WEIßER RING

Opferhilfe appelliert: Bei Verdacht nicht wegsehen!

Bei Straftaten und Verbrechen geht es meist um die Täter. Wer sind sie? Wurden sie gefasst und verurteilt? Die Opfer hingegen hat die Hilfsorganisation „Weißer Ring” im Blick.
Angela Straßburg ist die Außenstellenleiterin des Weißen Rings für die Uecker-Randow-Region. Auch ihr M
Angela Straßburg ist die Außenstellenleiterin des Weißen Rings für die Uecker-Randow-Region. Auch ihr Mann Klaus engagiert sich ehrenamtlich für die Opferhilfsorganisation. Der Verein zählt zurzeit 23 Mitglieder in der Region. Fred Lucius
Uecker-Randow ·

Neun Opfer haben die Mitarbeiter der Außenstelle Uecker-Randow des "Weißen Rings" im vergangenen Jahr betreut. „Dabei sind zwei Langzeit-Fälle aus dem Jahr 2019 – einmal handelt es sich um Missbrauch, das andere Mal um einen Überfall in Pasewalk. Wir hatten 2020 aber auch einige Fälle, bei denen wir nur kurz tätig waren“, sagt Angela Straßburg, ehrenamtliche Leiterin der Außenstelle Uecker-Randow der Opferhilfsorganisation.

Stalking, Überfall, sexueller Missbrauch

Der deutliche Rückgang zu 2019 mit 22 betreuten Opfern resultiere aus der Tatsache, dass es in dem Jahr zwei Fälle mit mehreren Betroffenen gab, darunter der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in Strasburg. Betreut wurden nach Angaben der Außenstellenleiterin ein Stalking-Opfer in Ferdinandshof und kurzfristig auch ein Ladeninhaber in Penkun nach einem Überfall.

Bei einem vermeintlichen Opfer von Diebstahl und Körperverletzung habe sich herausgestellt, dass dieses später selbst als beschuldigt galt. „Im Jahr 2020 hat sich auch eine Frau aus der Region bei uns gemeldet, deren Tochter in Berlin vergewaltigt worden sein soll. Die Anzeige wurde aber erst ein Jahr später gestellt. Dann sind Ermittlungen schwierig. Die Chancen auf eine Verurteilung stehen dann schlecht“, weiß Angela Straßburg.

Vergewaltigungsopfer sollten sich daher umgehend an die Polizei und die Rechtsmedizin wenden. „Als Mitglieder des Weißen Rings glauben wir aber in jedem Fall den Opfern. Wir hinterfragen auch nicht oder ermitteln selbst“, fügt Klaus Straßburg hinzu, der sich ebenfalls in der Organisation engagiert.

„Wollen nie wieder einen Fall Leonie erleben“

Betreut werde zurzeit auch eine Familie, in der Mitte 2020 ein sechsjähriges Mädchen in Ferdinandshof von einem 18-Jährigen sexuell missbraucht worden sein soll. Gegen den jungen Mann ist Anklage erhoben worden. Der Mann hatte laut Polizeiangaben von damals das Mädchen vom Wohnumfeld weggelockt und auf einer Wiese schwer sexuell missbraucht. „Wenn man etwas Verdächtiges beobachtet, sollte man nicht wegsehen. Lieber einmal mehr fragen, was los ist, oder die Polizei verständigen“, erklärt Klaus Straßburg.

Weil man einen Fall Leonie nicht wieder erleben möchte, nimmt man der Außenstellenleiterin zufolge auch die Sorge einer Oma aus der Region um ihren Enkel ernst, der laut Großmutter geschlagen wird. „Hier müssen sich aber in erster Linie Familienmitglieder an die zuständigen Stellen wie das Jugendamt oder an die Polizei wenden. Das hat nichts mit denunzieren zu tun. Wenn wir einen Verdacht auf eine Straftat oder ein Verbrechen haben, schauen wir auch nicht weg“, erklärt Angela Straßburg.

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Der Weiße Ring zählt in der Uecker-Randow-Region 23 Mitglieder. Drei Mitarbeiter kümmern sich um die Opfer-Betreuung. Neben Spenden für die ehrenamtliche Arbeit sei man auch dringend auf weitere Mitarbeiter angewiesen.

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