CORONAVIRUS

Lüften statt Lüfter – Vorpommerns Schüler müssen weiter zittern

Gerade findet fast nur Distanzunterricht statt. Doch wenn es einmal zurück in die Klassenzimmer geht, werden die Schulen weiter alle 20 Minuten lüften müssen. Dabei könnte es eine andere Lösung geben.
Mit oder ohne Luftreiniger – das Umweltbundesamt will nicht vom regelmäßigen Lüften abrücken.
Mit oder ohne Luftreiniger – das Umweltbundesamt will nicht vom regelmäßigen Lüften abrücken. Daniel Bockwoldt
Pasewalk ·

Um Corona zu vertreiben, werden die Klassenräume in ganz Deutschland seit beginn des Schuljahres gelüftet. Gerade ist das Problem aus dem Fokus gerückt, da ein Großteil der Jugendlichen aus der Ferne zu Hause beschult wird. Doch laut aktuellem Plan wird sich spätestens im Februar wieder die Frage stellen, ob die Kälte zumutbar ist.

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Klatschen und Kniebeuge würden dabei helfen, meinte bereits die Bundeskanzlerin, Unzumutbar und den Unterricht störend nennt es die Greifswalder Lehrerin Kreistagsabgeordnete Birgit Socher (Linke). Den Kreistag wollten sie, ihre Linkspartei und die Tierschutzpartei überzeugen, den Unterricht an den Schulen in Vorpommern-Greifswald in Zeiten der Pandemie mithilfe von Luftreinigungsgeräten abzusichern. Dazu sollte der Kreis für insgesamt 200.000 Euro diese mobilen Geräte an die Schulen unter der eigenen Trägerschaft verteilen. Die Frage nach dem Wie musste erst gar nicht geklärt werden, denn der Kreistag lehnte die Idee mehrheitlich ab. Also erst mal weiterhin kaltes Lüften. Doch wieso wird das zugelassen und wieso gilt das nicht für alle im Kreis?

Kreisverwaltung lehnt Luftreiniger ab

Die Luftreiniger waren vor den Schulschließungen ab dem 16. Dezember bereits diskutiert worden. Dabei handelt es sich um zwei grundsätzlich unterschiedliche Varianten: Ein festinstallierter Luftreiniger, für den Baumaßnahmen notwendig würden und dessen Anschaffung durch den Bund subventioniert wurde und eine mobile Variante, die zwar eine geringere Reinigungswirkung hat, dafür aber in mehreren Räumen eingesetzt werden kann. Die Anschaffung Letzterer stand noch im Dezember im politischen Raum des Kreises. Die Verwaltung war jedoch dagegen – aus mehreren Gründen. Zum einen würde eine Anschaffung zu lange dauern und die Wirkung sei laut Studien nicht ausreichend um das Lüften der Räume komplett zu ersetzen.

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Argumente, die für Ärger und Unverständnis gesorgt hatten. Christoph Volkenand von der Tierschutzpartei im Kreis setzt sich leidenschaftlich für die Lüfter ein. Er erklärt, dass diese das Lüften nie ersetzen sollten, nur als zusätzliche Maßnahme gedacht seien und somit eine gute Anschaffung darstellen würden. Auch die Argumentation der langen Lieferzeiten könne er nicht nachvollziehen. „Wir haben bei namhaften Herstellern der mobilen Lüfter angefragt und uns wurden Lieferzeiten von unter einer Woche in größeren Stückzahlen zugesichert“, erklärte er im Dezember.

Greifswald geht eigenen Weg

Bereits Ende Oktober hatte sich die Greifswalder Bürgerschaft geeinigt, die Schulen im Stadtgebiet mit insgesamt 50.000 Euro bei der Anschaffung von Luftreinigern zu unterstützen. Dieser Beschluss wurde nun vom Hauptausschuss der Bürgerschaft bestätigt und weitere 164.000 Euro zu diesem Zweck bereitgestellt. Diese sollen laut Beschluss umgehend angeschafft werden, um im Zweifel direkt nach dem Lockdown in den Einsatz zu kommen.

Nordkurier-Reporter Philipp Schulz meint dazu:

Keine Lüfter sind auch keine Option

In der Theorie klingt es logisch und einfach: Die mobilen Lüfter sind schnell zu installieren, kosten nur einen Bruchteil der großen Luftreiniger und sind – glaubt man den Herstellern – gerade gut zu bekommen. Wäre da nicht die Politik und wären da nicht bestimmte Stellungnahmen, die die Lüfter schlechtmachen – entgegen der tatsächlichen Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums aus dem Dezember, nach dem Lüften UND Lüfter den besten Effekt hätten und weitreichenden Schutz für Schüler und schulisches Personal darstellen würden. Doch mit der CDU-geführten Kreisverwaltung war kein Reden möglich und an der CDU-Mehrheit im Kreistag kein Vorbeikommen. Kalt wäre es für die Schüler so oder so, wenn die Schule irgendwann im Februar weitergeht. Aber zusätzliche Sicherheit – die wird auch dann an den Schulen weiter fehlen.

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