CORONA-KRISE

Reisebüros am Haff hoffen auf Gutschein-Regelung

Die kleinen Reisebüros am Haff mussten schon einige Krisen überstehen. Aber so schlimm hat es sie noch nie getroffen. Der Reisemarkt ist völlig eingebrochen. Wenn jetzt alle Kunden ihr Geld zurückfordern, steht es schlecht um die lokalen Reise-Agenturen.
Landesweit werben die Reisebüros darum, dass die Kunden ihnen auch nach der Corona-Krise die Treue halten. Der Zusammenbr
Landesweit werben die Reisebüros darum, dass die Kunden ihnen auch nach der Corona-Krise die Treue halten. Der Zusammenbruch des kompletten Reisemarktes trifft vor allem die kleinen Unternehmen hart. Oliver Berg
Ueckermünde.

Die Welt hat geschlossen, Reisen ist tabu. Das trifft die reiselustigen Vorpommern hart. Noch viel härter aber sind die kleinen Reiseunternehmen hierzulande durch die Folgen der Pandemie getroffen. Die Reisebranche ist zwar krisengestählt, sagt Brunhild Wloka, Inhaberin der Reiseagentur am Haff. „Aber das jetzt übertrifft alles.“ Seit 30 Jahren werden in Ueckermünde Reisen in die ganze Welt verkauft. Da gab es immer wieder schwierige Zeiten. Brunhild Wloka erinnert an den 11. September 2001, als viele Menschen Angst hatten und die Buchungen einbrachen. Auch die Insolvenzen von Fluggesellschaften wie Air Berlin oder Germania waren für die Reisebüros ein schwerer Schlag. „Was wir jetzt erleben, hätte ich mir nicht vorstellen können“, sagt die Ueckermünder Reiseagentur-Chefin.

Größere Überlebenschance durch Gutscheine

Sie rechnet auch nicht damit, dass für dieses Jahr wieder Flugreisen verkauft werden können. „Vielleicht Reisen in Deutschland, wenn irgendwann die roten Punkte von der Corona-Karte verschwunden sind.“ Brunhild Wloka und ihre Mitarbeiter wollen sich ihren Optimismus dennoch nicht nehmen lassen. Arbeit haben sie in diesen Tagen zuhauf. „Wir rufen alle Kunden an, erläutern die Situation und suchen eine Lösung.“ Natürlich bieten sie Kunden lieber Gutscheine für einen späteren Reisetermin an, als die Reisekosten zu erstatten. Zumal die Reiseagentur für jede stornierte Reise auch die Provision an die Veranstalter zurückzahlen muss. Je mehr Kunden also einen Gutschein akzeptieren, desto größer ist die Chance für kleine Reiseagenturen, diese Krise zu überleben.

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Die Bundesregierung hat zwar eine entsprechende Regelung erarbeitet, die die Rückerstattungspflicht bis Ende 2021 aussetzt und die Ansprüche der Kunden für den Fall einer Insolvenz des Reiseveranstalters schützt. Doch dafür braucht es erst die Zustimmung aus Brüssel, weil diese Regelung gegen europäisches Verbraucherrecht verstößt. „Schauen wir mal, was da beschlossen wird“, sagt Ines Petzel vom Torgelower Reisebüro Weltenbummler.

„Wer seinen Urlaub liebt, der verschiebt“

Die Kunden reagieren bisher unterschiedlich. Einige bestehen auf einer Rückerstattung der Reisekosten. Das sei verständlich. Auch Ines Petzel ist guten Mutes und will es bleiben. „Wer seinen Urlaub liebt, der verschiebt“, gibt sie als Motto für ihre Kunden heraus, die bereit sind, ihre Reise für 2021 umzubuchen. Gerade bei Kreuzfahrten sei die Bereitschaft größer, die Reise zu verschieben.

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Auch Beatrice Springmann aus Ueckermünde verhandelt zurzeit intensiv mit Veranstaltern, um den Kunden ihres kleinen Busreise-Unternehmens neue Reisetermine anbieten zu können. Busreisen zu Konzerten und Musicals sind ihre Spezialität. „Ich habe so tolle Gäste, sie zeigen Verständnis für die Situation“, sagt Beatrice Springmann. Sie wolle niemanden enttäuschen. Zwei Busse gehören zu ihrem Unternehmen, sie fährt sie selbst. Bei Osterreisen sitzt sie auch gern im Hasenkostüm hinterm Lenkrad. Dieser Spaß fällt in diesem Jahr aus. „Meine Reisegäste und die gute Stimmung fehlen mir, ich hoffe, wir überstehen das alle und können bald wieder reisen“, sagt die Ueckermünderin.

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