DILDOPARTY

So kommt in Vorpommern Leidenschaft aus dem Koffer

Tupper- und Schmuckpartys kennt wohl inzwischen jeder. Dessous-Partys sind schon etwas seltener. Aber Dildopartys? Dabei ist Ausprobieren ausdrücklich erwünscht.
Hier der Inhalt des Koffers der Dildofee.
Hier der Inhalt des Koffers der Dildofee. Katja Richter
Von den Besucherinnenn der Dildoparty in Eggesin wollte sich aus verständlichen Gründen niemand ablichten lassen. Do
Von den Besucherinnenn der Dildoparty in Eggesin wollte sich aus verständlichen Gründen niemand ablichten lassen. Doch die Vorpommerinnen dürften genauso überrascht geschaut haben wie die Frauen auf unserem Foto. © Scott Griessel - stock.adobe.com
Eggesin.

Der mitgebrachte Sekt ist bereits vorgekühlt, und die ebenfalls von jedem Partygast vorbereiteten Snacks, Dips und Gemüsesticks werden ruckzuck zu einem Buffet anrangiert. Das klingt nach einem Mädelsabend, ist es auch – aber einer der ganz speziellen Art. Die Frauen warten noch auf einen unbekannten Gast und vor allem auf den Inhalt seines Koffers.

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Zweiter Fakt des nicht ganz so Alltäglichen: Die jungen Frauen kennen sich zum Teil gar nicht. Die einzige Schnittstelle und somit allen bekannt ist die Gastgeberin, die zu dieser Party einlud.

Dildofee mit weiter Anreise

Der besondere Gast, eine „Dildofee“, wird es allerdings nicht ganz pünktlich schaffen, so steht es jedenfalls in der Nachricht auf dem Handy der Gastgeberin. Wie soll das auch gehen? Schließlich ist es Freitagabend, der Urlaubs- und Ferienverkehr rollt noch auf unseren Straßen, und die Dildofee hat zudem eine ziemlich weite Anreise zu absolvieren.

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„Es war gar nicht so einfach, überhaupt an eine Dildofee zu kommen und sie zu buchen“, berichtet die Gastgeberin, die unerkannt bleiben will. Es scheint also in Vorpommern niemanden zu geben, der mit Dildopartys sein Geld verdient.

Wohnzimmerverkaufspartys, bei denen Kerzen, Schmuck, Reinigungsmittel, Dessous oder die allseits bekannte Tupperware unters Volk gebracht werden, sind selbst der Männerwelt seit Jahren ein Begriff. Dagegen werden Dildopartys, auf denen Sexspielzeuge sowie Pflege- und Erotikprodukte vorgestellt, angepriesen und zum Teil natürlich auch ausprobiert werden dürfen, immer noch belächelt und jedenfalls hier im Nordosten nicht all zu oft gefeiert.

Frauen im Osten viel offener

Woran das liegt, kann sich „Dildofee“ Anka Greuel aus Schleswig-Holstein nicht so richtig erklären. „Ich finde, die Frauen hier im Osten sind viel offener und überhaupt nicht verklemmt. Es macht richtig Spaß“, sagt die „Fee“, die sonst zusätzlich in der Gastronomie arbeitet. Sie nimmt zwar wenige, dafür jedoch regelmäßige Termine in Mecklenburg-Vorpommern wahr, erzählt Anka Greuel. „Ich bin ungefähr alle zwei Monate für ein Wochenende in der Gegend“, sagt die Dildo-Spezialistin. Sie kenne noch eine „Fee“, die sich in MV einen kleinen Kundenstamm aufgebaut hat, aber allzu groß sei das Interesse hier nicht. Fürs Wochenende steht nur noch eine weitere Party im Terminkalender – in der Mecklenburgischen Seenplatte.

Doch erst einmal heißt es, in Eggesin die „Ersttäter“ – darunter gibt es übrigens nicht viele an diesem Abend – nicht nur zu überzeugen, sondern vor allem locker zu machen und aufzutauen. Alle Produkte aus dem Koffer , egal ob Massage- oder Zaubergel, Öl, Auflegevibratoren oder die der Party namensgebenden Dildos, werden nacheinander erklärt – und ja, tatsächlich auch ausprobiert.

Wie probiert man einen Dildo in Gesellschaft aus?

Wer jetzt ins Grübeln gerät, wie und wo frau einen Dildo unter Zuschauern ausprobiert, dem sei erklärt, dass die Nasenspitze sehr empfindlich ist und sich hierfür bestens eignet. So werden nacheinander die verschiedenen Lustspielzeuge, die es im Übrigen in zahlreichen Farben und Formen gibt, durch die Mädelsrunde gereicht, sodann gefühlt, gerochen, geschmeckt und natürlich erstaunt an die Nasenspitze gehalten.

Genau aus dieser Idee heraus entstand vor 20 Jahren auch das Konzept „Dildofee“. Bis dahin gab es lediglich die bekannten Sexshops, in die frau sich jedoch nicht traute. Wenn sie dann doch allen Mut zusammennahm, konnte die Kassiererin nichts erklären: Alles schien ausschließlich der Männerwelt vorbehalten.

TÜV-getestete Toys

Nicht so bei „Dildofee“. Das Unternehmen wirbt mit Exklusivtoys made in Germany, die vom TÜV auf Schadstofffreiheit und Schleimhautverträglichkeit getestet wurden. Auch bei Kosmetikprodukten und Gleitgelen wird auf hochwertige Inhaltsstoffe und gute Verträglichkeit geachtet. Ob diese dann nach Kirsche oder Toffee schmecken, bleibt Geschmacksache. Mittlerweile gibt es zahlreiche Nachahmer des Konzeptes.

Zur Beratung gehören auch persönliche Geschichten, Erlebnisse der Dildofee sowie die Auffrischung der Kenntnisse über Anatomie und Funktionsweise der äußeren und inneren Stimulationspunkte. „Hast du etwa alles selbst ausprobiert?“, fragt eine verwunderte „Ersttäterin“. Das Lächeln der Dildofee sagt mehr als Worte.

Verraten muss am Ende bei solchen Partys allerdings niemand etwas, denn die Bestellung erfolgt immer in einem separaten Raum, den die Gastgeberin aus datenschutzrechtlichen Gründen unbedingt zur Verfügung stellen muss.

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