TODESFALL LEONIE

Schwester von Leonies Stiefvater überredete ihn zum Aufgeben

Im Fall der toten Leonie (6) aus Torgelow kommen immer mehr Details ans Licht. Nach seiner Flucht traf sich der mordverdächtige Stiefvater David H. bei der Schwester mit seinem Anwalt. Die hatte ihn offenbar überredet, sich den Behörden zu stellen.
Holger Schacht Holger Schacht
Mit diesem schwarzen Mercedes-Transport wurde David H. im Januar aus Anklam zum Amtsgericht Pasewalk gebracht. Ein Kameramann und ein Fotograf hielten das Geschehen fest. David H. wird „Mord durch Unterlassen“ vorgeworfen.
Mit diesem schwarzen Mercedes-Transport wurde David H. im Januar aus Anklam zum Amtsgericht Pasewalk gebracht. Ein Kameramann und ein Fotograf hielten das Geschehen fest. David H. wird „Mord durch Unterlassen“ vorgeworfen.
Torgelow.

Ruppig kann‘s zugehen im Polizeialltag, und das bekam offenbar auch David H. zu spüren. Als sich der Stiefvater der toten Leonie (6) nach seiner Flucht aus dem Pasewalker Polizeigewahrsam in der Polizeiinspektion Anklam stellen wollte, nahmen ihn Beamte auf dem Weg dorthin fest. David H. saß im Mercedes seines Anwalts Bernd Raitor, als die Ermittler den Wagen auf der B 109 bei Ducherow rauswinkten.

Anwalt Raitor, der zuvor mehrfach mit dem unter Mordverdacht stehenden David H. telefonisch in Kontakt gestanden hatte, war in ein Dorf bei Jatznick gefahren, um ihn bei dessen Schwester abzuholen. Die hatte David H. offenbar dazu überredet, aufzugeben. Später folgten dem Auto des Anwalts zwei Zivilfahnder im Opel Corsa, forderten ihn zum Halten und David H. zum Aussteigen auf.

Anwalt kritisiert Vorgehen der Polizei

Raitor: „Das war nicht korrekt. Ich hatte der Kripo signalisiert, dass David H. im Beisein seines Rechtsbeistandes zur Polizei nach Anklam kommen werde. Mit dieser Aktion wollte die Polizei offenbar der Öffentlichkeit zeigen, dass sie David H. habhaft gemacht hätten.“ Raitor riet seinem Mandanten im Auto: „Gut, steigen Sie aus.“

Heute sagt er: „Nötig war diese Polizei-Aktion nicht.“ Innenminister Lorenz Caffier (CDU) bewertete den Einsatz damals mit den Worten: „Polizeiliche Interventionen messen sich immer am Einzelfall.“ Polizeisprecherin Claudia Tupeit vom Polizeipräsidium Neubrandenburg drückte es anders aus: „Das war Ermittlererfahrung.“

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Wo sich David H. nach der Flucht aufgehalten hatte, ist weiter unklar. Die Polizei hatte nach ihm in Groß Luckow gefahndet, nach der Festnahme dort Spuren und Beweismaterial gesichert. Was deren Auswertung betrifft, schweigen sich Polizei und Staatsanwaltschaft aus „ermittlungstaktischen Gründen“ aus.

Am Donnerstag wird David H. zum Haftprüfungstermin zum Amtsgericht Pasewalk gebracht. „Er wird in der U-Haft ordentlich behandelt. Es gibt keine Probleme“, erklärte sein Anwalt. In den Haftprüfungstermin geht der erfahrene Strafverteidiger nicht ohne Hoffnung: „Ich sehe bei meinem Mandanten keinen dringenden Tatverdacht. Seine Erklärungen sind schlüssig.“

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