Lehrerin Manuela Boikow steht vor ihrer 7. Klasse. Die Schüler lernen im digitalen Tandem-Unterricht Polnisch.
Lehrerin Manuela Boikow steht vor ihrer 7. Klasse. Die Schüler lernen im digitalen Tandem-Unterricht Polnisch. Simone Weirauch
Zoey und Liv vor ihrem Notebook, auf dem sie die eigens für den Tandem-Unterricht konzipierte Lernplattform geöffnet
Zoey und Liv vor ihrem Notebook, auf dem sie die eigens für den Tandem-Unterricht konzipierte Lernplattform geöffnet haben. Simone Weirauch
Unterricht

Mit diesem Programm lernen Schüler leicht Polnisch

Beim Sprachunterricht wird das Notebook zum digitalen Klassenzimmer – in Stettin genauso wie in Ueckermünde oder Pasewalk. Ergänzend gibt es Live-Begnungen.
Vorpommern

Polnisch lernen ist gar nicht schwer, sagen Zoey und Liv. Die beiden Schülerinnen aus dem Ueckermünder Greifen-Gymnasium müssen es wissen. Sie gehen in die 7. Klasse und lernen Polnisch als zweite Fremdsprache. „Vor fünf Jahren wählten 75 Prozent der Schüler Französisch, jetzt nimmt jeder Zweite am Polnischunterricht teil“, weiß Schuldirektor Dr. Markus Dittmann. Und so ist der Unterrichtsraum von Polnischlehrerin Manuela Boikow proppenvoll: 31 Siebtklässler lernen dort. Zoey und Liv kommen gut klar mit dieser Fremdsprache. „Bei der Aussprache wird es manchmal schwierig“, räumen sie ein, aber alles andere sei einfach.

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Mehrere Schulen aus dem Landkreis machen mit

Die beiden Mädchen sitzen vor ihrem Notebook und haben sich in ein deutsch-polnisches Lernprogramm eingewählt, das Experten aus Stettin und aus dem Institut für Slawistik der Universität Greifswald entwickelt haben. Das Greifen-Gymnasium ist eine von sieben Schulen in Vorpommern-Greifswald, die am digitalen Tandem-Unterricht zwischen deutschen und polnischen Schulen teilnehmen. Auf deutscher Seite machen auch die Regionalen Schulen Penkun, Löcknitz, Pasewalk, die Europäische Gesamtschule Insel Usedom Ahlbeck, das Oskar-Picht-Gymnasium Pasewalk und das Deutsch-Polnische Gymnasium Löcknitz mit. Per Chat, Sprachnachricht oder Videokonferenz schalten sich die Schüler auf der Lernplattform zusammen und lösen gemeinsam Aufgaben, üben die Aussprache und lernen sich kennen. Als Ergänzung gibt es Live-Begegnungen in Polen und Deutschland beispielsweise in Form von Zirkus- oder Videoworkshops, in denen die Zusammenarbeit vertieft wird.

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Methodisches Neuland für Lehrer und Schüler

Der digitale Tandemunterricht ist ein wichtiger Baustein des Projekts „Nachbarspracherwerb – Polnisch liegt nahe“, das der Landkreis Vorpommern-Greifswald mit deutschen Partnern sowie der Stadt Stettin umsetzt. Ziel ist es, den Nachbarspracherwerb von der Kita bis zum Schulabschluss zu fördern und diese Angebote auch zu verstetigen. Seit 2017 haben 1320 Kinder in Deutschland und 1500 Kinder in Polen die Sprache des Nachbarn gelernt, 180 Pädagogen haben sich beteiligt. Für die technische Umsetzung hat der Landkreis 25 Notebooks und 35 Router für einen flexiblen Internetzugang finanziert.

„Ohne das Engagement der Pädagogen wären wir lange nicht so weit“, betont Landrat Michael Sack (CDU). Der digitale Tandem-Unterricht ist methodisches Neuland für Lehrer und Schüler. „Es ist eine neue Lernkultur, der Lehrer wird zum Moderator und Begleiter des Unterrichts“, erläutert Dr. Agnieszka Putzier von der Uni Greifswald. Lehrerin Manuela Boikow hat diese Herausforderung angenommen. Sie wird beim heutigen Auswertungsworkshop in Stettin erfahren, wie ihre Kollegen damit klarkommen.

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