Manuela Schwesig war voll in ihrem Element: Vor 180 Bürgern sprach die Ministerpräsidentin ganz viel über Polit
Manuela Schwesig war voll in ihrem Element: Vor 180 Bürgern sprach die Ministerpräsidentin ganz viel über Politik – aber auch über ihre Krankheit. Fabian Beyer
Rossows Bürgermeister Edmund Gebner (rechts) hat das Eis beim Bürgerdialog gebrochen.
Rossows Bürgermeister Edmund Gebner (rechts) hat das Eis beim Bürgerdialog gebrochen. Fabian Beyer
Brustkrebs

So stark war Schwesig beim ersten Auftritt nach der Krebs-Nachricht

Am Morgen gab sie ihre Krebs-Erkrankung bekannt – am Abend stürzte sich Ministerpräsidentin Manuela Schwesig in Torgelow ins politische Alltagsgeschäft. Die Nähe zum Bürger tat ihr offenbar gut.
Torgelow

„Es sind genug Tränen geflossen, jetzt ist es Zeit anzugreifen.“ Manuela Schwesig scheint die Schock-Diagnose überwunden zu haben. Bei ihrem ersten Auftritt, nachdem sie die Öffentlichkeit von der Brustkrebs-Erkrankung informiert hat, soll ihre Gesundheit nicht im Zentrum stehen.

Keine Umarmung, keine Blumen. Ein ganz normaler Termin im Leben einer Ministerpräsidentin. „Ich spreche es gleich an, dann haben wir es hinter uns“, sagt sie beim Bürgerdialog im voll besetzten Ueckersaal in Torgelow.

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Und doch ist ihr zu Beginn anzumerken, dass es kein Tag wie jeder andere ist – was aber auch keiner von ihr erwarten kann. Ihr Lächeln wirkt gedämpfter als sonst, ihre Stimme aber klar wie immer. Die SPD-Politikerin glaubt, dass nichts schief gehen kann, schließlich ziehe sie die Kraft vom Land, ihrer Familie und der Partei. Darauf folgt ein Applaus, der aber nicht anders als bei einer anderen Rede ausfällt.

Schwesig möchte normal weitermachen

Schwesig ist voller Tatendrang, möchte normal weitermachen, wie sie erklärt. Sofort spricht sie die Kita-Gebühren an, die ab dem kommenden Jahr wegfallen. Deutlich positioniert sie sich für die Grundrente in Mecklenburg-Vorpommern, richtet ihren Blick damit auf die ältere Generation. Dabei gestikuliert sie immer wieder mit ihren Händen, um ihren Aussagen Nachdruck zu verleihen.

Bei der ersten Wortmeldung aus dem Publikum ist der Bann gebrochen – Schwesig und das Publikum verlieren ihre zu Beginn durchaus verständliche Anspannung. Der Bürgermeister der Gemeinde Rossow, Edmund Gebner, meldet sich, bringt mit seiner humorvollen Art den Saal zum Lachen. Auch Schwesig lacht jetzt fröhlicher als noch zu Beginn.

Aus Versehen macht sie sogar selbst einen Witz, spricht ihn mit „Herrn Rossow“ an statt mit seinem Namen. „Ich habe mir schon Sorgen gemacht, dass sich die Leute wegen meiner Krankheit zurückhalten“, sagt sie erleichtert. Umso glücklicher wirkt die Ministerpräsidentin darüber, dass Rossows Bürgermeister sie so locker anspricht. „Sie haben das genau richtig gemacht“, unterstreicht sie ihre Haltung mit Worten – und entsprechenden zugewandten Gesten.

In den Alltag zurückzufinden

Auch bei den weiteren Fragen aus dem Publikum reagiert Schwesig routiniert. Sie macht klar, dass ihr die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern viel bedeuten. Der gemeinsame Abend mit rund 180 Bürgern hat ihr geholfen – das wird deutlich – wieder in den Alltag zurückzufinden. Probleme und Fragen der Bürger klären, vor Ort tätig sein, Dialoge führen – und nicht nur auf ihre Krankheit angesprochen zu werden.

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So verlässt die Ministerpräsidentin den Raum auch ein Stückchen glücklicher, als sie ihn betreten hat. Am Morgen, bei der Bekanntgabe der Diagnose Brustkrebs im Landeskabinett, soll Schwesig noch mächtig damit zu kämpfen gehabt haben, den Polit-Kollegen die schlimme Nachricht zu überbringen.

Malu Dreyer bleibt an SPD-Spitze allein zurück

Zu kämpfen hat jetzt auch die sowieso schon gerupfte Bundes-SPD. Schwesig legt ihren kommissarischen Vorsitz nieder, ihr Mitstreiter Torsten Schäfer-Gümbel zieht sich zum 1. Oktober aus der Politik zurück. Die Dritte im Bunde, Malu Dreyer, bleibt zunächst alleine zurück. Dreyer weiß, was es als Politikerin heißt, eine schwere Krankheit öffentlich zu machen.

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2006 war das. Seither geht sie offen damit um, dass sie Multiple Sklerose (MS) hat, auch eingeschränkt ist beim Laufen, ohne die Krankheit in den Vordergrund zu stellen. In einem Interview sagte sie einmal: „Körperliche Verletzlichkeit einzugestehen wird von vielen immer noch als Schwäche gesehen – und nicht als mentale Stärke. Deshalb ist dies eine schwere Entscheidung für jeden Politiker, immer noch.“

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