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Junge Mutter verzweifelt am Amt

Schreiben über Schreiben: Die alleinerziehende Mutter steht offensichtlich im regen Kontakt mit dem Jobcenter.
Schreiben über Schreiben: Die alleinerziehende Mutter steht offensichtlich im regen Kontakt mit dem Jobcenter.
Simone Weirauch

Wieder eine Rückzahlungsforderung vom Amt: Auf dem Tisch einer jungen Mutter in Ferdinandshof stapeln sich die Schreiben. „Das Jobcenter liebt mich“, scherzt sie. Aber ihr Witz klingt nicht lustig.

Acht Cent auf dem Konto, kein Brot mehr im Haus und der Monat ist noch lang. Das ist der Alltag einer jungen Mutter. Sie weiß nicht, wie sie da raus kommt. Eigentlich weiß sie auch gar nicht so recht, wie sie da reingekommen ist in diese anscheinend auswegslose Situation.

Es ging alles ganz schnell. Kind da, Job weg. Bis zur Geburt ihrer Tochter hat die Ferdinandshoferin als Altenpflegehelferin bei der Volkssolidarität gearbeitet. Aber der Vertrag war befristet und lief während der Elternzeit aus. Und mit dem Kindesvater, das war wohl auch kein guter Griff. Die 30-Jährige ist im Sommer 2012 nach Ferdinandshof in eine eigene Wohnung gezogen und will jetzt nur noch für ihr Kind da sein. Aber das Geld, das sie vom Amt bekommt, reicht hinten und vorn nicht.

Über 1000 Euro Mietschulden

400 Euro Arbeitslosengeld, 319 Euro Hilfe zum Lebensunterhalt, 130 Euro Unterhalt und das Kindergeld stehen bei der jungen Mutter auf der Einnahmenseite. Davon sind 403 Euro Miete zu zahlen, Strom, Auto, Raten, Essen und Trinken. Es reicht nicht. Jetzt soll sie 568,36 Euro ans Jobcenter zurückzahlen. Das Geld ist ihr im August 2012 überwiesen worden – zu Unrecht, wie es in einem Brief des Jobcenters heißt. Bei der Überweisung war nicht bekannt, dass sie bereits einen Unterhaltsvorschuss erhalten hat.

Ähnlich erging es ihr bei den Mietzahlungen. Weil sie nicht rechtzeitig die Abtrittserklärung beim Jobcenter eingereicht hat, sind im vergangenen Jahr über 1000 Euro Mietschulden aufgelaufen. Ihre Mietschulden hat die Ferdinandshoferin diszipliniert abgestottert. Jetzt streitet sie sich mit dem Jobcenter um die Kosten für die Erstausstattung ihrer Wohnung. „Die steht mir zu“, meint die junge Frau.

Möbel für neue Wohnung zahlt das Amt nicht

Im Jobcenter sieht man die Sache ein bisschen anders. Die junge Mutter hat rechtzeitig zur Geburt des Kindes Geld für die Erstausstattung erhalten. Ein Pauschalbetrag von 140 Euro soll den Kauf von Wickelkomode, Kinderwagen, Kinderbettchen erleichtern. Das entspricht der Richtlinie des Landkreises. Die Möbel für die neue Wohnung zahlt das Jobcenter nicht, lediglich die Ausgaben für die Neuanschaffungen, die das Kind braucht.