Gastronomie am Haff

Sind die Bürger Schuld am Kneipensterben?

Die Stadt Ueckermünde erlebt gerade eine Schließungswelle von Gaststätten und Kneipen. Auch das Rathaus lässt die Entwicklung nicht kalt. Vize-Bürgermeister Joachim Trikojat sieht die Verantwortung auch bei den Ueckermündern.
Christian Johner Christian Johner
Die Tapas Bar in Ueckermünde ist schon länger Geschichte.  Ein Grund für die Schließung waren fehlende Gäste. 
Die Tapas Bar in Ueckermünde ist schon länger Geschichte. Ein Grund für die Schließung waren fehlende Gäste. NK-Archiv
Joachim Trikojat
Joachim Trikojat Archiv
3
SMS
Ueckermünde.

Ueckermündes Vize-Bürgermeister Joachim Trikojat sieht die Bürger in der Verantwortung, was das Kneipensterben am Haff angeht. Seit Sommer vergangenen Jahres haben mehrere Lokale, wie etwa die Tapas-Bar oder die Kneipe „Zum Gehfehler” geschlossen, beziehungsweise planen eine Schließung, wie die „Zitterbacke”. Der Leiter des Hauptamtes in der Ueckermünder Stadtverwaltung sieht vor allem den Verbraucher in der Pflicht und hat Erklärungen für die Schließungswelle am Haff.

Grundsätzlich habe sich die Mentalität verändert: „Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Die Leute vereinsamen vor ihren Computern, anstatt wegzugehen. Zu DDR-Zeiten hat man in den Kneipen teilweise keinen Platz mehr bekommen. Heute ist das Gegenteil der Fall“, sagt Trikojat und gibt sich nichtsdestotrotz optimistisch: „Eine Gaststätte mit einem guten Konzept und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis hat in Ueckermünde eine Zukunft. Da bin ich mir sicher.“

Tot ist Ueckermünde noch lange nicht

Ueckermündes Stadtvertreter Carsten Seeger (SPD) schlägt in die gleiche Kerbe: „Die Verhaltensweisen und die soziale Kommunikation haben sich durch die sozialen Netzwerke wie Facebook einfach verändert.“ Doch tot sei Ueckermünde – was Kneipen, Cafés oder Bars angehe – lange nicht. Es gebe immer noch viele tolle Sachen und nach wie vor Lokale, die gut besucht sind. „Das Goethe-Café zum Beispiel erlebt ja einen echten Höhenflug und kann sich über fehlendes Publikum nicht beklagen“, sagt Seeger.

Vize-Bürgermeister Trikojat erwartet dennoch keine direkten Auswirkungen auf die Urlauberzahlen im Seebad: „Aber wenn sie hier sind, dann fehlt ihnen natürlich das Angebot.“

Kommentare (3)

Dann soll der Bürgermeister, ein Stammtisch gründen

Natürlich sind sie das. Das ist doch keine Frage. Die Menschen haben ja auch alle falsch gewählt im September 2017. Mein Gott.... Ich kann nur sagen: " Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit."

Im Vergleich zum "Nichtstun" in DDR-Betrieben (Ziegeleien in Ueckermünde schrieben Verluste in Mio-Höhe; Gießerei musste in der BRD zukaufen, um Verträge mit Unternehmen in der BRD erfüllen zu können/Produktion vorbei am Markt/keine Ersatzteile für die Anlagen aus Westdeutschland, ...; Betonwerk "produzierte" wohl Rasengittersteine für Grenzanlagen der DDR; ...) und damaligen Preisen erhalten Arbeitssuchende heute weniger Geld. Auf der anderen Seite gibt es Preise vor Ort wie in einer Weltstadt. Bei Aldi, Lidl, REWE, Spar & Co (Wo zahlen die eigentlich ihre Steuern?) ist es dann billiger. Hartz-IV-Empfänger fahren mit dem Rad nach Egessin und Torgelow, um Preise zu vergleichen und Einkäufe durchzuführen. Dann braucht es besondere Dinge, um Touristen auch im Winter in die Region zu holen (ein Ticket für diverse Anbieter, ... Schwimmbad und Kultur vor Ort, ...).