Die „falsche Ärztin“ hatte an gleich drei Orten eine Praxis eröffnet und war für ihre Patienten nur
Die „falsche Ärztin“ hatte an gleich drei Orten eine Praxis eröffnet und war für ihre Patienten nur selten erreichbar. Archiv
Hausverbot und Anzeige

Kammer prüfte 14 Beschwerden gegen „falsche Ärztin”

Die Erlebnisberichte von Patienten über ihre Begegnungen mit der „falschen Ärztin“ zeichnen kein gutes Bild von Frau K., die inzwischen wegen Betrugs verurteilt ist.
Torgelow

Die Schilderungen von Patienten über die „falsche Ärztin“, die unter anderem in Torgelow und Neustrelitz in betrügerischer Weise Hausarztpraxen führte, fügen sich langsam zu einem Bild. Nicht nur das barsche Auftreten, unterstellte Bedrohungen und Anzeigen bei der Polizei finden sich in Erlebnisberichten von Patienten immer wieder. Es gibt offenbar auch eine einfache Erklärung dafür, dass die Praxis der „Frau Dr. K.“ in Torgelow so oft verschlossen blieb, wie eine Torgelower Patientin berichtet hatte.

Ärztin hatte parallel Praxis in Neustrelitz, Blankensee und Torgelow

Die Ärztin führte zeitweise parallel dazu eine Landarztpraxis in Blankensee im Landkreis Mecklenburg-Strelitz. Dort wurde die Ärztin Ende 2015 mit offenen Armen als neue Landärztin in den gemeindeeigenen Praxisräumen willkommen geheißen. Auch im Strelitzer Land wird nun vermutlich manchem klar, warum man mit der neuen Landärztin nicht so recht warm wurde. Schon ein Jahr nach ihrem Start wurden in der Gemeindevertretung Stimmen laut, der Dame wieder zu kündigen.

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Der Grund: Die Ärztin war nur selten in der Praxis, telefonisch war sie kaum zu erreichen. Besonders sauer waren die Blankenseer darüber, dass die Ärztin zweigleisig fuhr. Denn neben der Praxis in Blankensee betrieb sie auch eine Praxis in Neustrelitz. Das sei so nicht vereinbart gewesen, hieß es damals. Dabei hatte man der Ärztin die besten Bedingungen zum Bleiben geboten: Praxisräume und ein günstiges Baugrundstück in Wassernähe. Mehr oder weniger sang- und klanglos verschwand die falsche Ärztin nach eineinhalb Jahren im Sommer 2017 aus Blankensee.

Was die Blankeseer damals nicht wussten: Als sie der Ärztin den roten Teppich ausrollten, lief auch noch ihre Hausarztpraxis in Torgelow, die sie von April 2014 bis Ende 2016 betrieb. Wegen Betrugs und Führens eines falschen Doktortitels hat das Landgericht Schwerin die 42 Jahre alte Medizinerin inzwischen zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Die Angeklagte aus Kirgistan hatte zu Beginn des Prozesses gestanden, mit gefälschten Urkunden die Zulassung als Vertragsärztin in Deutschland erschlichen zu haben. In dem Prozess ging es um den Schaden, den Frau K. den Kassenärztlichen Vereinigungen zugefügt hat. Wie es den Patienten mit der „falschen Frau Dr.“ erging, spielte dort keine Rolle. Dabei gibt es nicht wenige Beschwerden.

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Insgesamt liegen der Ärztekammer des Landes 14 Beschwerden über Frau K. vor. Die Ärztekammer habe alle geprüft und abgeschlossen, heißt es in der Antwort der Kammer. „Da es sich nicht um öffentliche Verfahren handelte, bitten wir um Verständnis, dass wir zu den Details keine Auskünfte geben können.“ Eine Bewertung einzelner Behandlungen von Patienten kann auch Anwalt Ulrich Knye, der die Kirgisin vor Gericht vertrat, nicht vornehmen. Darum sei es im mittlerweile abgeschlossenen Verfahren auch gar nicht gegangen, stellte er klar. Soweit ihm bekannt ist, wolle sich seine ehemalige Mandantin nicht gegenüber Medien äußern und halte sich inzwischen nicht mehr in Deutschland auf. Mehr könne er zum Fall nicht sagen.

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