ZWEIERKABINE AUF SCHWEDENFÄHRE

Lkw-Fahrer in Angst vor Corona-Falle

Brummifahrer Christian Radebold ist sauer über die Zustände auf den Fähren nach Schweden. Sich in der Corona-Pandemie eine enge Zweierkabine mit einem Fremden zu teilen, findet er problematisch.
Brummifahrer Christian Radebold (links) im Gespräch mit Nordkurier-Reporter Holger Schacht.
Brummifahrer Christian Radebold (links) im Gespräch mit Nordkurier-Reporter Holger Schacht. Fotos: zVg
Christian Radebold auf dem schmalen Gang in der Fähren-Zweierkabine. Die ist ausgestattet mit einem Doppelstockbett, TV,
Christian Radebold auf dem schmalen Gang in der Fähren-Zweierkabine. Die ist ausgestattet mit einem Doppelstockbett, TV, Telefon und einer Duschkabine. ZVG
Eggesin.

Viele Berufsgruppen gibt‘s, bei denen es nicht einfach ist, möglichst ohne Ansteckungsgefahr durch die Corona-Krise zu kommen. Pflegekräfte und Ärzte gehören dazu, ebenso Zugbegleiter. Betroffen in diesem Fall ist jedoch ein Brummifahrer – Christian Radebold (49) aus Eggesin. Seit drei Jahren fährt er Skandinavien-Touren für ein Rügener Logistikunternehmen. Meist geht es nach Dänemark, weniger häufig nach Schweden. Dorthin war Radebold im August unterwegs, setzte mit seinem Laster auf der Schwedenfähre der Lübecker Reederei TT-Line von Rostock aus nach Trelleborg über. Siebeneinhalb Stunden dauert die nächtliche Fahrt. Radebolds Arbeitgeber buchte deshalb einen Schlafplatz für ihn.

Als der Berufskraftfahrer die Zweierkabine betrat, traf ihn der Schock. Er sah sich in der Corona-Falle. „Eigentlich hätte ich die Kabine mit einem mir fremden Lkw-Fahrer teilen sollen. Dort ist es aber so eng, dass es nicht möglich wäre, den Sicherheitsabstand von 1,50 Metern einzuhalten“, sagt er und dokumentierte die Situation mit Fotos. Zu sehen ist Radebold auf dem schmalen Durchgang neben dem Doppelstockbett.

Brummi-Fahrer als Menschen zweiter Klasse?

Dass auf Fähren Brummifahrer nicht so komfortabel bewirtet und untergebracht werden wie Touristen, weiß Radebold aus Erfahrung: „Touristen dürfen sich an anderen Buffets bedienen als wir und schlafen in viel größeren Kabinen.“ Vor der Corona-Krise hätten sich sogar bis zu vier Fernfahrer eine der Vier-Bett-Kabinen teilen müssen. „Das fand ich nie gut, war aber gängige Praxis. Die in Corona-Zeiten weiter umzusetzen, finde ich sehr, sehr bedenklich. Soll ich beim Schlafen etwa eine Atemschutzmaske aufbehalten?“, fragt sich der besorgte Radebold, der sich bei Fährfahrten nach Schweden als „Mensch zweiter Klasse“ sieht. „Touristen buchen die Linie nur dann erneut, wenn es ihnen an Bord gefallen hat. Wir Lkw-Fahrer haben keine Wahl, werden vom Arbeitgeber gebucht, kommen also immer wieder“.

Reederei: Einzelbelegung, wann immer möglich

Auf Nordkurier Anfrage teilt PR-Managerin Gudrun Köhler von der Reederei TT-Line mit: „Die Lkw-Beförderung beinhaltet freie Überfahrt und einen Bettplatz in der Zwei-Bett-Kabine für den Lkw-Fahrer. Wann immer möglich, werden die Fahrerkabinen jedoch einzeln belegt. Das ist auf den Morgen- und Nachmittagsabfahrten immer der Fall. Auf Abendabfahrten ist dies auch fast immer gewährleistet. Nur auf einigen sehr wenigen Abfahrten, zum Beispiel an einem sehr starken Rückreisewochenende in der Hochsaison, müssen einige Kabinen auch mit zwei Fahrern – vorzugsweise einer Firma beziehungsweise Nationalität – belegt werden. Des Weiteren ist es natürlich möglich, im Vorwege eine Einzelkabine zu reservieren.“ Zudem, so Köhler, gebe es ein umfangreiches Hygienekonzept.

Auch ein Kollege findet das problematisch

Christian Radebold fühlt sich vor den Kopf gestoßen: „Für mich unternimmt TT-Line nicht alles, um Corona zu stoppen. Mir wurde gesagt, wenn ich mit der Doppelbelegung nicht einverstanden bin, müsse ich mir eine andere Fährverbindung suchen. Als Lkw-Fahrer kann ich das natürlich selbst entscheiden.“

Dieses Mal ging für Radebold die Angelegenheit durch Zufall noch mal gut aus. Er hatte Sohn Justin (16) mit im Laster, konnte mit ihm die Kabine teilen. „Da Herr Radebold tatsächlich über keine Erfahrung einer Überfahrt mit der von ihm kritisierten Doppelbelegung verfügt, entbehrt diese Kritik jeder Grundlage“, findet Gudrun Köhler von TT-Line. Ein Kollege von Radebold gibt ihm jedoch recht: „Bei den Zwei-Mann-Belegungen fühle ich mich auch nicht sicher.“

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