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Verwarngelder

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So viel nehmen unsere Städte aus Strafzetteln ein

An der Einfahrt zum Parkplatz des Rathauses Torgelow steht dieses Schild mit den Parkregeln. Von einem Großteil des Parkplatzes kann es nicht eingesehen werden.
An der Einfahrt zum Parkplatz des Rathauses Torgelow steht dieses Schild mit den Parkregeln. Von einem Großteil des Parkplatzes kann es nicht eingesehen werden.
Holger Schacht

Für Autofahrer ist‘s ärgerlich, für Ueckermünde, Torgelow und Eggesin bedeuten sie zusätzliche Einnahmen. Allein in Ueckermünde schrieben Mitarbeiter des Ordnungsamts im vergangenen Jahr 1979 Knöllchen. Auch in Torgelow und Eggesin werden die Stadtkassen mit Verwarngeldern aufgefüllt.

Kurz das Auto abgestellt, schnell was erledigen – und schon klebt das Knöllchen an der Frontscheibe. Markus Schulz (56) ist das in Ueckermünde passiert: „So ein Mist, ich hab nur schnell Papiere bei der AOK eingeworfen, hab den Mitarbeiter vom Ordnungsamt nicht mal gesehen.“ Schulz hatte in der Eile vergessen, die Parkscheibe aufs Armaturenbrett zu legen, nun muss er zehn Euro Verwarngeld zahlen.

Wie ihm erging es in Ueckermünde im vergangenen Jahr 1979 Autofahrern. Sven Behnke, Sprecher der Stadt Ueckermünde: „Das bedeutet 36.412,50 Euro Einahmen in 2017.“ Wobei die Tendenz nach unten geht. Im Jahr 2016 waren es 2265 Verfahren, die zu 43.798 Euro Einnahmen führten. Ein Jahr zuvor 2215 Knöllchen und 44.667 Euro auf der Habenseite. Ein bis zwei Leute wurden zu den Kontrollen eingesetzt.

Das Parken in Torgelow ist grundsätzlich kostenlos

In Torgelow vorm Rathaus gibt’s ebenfalls Parkscheiben-Zonen. Torgelows Stadtsprecher Ulrich Blume betont: „Zunächst einmal ist festzustellen, dass das Parken in Torgelow grundsätzlich kostenlos ist. Damit unterscheidet sich Torgelow von verschiedenen Städten im Umfeld, die Parkscheinautomaten eingerichtet und somit das Parken gegen Gebühr haushaltstechnisch fest eingeplant haben.“ Er hält die Kurzzeitregelungen fürs Parken rings um das Rathaus für notwendig: „Im unmittelbaren Umfeld sind zahlreiche wichtige öffentliche Einrichtungen, zum Beispiel Banken, Apotheken, das Henwi-Kaufhaus, Gaststätten, Friseure, Einzelhändler, Bäcker, Arztpraxen, Physiotherapeuten angesiedelt. Diese werden in der Regel nur kurzzeitig genutzt.“

Nicht von jedem Parkplatz aus ist das Schild zu sehen

Torgelow, so Blume, habe täglich 1200 mehr Einpendler als Auspendler – hauptsächlich Menschen, die nach Torgelow zur Arbeit führen. Blume: „Die Kurzzeitregelung fürs Parken soll verhindern, dass die Innenstadt mit Fahrzeugen zugeparkt wird, die ganztätig stehen bleiben und damit verhindern, dass etwa Besucher von Arztpraxen weite Laufstrecken zu überwinden haben.“ Für neue Torgelow-Besucher kann die Parkscheibenpflicht-Beschilderung vorm Rathaus jedoch problematisch sein. Es gibt etliche Parkplätze, von denen aus kein Schild erkennbar ist. Blume dagegen: „Die Ausschilderung der Parkeinschränkungen ist gut sichtbar und an den vorgeschrieben Stellen installiert. Bei jeder Auffahrt zu einem Parkplatz steht ein Schild.“

Selbst der Rathaus-Mitarbeiter hat schon Knöllchen kassiert

Friseurin Christin Schreiber (29) und Textilreinigerin Manja Steinfeldt (38), beide aus Torgelow, mussten bereits Verwarngelder zahlen. Bei Christin Schreiber war die Parkscheibe vom Armaturenbrett gefallen, Manja Steinfeldt hatte die Parkscheibe vergessen. Blume räumt ein, dass selbst er als Mitarbeiter des Rathauses schon Knöllchen bekommen habe, sagt selbstkritisch: „Wer irgendwo mit seinem Fahrzeug parken möchte, muss sich beim Aussteigen zunächst erkundigen, ob es Einschränkungen gibt oder irgendwo ein Automat steht.“ Knapp 2500 Euro pro Monat nehme Torgelow mit Knöllchen ein. Zwei Mitarbeiter setzt die Stadt stundenweise zur Kontrolle ein.

Auch in Eggesin ist seit Februar 2017 wieder eine Rathaus-Mitarbeiterin stundenweise unterwegs. Martina Sens vom Ordnungsamt: „Sie schrieb 400 Knöllchen, die zu Einnahmen von 5500 Euro führten.“