Julia Tsukanova, Imbiss-Chef Zviadi Dzhabua und Harald Rinkens (von links) in dem neu eröffneten Imbiss „Kochen und
Julia Tsukanova, Imbiss-Chef Zviadi Dzhabua und Harald Rinkens (von links) in dem neu eröffneten Imbiss „Kochen und Braten“ in Torgelow, das vor einigen Tagen eröffnet worden ist. Lutz Storbeck
Georgier eröffnet Imbiss

Mutiger Flüchtling setzt trotz Corona auf Gastronomie

Mitten in der Corona-Zeit eröffnet ein Georgier in Torgelow einen Imbiss – und das, obwohl ihm keine Bank einen Kredit geben wollte. Dafür hatte er andere Helfer, die an ihn glaubten.
Torgelow

Kinkali? Khachapuri? Kubdari? Aussprechen kann man diese Begriffe, wenn man ein wenig übt, sicher. Aber was verbirgt sich dahinter? Auskunft geben kann Zviadi Dzhabua. Der Mittfünfziger kam 2014 als Flüchtling aus Georgien nach Torgelow – und hat vor wenigen Tagen dort seinen Imbiss eröffnet. Was gar nicht so einfach war. Das weiß Harald Rinkens vom Verein „Willkommenskultur“. Er betreut seit vielen Jahren gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern Flüchtlinge. Mit dem Georgier, der damals mit Ehefrau, drei Kindern und ein paar Koffern angekommen war, verbindet Rinkens mittlerweile eine enge Freundschaft.

Dennoch, sagt Harald Rinkens, sei es seitens seines Freundes „ein verrücktes Unternehmen gewesen, so etwas mitten in der Corona-Zeit anzufangen“. Zumal der Georgier es nicht nur mit der Pandemie und den deutschen Behörden zu tun hatte, sondern auch mit der Frage: Woher einen Kredit bekommen, um den Laden umzubauen und die Küche einzurichten? „Dem Mann hat keine Bank Kredit gegeben“, sagt Rinkens. Es fehlten die Sicherheiten. Mit Hilfe von Freunden hat Zviadi Dzhabua dann doch das nötige Geld zusammenbekommen und konnte seinen Imbiss aufmachen.

Verein hat 25 Flüchtlinge in Jobs vermittelt

Ein Erfolg, über den sich der Georgier freut, aber Rinkens fast ebenso sehr. Denn Dzabua gehört zu denen, die mit Hilfe des Vereins „Willkommenskultur“ nun einen Job haben. „Insgesamt haben wir seit 2013 genau 25 Flüchtlinge in solche Jobs vermitteln können“, sagt Rinkens. Der Georgier sei der Erste, der sich selbstständig gemacht hat. In der Kopernikusstraße, gegenüber dem Netto-Supermarkt, empfängt der Imbiss „Kochen und Braten – osteuropäische Küche und vieles mehr“ jetzt seine Gäste. Ein Schickimicki-Restaurant sei es nicht, sagt Rinkens, der öfter dort Gast ist, eher so etwas, was die Amerikaner als Diner bezeichnen würden.

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Wie dem auch sei: Besucher können im Imbiss essen oder sich von dort aus liefern lassen, was auf der Karte steht: Georgische, aber auch ukrainische Speisen. Dazu noch etliches, was man auch anderswo bekommen kann: Pizza, Pasta, Burger, Schnitzel. Knapp 100 Gerichte etwa. Und das, sagt Rinkens, sei eindeutig zu viel. Das sieht auch Zviadi Dzhabua so. „Nun, wir werden sehen, was die Gäste wollen. Wir sind ja noch am Anfang und lernen dazu.“ Kann also sein, dass die Karte bald weniger lang sein wird und dann die osteuropäischen Piroggen, Eintöpfe, Suppen und anderes das Angebot bestimmen.

Russen, Ukrainer und Georgiern leben in Torgelow friedlich nebeneinander

Bislang jedenfalls gehen diese Gerichte ganz gut. „Wahrscheinlich, weil hier in der Stadt viele mit russischen Wurzeln leben, aber auch, weil es Leute gibt, die in der damaligen Sowjetunion studiert haben oder an der Trasse waren und aus dieser Zeit die Küche kennen“, vermutet Rinkens. Er wird seinem Freund Zviadi auch weiter zur Seite stehen und bei beraten, falls nötig. „Auf alle Fälle wünsche ich ihm Erfolg“, sagt Rinkens.

Interessant ist übrigens, dass es in Torgelow klappt mit dem freundlichen und friedlichen Miteinander von Russen, Ukrainern und Georgiern. Julia Tsukanova, die bei dem Georgier angestellt ist, stammt aus der Ukraine. Und gleich neben dem Imbiss werden im Laden des Sibiriers Andrej Ginc russische Spezialitäten verkauft. Alle kommen bestens miteinander aus, versichert der Georgier.

Kontakt: 03976 2779344

 

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