis dort das Weite suchen“. Wie aber sieht es wirklich aus bei der Lehre in der Eisengießerei? Ein in junger Mensch, der dort schon längere Zeit seine Ausbildung absolviert, schilderte jetzt unseren Reportern, wie die Zustände in der Gießerei tatsächlich sind. „Wir lernen da nicht unbedingt etwas für unsere Ausbildung“, sagt der junge Mensch – sondern nur das, was unmittelbar dem Betrieb nützt. Insofern fühle er sich als billige Arbeitskraft. „Wir müssen dasselbe machen wie eine Fachkraft“, sagt er.

Beim Geld hat die Gießerei bereits nachgebessert

Zudem fehlt ihm die Unterstützung der Ausbilder, was zum Beispiel die Planung der Ausbildungsinhalte angeht. „Wir müssen viel selbst organisieren, zum Beispiel rausfinden, wann Schule ist und wo. Da gibt es einfach zu wenig Informationen von den Betreuern, die müssten mehr auf uns zugehen“, sagt der Anonyme.

Er hat auch das Gefühl, dass es niemanden gibt, der sich mit diesem Problem befassen könnte. Und hat er die Probleme denn selbst angesprochen? „Ich trau‘ mich nicht, etwas zu sagen, ich finde, das ist sehr schwierig“, sagt er dazu.

Personalleiterin Gisela Fredenhagen ist etwas verwundert über solche Aussagen. Denn immerhin verwende sie „etwa 40 Prozent ihrer Arbeitszeit“ darauf, solche Probleme der Kolleginnen und Kollegen, auch der Lehrlinge, klären zu helfen. Nur: Die Leute müssen natürlich dann diese Probleme auch auf den Tisch packen.

Auf Anfrage nimmt sie dann aber noch zu einem anderen Thema Stellung – und das zeigt ein weiteres mögliches Problemfeld bei der Suche nach Azubis: Die Bezahlung war bislang nicht gerade üppig. Bislang gab es im ersten Jahr 465 Euro, im zweiten 500, im dritten 540 Euro und im vierten 585 Euro. Seit dem 1. August zahlt die Gießerei 650, 700, 750 und 800 Euro – eine ziemlich üppige Steigerung. Die Gewerkschaft fordert allerdings noch mehr: „Aber wir können nur zahlen, was wir uns leisten können“, sagt Gisela Fredenhagen dazu.

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