GETÖTETE LEONIE

Mordverdächtiger David H. war zu schnell für Polizei

Caffier hatte sie zur Chefsache erklärt – die Peinlichkeit, dass Polizeibeamten der mutmaßliche Kindermörder David H. innerhalb der Polizeiräume einfach weggelaufen ist. Warum konnte keiner der Polizisten folgen?
Andreas Becker Andreas Becker
Nach seiner Flucht hat sich David H. der Polizei gestellt (Archivbild).
Nach seiner Flucht hat sich David H. der Polizei gestellt (Archivbild). Karsten Riemer
Torgelow.

Es war ein Mix aus Erstaunen, Verwunderung und einer Prise Ungläubigkeit: „Der war verdammt schnell“, sagte Claudia Tupeit, Sprecherin des Polizeipräsidium Neubrandenburg, achselzuckend – und versuchte damit zu erklären, warum am Abend des 14. Januars der Stiefvater der getöteten Leonie nach einer Vernehmung im Polizeihauptrevier Pasewalk den Beamten abhauen konnte.

David H. war einfach schneller, nach 300 Metern machten die Polizisten schlapp, die Spur des mutmaßlichen Kindermörders verlor sich in der Dunkelheit.

„Polizisten müssen fit sein“

Die Polizei war an jenem Abend schnell aus der Puste. Dabei wird körperliche Fitness bei den Einstellungskriterien durchaus großgeschrieben. Tenor: „Polizisten müssen fit sein“. Doch was heißt das konkret? Ein Wendelauf, ein Sprunglauf, Klimmzüge und ein Konditionstest über einen Hindernisparcours müssen absolviert werden. Je nach Zeit oder Anzahl der Wiederholungen gibt es maximal 75 Punkte zu erreichen.

Bestanden hat den Test aber bereits jeder Teilnehmer, der die Note 4 oder besser schafft. Die Note 4 entspricht 25 Punkten. Mit anderen Worten: Wer nur ein Drittel der Maximalpunktzahl kassiert, besitzt die körperlichen Voraussetzungen, um auf Verbrecherjagd zu gehen.

Pflicht: Deutsches Sportabzeichen

Wird nun berücksichtigt, dass Polizeibewerber ihren Fitnesstest in jungen Jahren absolvieren – wie sieht es im fortgeschrittenen Alter mit Laufen und Springen über Stock und Stein aus? „In der Landespolizei besteht die Pflicht, regelmäßig das Deutsche Sportabzeichen abzulegen“, antwortet das Innenministerium in Schwerin.

Und welche Anforderungen stellt das Sportabzeichen an die Polizisten? Ein 45 Jahre alter Polizist beispielsweise müsste 50 Meter in 10 Sekunden (Frauen: 11,5) und 3000 Meter in 22 Minuten und 10 Sekunden (Frauen: 24 Minuten und 40 Sekunden) bewältigen. Klingt eher nach gemütlichem Freizeittempo, bei dem noch ein Plausch gehalten werden kann.

+++ Hier finden Sie alle Artikel zum Todesfall Leonie +++

Und noch etwas lässt aufhorchen: Christian Schumacher, MV-Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, weist darauf hin, dass das Deutsche Sportabzeichen lediglich alle drei Jahre absolviert werden müsste. Schumacher sagt aber auch, dass die Polizisten schon versuchen, sich einigermaßen fit zu halten.

Innerhalb des Polizeidienstes würden regelmäßig Sportstunden auf dem Programm stehen. Das Problem: Aufgrund der oftmals dünnen Personaldecke müssten zunächst alle Dienste abgesichert werden – da könnte der Sport laut Gewerkschaftschef schon mal hinten herunterfallen.

Leonie in Wolgast beigesetzt

Aber was droht den verantwortlichen Polizeibeamten, denen David H. fortgelaufen ist und die ihm nicht folgen konnten? Christian Schumacher: „Die Maximalstrafe ist die unehrenhafte Entlassung aus dem Polizeidienst – inklusive des Verlustes aller ursprünglich erworbenen Pensionsansprüche.“ Aber: Grundsätzlich, so Schumacher, sei nicht Bestrafung, sondern Besserung das Ziel.

Während die Aufarbeitung der Flucht und die Ermittlungen nach der Bluttat laufen, ist die getötete Leonie am Sonnabend unter großer Anteilnahme in Wolgast beerdigt worden.

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Kommentare (6)

Alles klar die oberklugen, wie der Reporter auch einer ist , die ihn haben laufen lassen, sprich die Vernehmer welche nicht zur Revier oder Kripo Pasewalk gehörten, haben natürlich alles richtig gemacht. E ist och lachhaft wie die wahren Schuldigen an diesem Dilemma geschützt werden, eine Rechtsmedizinerin vor Ort erkennt einen Nasenbeinbruch, eine Mitarbeiterin des Jugendamtes gibt sich mit Informationen aus dritten Hand zufrieden, nur weil der Täter ausflippte. Warum wurde nicht schon hier richtig und angemessen gehandelt. Vor allem wer hat wann wo versagt, dann kann man über Sport Noten und Polizeibeamt herziehen welche nicht n der Lage sind mit kung fu oder wie Robocop zu agieren. Nur Reporter die haben bisher alles richtig gemacht. Es ist beschämend wie die Beamten in Pasewalk dargestellt werden!

Eigentlich immernoch schlechtere physische Leistungen bringen als männliche? Läuft der Verbrecher bei Frauen automatisch langsamer? Gleichstellung bedeutet auch Gleichstellung bei Einstellung.

Einmal vor die Tür stehen, klingeln, wenn vorhanden, und fragen, ob alles in Ordnung ist, und ein ja erwarten. im Protokoll steht alles Bestens, bei der Familie, mit Drogenprobleme.

Warum, ging sie nicht im Kindergarten ?, sicherlich, wegen die blauen Flecken

Jetzt ist mal Sense mit dem Thema! Hier hat eindeutig das Jugendamt versagt. Es war bekannt, das der Mörder ein Drogenproblem hat. Es ist jämmerlich, wie hier wieder versucht wird der Polizei die Schuld in die Schuhe zu schieben, seitens der Medien, wie schon so oft. Die Polizisten sind gehalten sich körperlich fit zu halten und tun es auch nach ihren Möglichkeiten.
Sehr geehrter Herr Becker, diesen Kommentar habe ich schon zweimal hier eingestellt , warum wurde er gelöscht?????

Die Flucht ist ein Teil des Falles, das die Medien zurecht aufgreifen. Aber warum reduziert man auf die Fitness der Polizisten? Viel spannender ist doch die Frage, warum sich der Herr einfach so aus dem Verhörraum, aus dem Gebäude und anschließend vom Gelände bewegen konnte. Ich sehe hier jede Menge mögliche Pflichtverletzungen. Denn mit Verlaub: Dass jemand unehrenhaft entlassen und alle Ansprüche verliert, weil er einen Flüchtigen zu Fuß nicht einholen konnte, ist Kokolores.