Abschied nach 50 Jahren in der Klinik

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Mit dem Trabi knattert Schwester Bärbel in den Ruhestand

Überraschung gelungen! In diesem flotten Trabant wurde Schwester Bärbel von Fred Spieckermann zu ihrer Party chauffiert. Mit einem Hubkonzert ging´s durch die Stadt.
Überraschung gelungen! In diesem flotten Trabant wurde Schwester Bärbel von Fred Spieckermann zu ihrer Party chauffiert. Mit einem Hubkonzert ging´s durch die Stadt.
Uta Bilaczewski

Keine Feier ohne Meyer. Passender könnte ein Beitrag nicht beginnen, der sich um Schwester Bärbel und ihren Abschied nach einem halben Jahrhundert Krankenhausgeschichte dreht. Logisch, dass die Kollegen die Ueckermünderin nicht ohne eine zünftige Fete in den Ruhestand schickten.

Bärbel Meyer traute ihren Augen kaum, als sie ihren Kopf aus dem Fenster hielt. Das vertraute Knattern eines Trabants Cabriolet bahnte sich den Weg durch Ueckermünde-Ost. Die ostalgische Schönheit in elegantem Schwarz mit ihren knallroten Ledersitzen parkte genau vor ihrem Aufgang. Aus dem Radio dröhnte Gute-Laune-Musik. Als sie den Fahrer erkannte, dämmerte es der 64-Jährigen so langsam. Am Steuer saß Fred Spieckermann, der Mann einer Kollegin. „Bärbel, steig ein“, forderte er die immer noch ganz Verdatterte auf, die von Tochter Ulrike behutsam in Richtung Auto geschubst wurde. Dem Chauffeur drückte das Töchterchen als kleinen Gag einen Krankentransportschein in die Hand. So konnte Schwester Bärbel nach 50 Dienstjahren auch einmal in die Rolle eines Patienten schlüpfen. 

Nach 50 Jahren getaner Arbeit geht es in den Ruhestand

An ihrem Abend voller Überraschungen musste sie mal nicht für andere da sein. Alle Kollegen und sogar Ärzte des Ueckermünder Ameos Klinikums kümmerten sich ausschließlich um die Frau, die sich nach 50 aufopferungsvollen Jahren in den Ruhestand verabschiedete. Hätten die Schwestern ihrer Bärbel den Puls gemessen, hätte sich dieser gewiss vor Freude – stiller Freude – überschlagen.

"Bärbel lassen wir nicht einfach so gehen"

Bärbel Meyer hatte es kurz die Sprache verschlagen, als Fred Spieckermann sie vor der Feierstätte absetzte. Auf der Treppe aufgereiht mit einem Gläschen Sekt in der Hand standen sie da, all ihre Kollegen. Denn eines stand fest: „Bärbel lassen wir nicht einfach so gehen!“ Schließlich ist das Team täglich Seit an Seit mit ihr durch den stressigen Stationsalltag marschiert. Mit der 64-Jährigen verliert die Chirurgie eine Schwester, die stets über die Maßen einsatzbereit und flexibel war. „Sie hat immer an den Patienten gedacht“, lobte Schwester Martina. „Sie hat gern gearbeitet, aber auch sehr gern gefeiert.“„Keine Feier ohne Meyer“ steht auf dem Deckel eines Fotobuches, das die Ueckermünderin zum 60. Geburtstag geschenkt bekam.