Jahr für Jahr lockt das Osterfest im Torgelower Ukranenland mehrere hundert Besucher an. In diesem Jahr wird es wegen des
Jahr für Jahr lockt das Osterfest im Torgelower Ukranenland mehrere hundert Besucher an. In diesem Jahr wird es wegen des Coronavirus keinen Besucheransturm zum traditionellen Saisonbeginn im Freilichtmuseum geben. NK-Archiv/Christian Johner
Corona-Krise

Für Kultur am Haff geht es ums nackte Überleben

Die Kultureinrichtungen in der Haff-Region gelten ohnehin schon als finanziell angeschlagen. Durch die Corona-Krise sind sie nun dringend auf Unterstützung angewiesen.
Uecker-Randow

Wenn der Frühling beginnt, dann öffnet auch das Ukranenland in Torgelow wieder die Pforten. Erster Höhepunkt ist das traditionelle Osterfest – mehrere hundert Besucher strömen dann normalerweise in das mittelalterliche Freilichtmuseum. In diesem Jahr müssen Gäste zu Ostern wegen des Coronavirus notgedrungen fern bleiben. „Die ersten Schulklassen hätten schon in der vergangenen Woche kommen sollen. Besonders von den Schulen gibt es jetzt natürlich viele Absagen. Das bringt uns in extreme Schwierigkeiten“, sagt der Chef des Ukranenlandvereins, Wolfgang Schubert.

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Die Corona-Krise trifft auch das Kulturwerk in Eggesin hart. „Es ist alles tot. Wir haben keine Einnahmen mehr“, sagt die Vorstandsvorsitzende Heike Hirsch. Kinovorstellungen, Workshops und Kurse fallen dabei genauso aus wie der Tag der offenen Tür in der Kulturwerkstatt und auch das beliebte Kultur- und Theaterpicknick.

Schon vor der Krise war Zukunft unsicher

Wie das Ukranenland und das Kulturwerk geht es auch für den Kulturspeicher in Ueckermünde ums nackte Überleben. Am Wochenende hätte eigentlich der irisch-kanadische Singer-Songwriter Morgan Finlay auftreten sollen. Weitere Konzerte, Ausstellungen und erstmals ein Speicher-Flohmarkt hätten in den nächsten Wochen stattfinden sollen. „Wir machen jetzt Büroarbeit“, sagt Katrin Starke, Chefin des Kulturspeichervereins. „Es ist eine katastrophale Lage. Wir sind besorgt wie alle anderen auch, die von dem Coronavirus betroffen sind.“

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Das Ukranenland in Torgelow, das Kulturwerk in Eggesin und der Kulturspeicher in Ueckermünde – alle drei Einrichtungen haben ein Alleinstellungsmerkmal in der Haff-Region und darüber hinaus. Es sind Vereine – und damit in der Regel ehrenamtlich tätige Leute –, die sich um die Aufrechterhaltung dieser Einrichtungen kümmern. Schon vor der Corona-Krise stand fest, dass die Vereine vor einer ungewissen Zukunft stehen – zumindest ohne Förderung. Immerhin: Das Land hat für die Kulturschaffenden und Vereine wegen des Coronavirus einen Schutzfonds in Höhe von insgesamt 25 Millionen Euro beschlossen, damit die Kultur keinen strukturellen Schaden erleidet. „Wenn wir so abgefedert werden, dass wir überleben, dann ist das ja schon okay“, sagt Heike Hirsch vom Kulturwerk.

Fokus liegt auf zweitem Halbjahr

Der Kulturspeicherverein um Katrin Starke hat den Antrag auf Soforthilfe bereits nach Schwerin abgeschickt. „Wir brauchen diese Hilfe. Wir leben von der Hand in den Mund. Ich finde, dass bei dieser Soforthilfe der Informationsfluss der Landesregierung sehr gut funktioniert hat“, sagt Katrin Starke. Wie Wolfgang Schubert und Heike Hirsch kann auch Katrin Starke die einschränkenden Maßnahmen der Politik absolut nachvollziehen. „Wir haben die Gefährlichkeit dieses Virus vielleicht zu Beginn alle ein wenig unterschätzt“, räumt Katrin Starke ein.

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Die Verantwortlichen glauben derweil nicht daran, dass in wenigen Wochen die Normalität wieder Einzug hält. „Es würde mich wundern, wenn ab dem 20. April alles auf Normalbetrieb hochgefahren wird“, sagt Wolfgang Schubert. Heike Hirsch hofft zumindest darauf, dass das Kulturwerk im Laufe des Sommers wieder die Türen öffnen kann. „Unser Fokus liegt jetzt auf der Planung für das zweite Halbjahr. Wenn alles überstanden ist, bin ich auch davon überzeugt, dass die Leute nach sozialen Kontakten lechzen werden.“

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