AMATEURFUßBALL

Schiri-Defizit wird durch Corona verschärft

Seit Pandemie-Beginn ziehen sich immer mehr Schiedsrichter aus dem Amateurfußball zurück. Nachwuchs konnte ebenfalls nicht ausgebildet werden. Nun soll ein Online-Angebot helfen.
Nachwuchs-Referees konnten in diesem Frühjahr vielerorts nicht ausgebildet werden, und fehlen jetzt zur Absicherung der S
Nachwuchs-Referees konnten in diesem Frühjahr vielerorts nicht ausgebildet werden, und fehlen jetzt zur Absicherung der Spiele. Maik Werner
Vorpommern-Greifswald.

„Seit dem Beginn der Corona-Pandemie scheint die Bereitschaft gesunken, sich im Amateursport zu engagieren.“ Diese ernüchternde Erkenntnis teilt Eberhard Hoth, Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses in der Mecklenburgischen Seenplatte mit. Er bezieht sich damit vor allem auf eine der wichtigsten Funktionen im Lokalfußball: die des Referees.

Die Fußballkreisverbände des Landes Mecklenburg-Vorpommern verzeichnen nach den Worten einiger Verantwortlicher seit einiger Zeit offenbar einen Rückgang bei den Schiedsrichtern. Die Corona-Pandemie scheint diesen Negativ-Trend zu beschleunigen. „Die Lust zu pfeifen, ist besonders seit dem Frühjahr merkbar gesunken“, findet Eberhard Hoth. „Viele sagen uns, sie kommen in diesen Zeiten auch ganz gut ohne Fußball klar.“ Ähnliches weiß Robert Holst, Obmann im Schiedsrichterausschuss des Kreisfußballverbandes Westmecklenburg, zu berichten. „Seit dem Frühjahr verzeichnen wir einen verstärkten Rückgang. Anderen Verbänden geht es ähnlich. Die Lust scheint in vielen Fällen nicht mehr vorhanden.“

Ein Schiedsrichter für gleich vier Partien

Auch in Vorpommern-Greifswald gab es laut Diana Räder-Krause, der Vorsitzenden des dortigen Schiri-Ausschusses, bereits einen konkreten Fall, bei dem ein erprobter Spielleiter seine Pfeife aufgrund der Corona-Situation an den Nagel hängte.

Das Problem: Dringend benötigter Nachwuchs im Schiedsrichterwesen konnte in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie vielerorts ebenfalls nicht ausgebildet werden und fehlt jetzt zur Absicherung der Spiele in den Kreisverbänden. So kam es in der Seenplatte zuletzt bereits vor, dass ein Schiri gleich vier Partien an einem Wochenende leiten musste. „Das soll nicht die Normalität sein, ist aber nötig geworden“, sagt Eberhard Hoth.

Üblicherweise findet die Ausbildung zum Referee in Mecklenburg-Vorpommern einmal pro Jahr statt und wird dann von den sechs Kreisverbänden separat organisiert. Dies ist zumeist im März der Fall. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten die Lehrgänge diesmal vielerorts nicht wie geplant durchgeführt werden und mussten hier und da ausfallen. Dies gilt auch für die Seenplatte.

Gebündelter Ersatzlehrgang

Diesem Problem will der Landesfußballverband (LFV) nun mit einem Ersatzlehrgang entgegenwirken. Erstmalig unterstützt der Dachverband die sechs Kreisverbände, in dem er die Theorievermittlung der Lehrgänge gebündelt organisiert und betreut. Bereits am 25. Oktober startete ein kreisübergreifender Anwärterlehrgang – und zwar im Online-Format.

Schiedsrichter-Lehrgänge über den Computer sind in Vorpommern-Greifswald bereits bestens bekannt. Schon seit einigen Jahren setzt man dort laut Diana Räder-Krause auf das Internet, um damit gezielt den Nachwuchs anzusprechen und den allgemeinen Aufwand geringer zu halten. So konnte auch der Lehrgang im März wie geplant durchgeführt werden. Doch auch im Osten Vorpommerns gilt: „Jahr für Jahr gibt es weniger Interessenten“, so Räder-Krause. „Ich betreue die Lehrgänge in Greifswald seit sieben, acht Jahren. Im März hatten wir nur vier Teilnehmer, einer brach die Ausbildung ab. Das ist problematisch.“ Den zusätzlichen Lehrgang nimmt man in Vorpommern-Greifswald daher gerne an.

Theorie soll am Computer vermittelt werden

Planmäßig acht Wochen soll die Theorievermittlung am Computer dauern. Über Abseits bis hin zur Handspielregelung sollen die Teilnehmer dabei gut vorbereitet sein, um die Prüfung zum Referee erfolgreich abzulegen. Doch ganz ohne Präsenz geht es doch nicht. „Verschiedene Situationen müssen einfach von Angesicht zu Angesicht ausdiskutiert werden“, weiß Räder-Krause. Auch für die Prüfung brauche es einen Vororttermin. Planmäßig wird der Lehrgang des LFV daher von drei Präsenzterminen begleitet, die von den Kreisverbänden selbst organisieret werden.

So hat der Auftakt für die Seenplatte in Neubrandenburg zum Beispiel bereits stattgefunden. Wann allerdings die nächsten Termine durchgeführt werden, ist aufgrund der steigenden Infektionszahlen völlig offen. „Stand jetzt können die im November geplanten Termine nicht stattfinden“, sagte Eberhard Hoth. Gleiches gilt auch für Vorpommern-Greifswald, der Landkreis wird als Risikogebiet eingestuft. „Wir überlegen noch, den Zwischentermin eventuell per Video- und Telefonkonferenz durchzuführen“, heißt es indes aus Westmecklenburg. „Was die Prüfung angeht, haben wir noch keinen Zeitdruck“, sagt Räder-Krause. „Es wäre super, wenn es bis zum Jahresende klappt.“

Bisher 35 Teilnehmer angemeldet

Für den aktuellen Online-Lehrgang haben sich insgesamt 35 Teilnehmer zwischen 14 und 40 Jahren angemeldet, wie Oliver Nitzsche vom Landesfußball verriet. Darunter befinden sich zwei weibliche Anwärterinnen. „Die Hälfte der Teilnehmer ist unter 18 Jahre alt“, so Nitzsche. Bis auf den Kreisverband Warnow beteiligen sich fünf der sechs Fußballverbände an dem Lehrgang. Aus dem Landkreis Seenplatte sind acht Teilnehmer mit dabei, was laut Hoth für einen Online-Termin „ganz ordentlich“ sei. Aus Vorpommern-Greifswald nehmen lediglich zwei teil.

Ist die Prüfung einmal abgelegt und der Spielbetrieb wieder aufgenommen, werden die neu ausgebildeten Schiedsrichter bei ihren ersten Spielen noch durch erfahrene Kollegen begleitet. In der Hoffnung, es werden ausreichend Kollegen mit Kartenset und Trillerpfeife bereitstehen.

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