Todesfall in Torgelow

Selbstjustiz ist keine Option

Aufrufe zur Menschenjagd im Internet und eine Polizei, die das so ernst nimmt, dass sie vor Lynchjustiz an Leonies Stiefvater David H. warnt. Dazu ein Kommentar von unserem Redaktionsmitglied Philipp Schulz.
Philipp Schulz Philipp Schulz
David Hedtke wird wegen Mordes an seiner Stieftochter Leonie (6) aus Torgelow gesucht.
David Hedtke wird wegen Mordes an seiner Stieftochter Leonie (6) aus Torgelow gesucht. ZVG
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Torgelow.

„Hoffentlich kriegen ihn die Richtigen” – nicht die Polizei. „Er soll brennen, nie wieder lachen, nie wieder Spaß haben.” „Er soll gejagt werden.” Solche Kommentare finden sich unter nahezu jedem Post auf der Facebookseite von David H., dem Stiefvater von Leonie, der wegen mutmaßlichen Mordes an dem Mädchen von der Polizei gesucht wird.

Diese Kommentare sind Ausdruck von etwas, das im ersten Moment sehr nachvollziehbar ist. Schwächere schützen, ein uneingeschränktes Unverständnis gegenüber einem Fall wie diesem. Das gesamte Unverständnis und die Wut kanalisieren sich gerade in den Sozialen Netzwerken, was aber keinen der Kommentare richtiger macht. Denn sie sind Aufrufe und Ermutigungen, das Recht in die eigene Hand zu nehmen.

Lynchjustiz erzeugt nur neue Täter

Genau dieses Recht liegt jedoch nicht in der Hand von denjenigen, die sich für ausersehen oder berufen halten, es selbst zu vollstrecken. Es liegt mit guten Grund in der Hand des Staates und seiner Institutionen. Das ist keine Moralkeule und keine staubige Theorie, das ist fundamental und darf innerhalb unserer Gesellschaft nicht verhandelbar sein. Genauso wie der Täter, der sich über das Recht des Opfers stellt und ihm jede Entscheidung nimmt, handelt jeder, der selbstgerecht eine Strafe ausübt: Ohne jedes Maß, anklagend und richtend zugleich.

Was, wenn der Hass aus dem Internet in der Realität endet? Was passiert, wenn jemand, der Leonies Stiefvater ähnlich sieht, durch Vorpommern spaziert? Unvorstellbar. Und was tut jemand, wenn er den Stiefvater findet? Einen nicht verurteilten Menschen schlagen, ihn, wie in den Kommentaren gefordert, umbringen? Die Welt wird dadurch nicht besser.

Strafe ja, aber per Gesetz

Das ist kein Plädoyer, sich in Mitleid zu üben, kein Einsatz für jemanden, der womöglich einem kleinen Mädchen brutal das Leben genommen hat. Jeder sollte sich aber bewusst machen, dass es im Moment nur einen Verdacht gibt, ganz gleich, wie offensichtlich der Fall auch immer scheint.

Klar bleibt aber auch: Der Mörder von Leonie soll mit aller Härte bestraft werden. Aber vom Staat, und nicht vom Internet oder einigen wenigen durch Selbstjustiz.

Alle Beiträge zum Todesfall Leonie finden Sie hier.

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Kommentare (1)

Seit Jahren wird , wie kürzlich in der Presse berichtet, in Moscheen in ganz Deutschland durch Imame Hass, Gewalt, der Aufruf zu solcher systematisch der neuen Generation gepredigt... Tag für Tag wird da all das gepredigt... legal unter dem Denkmantel eines "Gottes"... Dass die Blinde Justizia nichts machen kann... das sich im Volk was jetzt in einer Phase der Trauer und des unverständnisses der... Wie formuliert man versagen der Exekutive In Pasewalk gleich... sich entlädt ist doch keine Frage.... wenn man Tag für Tag in dieser Gesellschaft... Nur noch mit Doppelmoral konfrontiert ist nur mal an dem Bsp. wie erwähnt... wären es die Christen, Juden, Hindus... dann hätte Ick die erwähnt... Also nicht in eine Ecke jetzt drücken... Aber wäre nicht so ein Medium wie eine Zeitung in der Pflicht... Eine auf Werte basierende Weltanschauung zu vermitteln... Oder doch nur Auflage?!? Danke Ein halbwegs Intelligenter Mensch... bürgt sich nicht die Konsequenzen für eine Tat an den Täter auf. Im "anonymen Schutz" des Netzes ist doch heutzutage jeder ein cowboy... Ankläger... Richter... Henker Aber halt nur im Netz...