TOTE LEONIE

Polizei ermittelt gegen Spendensammler

Will jemand Kapital aus dem Tod von Leonie aus Torgelow schlagen? Es gibt zumindest Anzeichen dafür, dass eine Spendenaktion nicht ganz sauber ist. Die Polizei ermittelt.
Christian Johner Christian Johner
„Offizielle Spendenseite für Leonie“ heißt es auf Facebook. Dabei hat keine offizielle Stelle, sondern eine Privatperson  die Seite erstellt.
„Offizielle Spendenseite für Leonie“ heißt es auf Facebook. Dabei hat keine offizielle Stelle, sondern eine Privatperson die Seite erstellt. Tilo Wallrodt/ Montage: NK
Zwischen dem Betreiber der Facebook-Seite und Alexander Stuth hatte es Absprachen gegeben. Nun ermittelt die Polizei.
Zwischen dem Betreiber der Facebook-Seite und Alexander Stuth hatte es Absprachen gegeben. Nun ermittelt die Polizei. Screenshot Facebook
Torgelow.

Schon der Name führt in die Irre: „Offizielle Spendenseite für Leonie“ heißt es auf Facebook. Dabei hat keine offizielle Stelle, sondern eine Privatperson – nach Nordkurier-Informationen ein 28-jähriger Mann aus Niedersachsen – ein Konto beim Online-Bezahldienst Paypal eröffnet, um Spenden für Leonie zu sammeln. Die Idee selbst ist grundsätzlich nicht schlecht, denn nach dem grausamen Tod des sechsjährigen Mädchens haben immer noch viele Menschen das Bedürfnis zu helfen – auch mit Geldspenden.

Nach Nordkurier-Informationen kamen bei der Aktion des Mannes mehrere tausend Euro zusammen. Eine noch größere Aktion hatte der Radiosender Ostseewelle Hitradio gemeinsam mit dem Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) ins Leben gerufen.

Dorthin will sich der Betreiber der ominösen Facebook-Seite auch gewendet haben: Ostseewelle-Reporter Alexander Stuth bestätigt dies auf Anfrage. Man habe abgesprochen, dass der Mann das über Facebook gesammelte Geld bis zum 31. Januar auf das Konto von Ostseewelle und DKSB überweisen werde. Von einer „offiziellen” Aktion, wie es dann bei Facebook hieß, sei aber nie die Rede gewesen.

Polizei ist eingeschaltet

Und das Geld ist bis heute nicht dort angekommen. Stuth sagt: „Ich bin enttäuscht.“ Immerhin hat er aber auch eine positive Nachricht: Mehr als 13.000 Euro seien auf das Konto des DKSB und der Ostseewelle bisher überwiesen worden. „Das ist eine richtig schöne Sache. Wir konnten damit unter anderem die Rechnung für die Beerdigung bezahlen“, sagt Stuth. Doch das ändert nichts daran, dass ein Teil der Spenden bisher offenbar nicht dort angekommen ist, wohin sie angeblich gehen sollten.

Inzwischen ist die Polizei eingeschaltet: Die Polizeiinspektion Anklam erhielt zu der Facebook-Seite wichtige Hinweise: „Wir haben eine Anzeige wegen des Verdachts des Betruges aufgenommen“, bestätigt Anklams Polizeisprecher Axel Falkenberg. Bearbeitet und ermittelt wird der Fall jetzt in Lüneburg, dem Wohnort des Seiten-Betreibers. Nach Nordkurier-Recherchen ist der 28-Jährige kein unbeschriebenes Blatt bei der Polizei. Dies wollte die Polizei auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren.

Erklärungsversuch auf Facebook

Der 28-Jährige versuchte derweil auf seiner Facebook-Seite, sich zu erklären: Der Zahlungsbetreiber Paypal habe sein Konto eingefroren. Deshalb gebe es Probleme mit der Auszahlung, heißt es in einer Erklärung. Also doch alles sauber? Am Donnerstag war die besagte Facebook-Seite zeitweise verschwunden, um wenig später neu zu erscheinen – allerdings mit geändertem Inhalt. So hatte der Betreiber in einem Beitrag vom 17. Januar geschrieben: „Admin dieser Gruppe ist Ronny Ledsahm, wir handeln im Interesse des Vaters für die verstorbene 6-jährige Leonie.“ Dieser Beitrag ist inzwischen wieder verschwunden.

Der Facebook-Account, unter dem die Aktion lief, war zudem auf einen falschen Namen angemeldet – in Wirklichkeit heißt der Betreiber deR Seite anders. Grundsätzlich bestätigt der Fall aus Sicht unserer Redaktion die Devise: Lieber nur an solche Stellen spenden, die erkennbar seriös sind – und sich nicht „offiziell” nennen, ohne es zu sein!

Update: Seiten-Betreiber weist Vorwürfe scharf zurück

Kurz nach Erscheinen des Artikels hat sich der Betreiber der Spenden-Aktion, Ronny L., bei unserer Redaktion gemeldet und in mehreren Telefonaten die Vorwürfe scharf zurückgewiesen, den Vorgang in der Sache dabei allerdings bestätigt. Er stamme gebürtig aus Mecklenburg-Vorpommern und habe gemeinsam mit seiner Freundin lediglich aus Betroffenheit eine Spenden-Aktion ins Leben rufen wollen. Er habe die Gelder weder veruntreut noch vorgehabt, dies zu tun. Allerdings sei sein Paypal-Konto gesperrt worden, weshalb er das Geld nicht habe überweisen können.

Allerdings erzählte der Mann auch der Nordkurier-Redaktion dabei zunächst die Unwahrheit: Er versuchte, unsere Redaktion glauben zu lassen, sein korrekter Name sei Ronny Ledsahm - was allerdings nicht stimmt. Seinen richtigen Namen hatten wir in unserer Berichterstattung zu keinem Zeitpunkt genannt. In einem weiteren Anruf kurze Zeit später stellte er dies als Missverständnis dar.

Zur Frage, wieso er die Seite "Offiziell" genannt habe, obwohl sie es nicht war, sagte er: "Vielleicht war der Name etwas doof gewählt." Er habe aber wirklich nur helfen wollen. Auf seine Vorstrafen in zahlreichen Fällen angesprochen sagte er: "Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun!" 

Überdies schickte er unserer Redaktion Bildschirmfotos, die zeigen, dass er nach der Sperrung seines Paypal-Kontos an den Anbieter geschrieben hat und darum gebeten hat, alle Spenden wieder an die Spender zurückzuerstatten. "Das habe ich gemacht, weil es doch besser ist, wenn alle ihr Geld zurückbekommen, als wenn es jetzt noch viele Wochen dauert", sagte er dazu. Der Nordkurier hatte bereits am Freitagmittag versucht, Paypal zu dem Vorfall zu befragen - bislang allerdings keine Antwort von dem Anbieter erhalten.

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