RAUSCHGIFT UND SUCHT

Mit einem Drogenkoffer in die Schulen

Mario Tschirn tourt mit seinem Koffer voller Drogen durch Schulen im Landkreis Vorpommern-Greifswald, informiert Eltern und Lehrer über Rauschgifte. Mit dabei hat er auch immer einen Sargnagel.
Holger Schacht Holger Schacht
Polizeihauptkommissar Mario Tschirn mit dem Koffer voller Drogen. Der Koffer wiegt etwa zehn Kilo. Tschirn ist seit 15 Jahren
Polizeihauptkommissar Mario Tschirn mit dem Koffer voller Drogen. Der Koffer wiegt etwa zehn Kilo. Tschirn ist seit 15 Jahren im Team der Präventionsberater und als Einziger spezialisiert auf Drogen. Holger Schacht
Ueckermünde.

Mario Tschirn ist ein gefragter Mann. Jede Woche öffnet er ein- bis zweimal vor Publikum seinen silbernen Koffer, der voll gepackt ist mit Drogen und Utensilien, mit denen Rauschgifte konsumiert werden können. Wofür andere in Handschellen abgeführt würden, erntet Tschirn Lob und Anerkennung. Der Polizeihauptkommissar ist Präventionsberater der Polizeiinspektion Anklam und informiert Eltern und Lehrer an Schulen, wie sie Kinder und Jugendliche vor Drogen schützen können.

Über 20 Drogensorten – Cannabis, Amphetamine, Kokain, Heroin

In den vergangenen Wochen besuchte Tschirn die Regionalen Schulen in Ueckermünde und Eggesin. Eltern hatten gebeten, ihn einzuladen. „Dabei geht es zumeist um die sechsten und siebten Klassen. In diesem Schüleralter ist das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen. Ich finde es klasse, wenn Schulen auf uns zu kommen“, sagt Tschirn. Cannabis, Hasch, Marihuana, Amphetamine, Kokain, Heroin – etwa 20 Substanzen bringt der Drogen-Experte zu seinen Vorträgen mit. Eltern und Lehrer dürfen sie sich genau ansehen, teilweise daran riechen. Nach den Info-Abenden wissen alle, wann die Alarmglocken klingeln sollten.

Der Polizeihauptkommissar stellt klar: „Nicht alle, die Haschisch probieren, werden sofort zum Dauerkonsumenten oder steigen automatisch auf andere Drogen um. Oft ist auch vorübergehende Neugier die Ursache des Konsums. Zum Problem werden Suchtmittel jeder Art, wenn man damit etwas anderes ausgleichen will.“ Etwa Beruhigungsmittel vor der Klassenarbeit, Haschisch oder Ecstasy, um in der Clique anerkannt zu werden.

Tschirn: Eltern sollten nicht in Panik geraten oder mit dem Zeigefinger drohen

Wenn es Auffälligkeiten dieser Art gebe, so Tschirn, sollten Eltern auf keinen Fall „das Problem ignorieren, in Panik geraten oder mit dem erhobenen Zeigefinger drohen“. Vielmehr sollte das Gespräch mit dem Kind gesucht, die Sorge ausgedrückt und über Hilfs- und Beratungsstellen Kontakt aufgenommen werden.

Alkohol, so Tschirn, sei vor Cannabis weiterhin das am häufigsten verbreitete Rauschmittel im Landkreis. Gefolgt von künstlich hergestellten Drogen. „Dann folgt schon das teure Kokain vor Ecstasy. Je mehr Geld zur Verfügung steht, desto mehr Drogen werden konsumiert“.

Um seinen Koffer zu vervollständigen, sucht Tschirn zweimal jährlich Asservatenkammern von Gerichten auf, bedient sich aus dem Fundus abgeschlossener Verfahren: „Ich habe einen ziemlich guten Draht zu den Staatsanwaltschaften.“ Mit dabei sind im Koffer zur Warnung auch ein Sargnagel – und K.-o.-Tropfen. Diese Ohnmächtigmacher seien weit verbreiteter, als allgemein angenommen wird. „Es gibt immer wieder Opfer auf den Festen in der Region und auf Weihnachtsmärkten“.

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